Dienstag, 10. Oktober 2017

Herbst im Pfälzerwald

Von Hans Wagner



Jahresring
So still und streng verzückt
so jugendlich dennoch verknöchert
die prallen Knospen recken nach den Sternennächten
kurz vor der Dämmerung erscheinen die Krähen
in deinen laublosen Ästen
oh alter Heidengott
oh Priester unter Baumgenossen
sprichst du für sie die Heidenmesse
blank glänzt der Schnee auf deinen starken Ästen.
Im Frühlingsregen ergrünen deine ersten Blätter
wenn andere Bäume schon in vollem Grün dastehen
erwachst du erst aus deinem grüblerischen Dämmern.
Der Kuckucksruf erklingt aus deinen Wipfeln
geballte Kraft der festen Blättermassen
steht du gelassen in der Mittagshitze
einsaugend brütende Sommerglut
ertönt aus deinen Kronen der Tauben Gurren.
Im Herbst erstarren deine grünen Blätter
des Eichelhähers buntes Gefieder
blinkt aus deinem Geäste
Fruchthüllen sprengen goldfarben
deine Eicheln auf schwarzen Waldboden
du stiller Wandler im Jahreslauf!
Eiche
ein Jahresring hat sich für dich geschlossen!

©Hans Wagner, Trippstadt

Es ist die Zeit der Farben in den Wäldern. Der Herbst ist ein Landschaftsmaler, schafft er doch eine wahre Sinfonie von Farbtönen. Das zarte Gelb, die verschiedenen Brauntöne bis hin zu einem satten kräftigen Rot des Laubes von Roteichen und Ahorn. Am Waldesrand leuchten nun bei Fichten und Birken die mystischen Fliegenpilze!

Mit dem „Goldenen Oktober“ beginnt auch die hohe Zeit des Wanderers. Für viele ist es die schönste Zeit um eine ausgedehnte Wanderung durch den Pfälzerwald zu unternehmen!
Überall begegnet man den von Spinnen geschaffenen kleinen Kunstwerken die gerade in den Morgenstunden, wenn der Tau die Spinnennetze noch feucht hält und die Sonnenstrahlen darauf fallen, besonders schön sind!
Einer der Höhepunkte im Herbst ist die Hirschbrunft. Mit ein wenig Glück kann man nun in den Wäldern das „Knörren“ der Hirsche hören.

Fotos © Ute Knieriemen-Wagner/ Tourist Info Trippstadt


Viele Zugvögel sind schon in Richtung Süden gezogen, die Nachzügler prüfen nun immer wieder ihr Gefieder und unter ihnen herrscht lebhafte Aufbruchsstimmung. Der majestätische Zug der Kraniche bildet den Abschluss der Vogelwanderung. Wenn diese großen Vögel ziehen wissen wir, dass der Winter bald vor der Tür steht.

Doch noch ist Herbst! Und so wie er mit den Farben zaubert, macht er es auch mit den Gerüchen. Schließlich ist Herbstzeit auch Erntezeit! Früh am Morgen duftet nun die Erde besonders herbstlich.
Es gibt sie auch, die tristen Herbsttage, an denen man am liebsten keinen Fuß vor die Türe setzen möchte, wo die Herbstwinde einen Hauch von Melancholie zu uns wehen. Aber auch die „dunklen Tage“ gehören zum Jahreskreislauf und zum Leben wie die fröhlichen Frühlingstage! Nun ist die Zeit, da die Beeren der Schlehen reifen. Die Schlehenfrüchte gehören zum Bild des Herbstes wie die Beerendolden des schwarzen Holunders. In beiden Sträuchern sind nun immer wieder viele Vögel zu Gast, die hier eifrig nach Nahrung suchen.
Es ist auch die Zeit, da die Bienen ihren Stock verschließen, um eng aneinander gedrängt zu überwintern.
Wenn die Blätter fallen, bereiten auch wir Menschen uns auf den Winter vor. Die kalte Jahreszeit ist eine Zeit der inneren Einkehr, Abende bei Kerzenschein und besinnlichen Gesprächen am Kaminfeuer machen diese Jahreszeit zu etwas ganz besonderem!
Genießen Sie den Herbst im Pfälzerwald!






Naturpark Pfälzerwald - Herbstwanderwoche 2017


Den Flyer erhalten Sie auch bei der Tourist Info Trippstadt!

