Dienstag, 18. Juli 2017

Geheimnisvoller Wald




Leise betritt der Wanderer das Reich der Bäume, unwillkürlich atmet er auf und sein Auge erfreut sich an den grünen Schatten die die mächtigen Bäume werfen. Aus den Baumkronen dringt das Summen und Schwärmen geflügelter Insekten. Zwischen den Zweigen lassen Vögel ihr Gezwitscher ertönen und je tiefer man in den Wald eindringt, desto mehr Wildpfade kreuzen die Wanderwege. 



Fotos © Ute Knieriemen-Wagner Tourist Info Trippstadt



Gefüllt vom ewigen Leben der Natur ist der Wald. Stets keimt es im grünen Reich der Bäume, immer wird geboren, wächst heran, kämpft und stirbt es in der Natur. Manche Tiere legen sich am Abend zur Ruhe und die anderen erwachen nun erst. Der Pulsschlag von Mutter Natur pocht unaufhörlich.
Der Winter lässt ihn für einige Zeit in eine Starre fallen, doch auch während des tiefsten Frostes finden wir noch Lebensspuren in ihm. Der hohe Sommer jedoch, ist die wahre Zeit der Wälder. Der Wald ist wahrlich freigiebig und beschenkt sogar jene, die nicht unbedingt nach seinem Reichtum streben.
Es ist als strahle die Kraft des ewigen Kreislaufes des Lebens aus seinem Dunkel heraus und dringe in die menschliche Seele ein. Die erhabene Schönheit der alten Bäume, ihre majestätische Ruhe, in der sie seit Jahrzehnten und Jahrhunderten in ihrem Boden leben hat seit jeher bei den Menschen Respekt erweckt.
Der französische Philosoph Jean Jaques Rousseau schrieb einst an einen Verwandten:
„Die Natur ist voller Wunder, lieber Cousin; uns wird nur der Einblick in einen sehr kleinen Teil gewährt; es besteht also wenig Hoffnung, dass wir ihre Prinzipien einmal gänzlich verstehen oder all ihre Geheimniss enthüllen können.“

Ähnlich drückte es auch Bernhard von Clairvaux aus:
„Du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern. Die Bäume und die Steine werden dich Dinge lehren, die dir kein Mensch sagen wird.“ 

Wenn man die Formen von Pflanzen, Bäumen und Felsen betrachtet, wenn wir in den Nächten zu den aufblinkenden Sternen schauen, kommen wir schnell hinter das Geheimnis der Natur das die Philosophen und Dichter so oft beschrieben und besungen haben.
Bei einem meditativen Spaziergang durch den Wald, durch die Feld- und Wiesenflur spürt der Wanderer alsbald die Beziehung die zwischen ihm und Allmutter Natur besteht. Die ganze Natur scheint ihm beseelt. Die Bewegungen der Pflanzen im Wind scheinen ihm vertraut. Der Gang zu den Bäumen ist doch letztendlich wie eine Andacht, ein Gang der Freude, denn dort, wo Bäume wachsen scheint uns die Natur besonders freundlich gesinnt zu sein. 










Es waren nicht nur die Philosophen und Dichter die sich von den Geheimnissen des Waldes inspirieren ließen, auch die Künstler versuchten in das Rätsel der Natur einzudringen und dies in ihren Werken darzustellen. Einer von ihnen war der Maler Karl Wilhelm Kolbe der vor langer Zeit schrieb:
„Was seit jeher in der Natur mich am meisten angezogen hat, sind Bäume und Kräuter... und die Sonne, die ihnen Licht und Wärme mitteilt. Hier rührt und reizt mich alles, die schöne grüne Farbe, die dem Auge so wohl tut, die unendliche Mannigfaltigkeit der Formen und die Verschiedenheit des Ausdrucks, die in jeder derselben liegt; vor allem aber das Leben das sie beseelt, das ihre Welt an die meinige schließt... Dies alles... berührt wie mit einem Zauberstabe meine rege gewordene Phantasie... „
Mit vollem Recht durfte Kolbe von sich sagen: „Bäume sind es, die mich zum Künstler gemacht haben“. Denn die Gestalten die er schuf, sind nichts anderes als die Vermenschlichung des Lebens und Schicksals, das ihm Bäume und Wälder offenbarten. Er gestand offen, das wenn im „Paradies keine Bäume wären, er für seine Seligkeit keinen Pfifferling geben möchte“.  
Auch Goethe empfand so. Sein „Baum – und Waldvermächtnis“ hinterließ er uns in einem wunderschönen Gedicht:

Sag ichs euch geliebte Bäume
Die ich ahndevoll gepflanzt,
als die wunderbarsten Träume 
morgenrötlich mich umtanzt.
Ach, ihr wißt es, wie ich liebe,
Die so schön mich wiederliebt,
Die den reinsten meiner Triebe
Mir noch reiner wiedergibt.

Wachset wie aus meinem Herzen,
Treibet in die luft hinein,
Denn ich grub viel Freud und Schmerzen
unter eure Wurzeln ein.
Bringet Schatten, traget Früchte,
Neue Freude jeden Tag; 
Nur dass ich sie dichte, dichte,
Dicht bei ihr genießen mag. 


Artikel © Hans Wagner

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