Freitag, 16. Februar 2018

Vorfrühling im Pfälzerwald

Von Hans Wagner



Eine Februarnacht in Trippstadt

Hornung, nannten ihn die Altvorderen. Liegt oft auch noch Eis und Schnee, so spürt der aufmerksame Beobachter doch, dass im Februar die Tage langsam und leise heller werden.
Selbst wenn noch bittere Kälte vorherrscht spürt man deutlich, dass Frühjahr ist nicht mehr fern.
 
Alter Birnbaum am Weg zu den zwei Steinen - Foto©UteKnieriemen-Wagner

In den sternenklaren Nächten erscheint uns der Himmel wie ein großes kosmisches Gemälde und man bekommt das Gefühl nicht los, dass unsere Augen immer tiefer in die Weiten des Universums vordringen. Mitten im Meridian flackert nun das Sternbild des Orions. Über ihm erstrahlt das Sternenpaar Kastor und Pollux. Die Götter haben sie zu glühenden, nie versinkenden Diamanten gemacht. Der Löwe mit dem königlichen Stern Regulus im Herzen ist bereit durch den Feuerreif der perlmutternen Milchstraße zu springen. Der gesamte südliche Himmel bis hoch in den Zenit leuchtet hell durch die Sternbilder des Wintersechsecks. Doch das geheimnisvollste Sternbild des Winterhimmels ist der mythische Jäger Orion mit seinem Gürtel und dem Schwertgehänge!
Der Jäger Orion rühmte sich in der altgriechischen Sage, alle Tiere besiegen zu können. Deswegen entbrannte zwischen ihm und dem Skorpion ein heftiger Kampf. Die Götter versetzten Orion und Skorpion an zwei gegenüberliegende Stellen des Himmelsgewölbes, so dass sie nie gleichzeitig über dem Horizont stehen. Die Sage berichtet weiter, dass Odysseus bei seiner Fahrt in die Unterwelt dem großen Jäger Orion begegnet sei. Er führte ihn mit den Vorzeitriesen Otos und Ephialtes auf. Sie seien nach Orion die schönsten Riesen gewesen. Orion wurde also noch vor ihnen eingestuft! Orion galt auch als der große Wanderer und mit seiner unendlichen Kraft als ein Wohltäter der Menschen. Er hatte drei Väter: Zeus, Poseidon und Hermes.
Etwas weiter südöstlich funkelt Sirius, der heilige Stern der alten Ägypter. Auch in den eiskalten Februarnächten weiß uns die Natur vieles zu erzählen und spricht sie nicht über die Pflanzen und Tierwelt zu uns, dann teilt sie sich uns über die Sternenwelt mit.
Wenn man sich in einer kalten Februarnacht draußen in der Natur aufhält und den funkelnden Sternenhimmel beobachtet, dann ist die eigene Seele eingespannt in den Rhythmus des kosmischen Geschehens, in das „Stirb“ und „Werde“ von Mutter Natur. Mystisch blinkt der Vollmond zwischen den Bäumen auf.

Im dunklen Wald lockt ein Käuzchen und das Knacken im Unterholz verrät Wild, oder sind es Waldelfen die uns hier umschleichen? Der nächtliche Wald öffnet nicht nur das Gedankenmeer, er ist auch eine Pforte ins Reich der Phantasie. Im Osten erscheint der Morgenstern.
In den Städten rauscht nun schon der Motor der Welt, doch hier in der Stille der Wälder machen sich nur die ersten Vögel mit leisem Zwitschern bemerkbar. In einem großen Schlehenbusch streiten sich die Tannenmeisen. Dann der Laut eines zu früh heimgekehrten Finken. 
 
Foto©Ute Knieriemen-Wagner

In der Morgendämmerung kann man die ersten Weidekätzchen entdecken, auch die Knospen der Kornellkirsche sind schon saftig und dick. Der Morgen dämmert klar und die Erde duftet nach nahem Frühling. Selbst die Buchen und Eichen zeigen schon dicke Knospen und man spürt, die Natur erwacht nach einem harten Winter zu neuem Leben.
An den Trippstadter Brunnen rauscht das Wasser und es scheint, als sei dieses Rauschen nun schon stärker und lauter als noch im Januar! Unsere Gedanken fließen mit dem Wasser dahin….
Am Kaltenborn - Foto©Ute Knieriemen-Wagner

Bald werden die ersten Zugvögel hier eintreffen. Wohl spüren sie es jetzt schon im tiefen Süden, dass sich der Lenz dem Pfälzerwald nähert. Unruhig wird wohl ihr Blick sein, sie prüfen ihr Gefieder ob es reisefertig ist, sammeln sich in Scharen, bereit zur Heimreise ins Herz des Pfälzerwaldes. Um hinein zu fliegen in diesen grünen Kranz der Wälder!

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