Freitag, 6. Oktober 2017

Meditatives Wandern - Die Magie des Gehens

Von Hans Wagner


Meditatives Wandern ist nichts anderes als Meditation im Gehen. Diese Technik ist nicht modern, sondern eigentlich schon recht alt. Die Zen Mönche Japans benutzten dafür den Ausdruck Kinhin und die Taoisten im alten China gebrauchten die Wörter WuWei dafür, was in etwas bedeutet – „Kein Handeln wider die Natur“. Ein buddhistischer Mönch sagte einmal: „das wahre Wunder besteht nicht darin, auf dem Wasser zu wandeln, sondern auf der Erde zu gehen“.

 
Foto © Ute Knieriemen-Wagner/ Tourist Info Trippstadt

Was ist also der Schwerpunkt beim meditativen Wandern?
Es ist unsere Aufmerksamkeit. Wenn unser Schwerpunkt in unserem Kopf liegt, dann schweifen wir ab. Wir sind nicht wachsam, nicht voll konzentriert auf den Augenblick! Verlagern wir unseren Schwerpunkt auf den Bauch, fällt er zusammen mit unserem körperlichen und unserem geistigen Schwerpunkt. Dann fällt unser Tun mit unseren Gedanken in einem Punkt zusammen. Dann leben wir im Moment, im momentanen Schritt.

Wie verlagere ich nun meinen Schwerpunkt?
Der menschliche Organismus lebt in einem natürlichen Spannungsbogen. Nach der Anspannung folgt die Entspannung, die Regenerierung und Erholung. Dieser natürliche Spannungsbogen ist bei vielen Menschen gestört, sie bleiben im Spannungsbereich, in einer Dauerspannung. Die notwendige Erholung und Regeneration des Organismus, die zu einem ausgeglichenen Leben gehört, ist nicht mehr ausreichend gesichert. Der Mensch gerät dann aus seinem „Gleichgewicht“.
Körper, Geist und Seele stehen in keinem ausgewogenen Verhältnis mehr. Der Mensch funktioniert mehr, als dass er lebt. Psyche (Seele) und Soma (Körper) sind eine untrennbare Einheit, die wechselseitig aufeinander reagiert.


Während des meditativen Wanderns passiert es fast „automatisch“, dass ich meinen Schwerpunkt verlagere, also das Psyche und Soma eine Einheit bilden. Ist dieser Augenblick eingetreten laufen wir regelrecht in eine spontane Ganzheit von Fühlen und Denken hinein, wir sind jetzt eins mit uns und der uns umgebenden Landschaft.
Das Ziel des meditativen Wanderns ist es also, einen Ruhepunkt in uns zu finden.
Meditation oder meditatives Wandern kann für uns zu einer spirituellen Quelle der Harmonie werden. 

Das Rezept des meditativen Wanderns:
Meditatives Wandern führt den Menschen also zur Ganzheit. Das Rezept ist die Übung. Meditatives Wandern führt den Menschen auch ins unbekannte Land der eigenen Seele. Christian Morgenstern schrieb einmal in sein Tagebuch: „Ich bin wie eine Brieftaube, die man vom Urquell der Dinge in ein fernes, fremdes Land getragen und dort freigelassen hat. Sie trachtet ihr ganzes Leben nach der einstigen Heimat, ruhelos durchmisst sie das Land nach allen Seiten. Und oft fällt sie zu Boden in ihrer großen Müdigkeit, und man kommt, hebt sie auf und pflegt sie und will sie ans Haus gewöhnen. Aber sobald sie die Flügel nur wieder fühlt, fliegt sie von neuem fort, auf die einzige Fahrt, die ihrer Sehnsucht genügt, die unvermeidliche Suche nach dem Ort ihres Ursprungs.“
Aus ähnlichem Inneren Drang gehen Menschen heute wieder auf Pilgerfahrten. Etwas zieht sie in seinen Bann. Sie möchten nicht zu Hause bleiben, obwohl die Kirche gleich nebenan ist. Sie suchen ein Heiligtum in weiter Ferne. Beim meditativen Wandern ist dieses Heiligtum allerdings nicht in der Ferne, es befindet sich in unserem Innersten und wir finden es vor allem in der Natur die wir durchwandern.