Freitag, 12. Mai 2017

Ein Maispaziergang zu Trippstadter Brunnen



Von Hans Wagner 
Ein Artikel aus dem aktuellen Kranz der Wälder Heft, Mai Ausgabe.

Einen Ort der Ruhe und meditativen Besinnung findet der Wanderer bei einer Rast im grünen Sängerhain in Trippstadt. Im Ort gelegen, strahlt der Sängerhain im Mai eine romantische Abgeschiedenheit aus. Der wunderschöne Naturspielplatz lädt auch Familien mit Kindern zum Verweilen ein.

Unter den großen mächtigen Baumkronen sitzend, erwartet uns hier am frühen Morgen ein jubilierendes Vogelkonzert, eine herrliche Sinfonie, der alten Mutter Erde. Jene, die es vorziehen in der frischen und klaren Morgenluft zu wandern, werden hier im Morgendämmern zu Zeugen eines wunderschönen kosmischen Schauspiels. Begleitet vom Ruf des Kuckucks, können wir von hier aus sehr deutlich das Heraufdämmern der Sommersterne beobachten. Schaut man hoch in den Westhimmel, können wir gerade noch die letzten Wintersterne versinken sehen. Sirius, der geheimnisvolle Stern der alten Ägypter, ist schon verschwunden. Vom unruhigen Himmelsjäger Orion erkennt man gerade noch den linken oberen Schulterstern, Beteigeuze. Zwischen den Zwillingen und dem Löwen steht nun der Krebs und bereitet sich darauf vor, den Sommer in seine Zangen zu nehmen. Dem Wanderer erscheinen von hier aus die unendlichen Räume des Kosmos als Licht und Lampe eines in sich vollendeten Erdentages und vielleicht ziehen die Verse Schillers durch seine Gedanken: „Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“ 




Osterheldbrunnen - Foto © Ute Knieriemen-Wagner/Tourist Info Trippstadt

Foto © Ute Knieriemen-Wagner/ Tourist Info Trippstadt


In den Städten rauscht nun schon der Motor der Welt, doch hier im abgelegenen Haine herrscht Stille. Vom Sängerhain bricht der Wanderer nun zu einem weiteren verwunschenen Platz auf. Ein Blick auf die Wanderkarte zeigt dem kundigen Waldgänger, dass er von hier aus gemütlich zum Osterheld- und auch zum Candidus Brunnen wandern kann. Einige erhabene, mächtige Altbäume, aber auch verwunschene knorrige Baumgestalten, werden ihm auf seinem Weg begegnen; da ragen Wurzelwerk und sonderlich geformte Äste in die Lüfte. Da breitet sich am Wegrand der Buchenwald mit seinem toten Laub auf neues Leben vor, wie ein Teppich wachsen in ihm die weißen Buschwindröschen. Überall wird Bewegung, urtümliches Geschehen sichtbar, überall riecht, spürt und sieht man den Mai. In diesen Zeichen der Natur kann der Wanderer die Buchstaben eines Schöpfungsalphabetes erkennen, das in seiner Weise das Lob der Natur preist.


Der Friedrich Osterheldbrunnen lädt zur ersten Rast ein. In einem Buchenhain steht ein Steintisch, von Bänken umgeben. So kann man hier verweilen und dem leisen Plätschern des Wassers lauschen. Im weiteren Verlauf unseres Maispazierganges erreichen wir den Candidus Brunnen. Mächtige Eichen und Buchen umgeben ihn, die gerade ihr erstes zartes Grün angelegt haben. Zu dieser Jahreszeit scheint besonders viel Wasser aus der tiefen dunklen Walderde herauszufließen.
Wer sich hier auf der wuchtigen Waldbank niederlässt, muss nicht lange sitzen, bis er den „Zimmermann des Waldes“ vernimmt. Bald dringt ein lautes Trommeln aus dem Wald. Dann ist deutlich ein schallendes „Kliöh“ zu vernehmen. Der krähengroße Schwarzspecht markiert gerade akustisch sein Revier. Die Spechthöhle ist schon seit Anfang April fertig.
Mehr als zwei Wochen lang zimmerte er an seiner Eigentumswohnung und ließ dabei 10 000 Späne fliegen. Allein siebzehn Hiebe sind nötig, um einen Span zu entfernen. Die Jungen sind schon da und werden in den nächsten Wochen bis zu 225 000 Insekten und Waldschädlinge vertilgen.


Verschieden Bäume tragen hier Bärte – Bartflechten, ein Zeichen, dass dieser Platz mit der Luft noch im reinen ist. Werden diese Flechten allerdings zu stark, dann befindet sich der Baum leider auf dem „absteigenden Ast“, den die Flechten reagieren panisch auf den verschmutzten Atem der menschlichen Zivilisation.
Vom Candidus Brunnen aus führt uns der große Weg Richtung Aschbacherhof an einen Idyllisch gelegenen Waldweiher. Wie ein großes dunkles Auge der Erde scheint er in den Himmel zu starren.
 
Foto Candidusbrunnen © Tourist Info Trippstadt



Ein kleines Holzschild mit der Aufschrift „Felsenbrunnen“ weist in eine dunkle verwucherte Waldschlucht. Ein verwachsener Pfad führt den Wanderer zum vielleicht geheimnisvollsten Brunnen in der Umgebung Trippstadts. Genau in der Mitte eines kleinen Berggipfels gelegen, strahlt dieser felsige Brunnen etwas Mystisches aus.
Nur rüstige Wanderer sollten den Weg hierherauf antreten. Für den etwas mühseligen Aufstieg werden sie vom leisen Plätschern des Felsenbrunnens reichlich belohnt werden. Eine kleine Bank in den Fels eingelassen, lädt auch hier zur kurzen Rast ein. Wenig Licht dringt hierher und nur wenige „lichtscheue Gesellen“ der Pflanzenwelt haben sich hier angesiedelt. Moose, Flechten und Sauerklee fühlen sich in dieser „Dunkelkammer“ des Waldes besonders wohl.
Verschiede Meisen und auch den Zaunkönig kann man hier beobachten. Das Gurren der selten gewordenen Hohltaube ist hier auch noch zu hören. Diese bedrohte Taubenart brütet bevorzugt in verlassenen Schwarzspecht Höhlen. Dass ihre Art selten geworden ist, hängt mit dem Rückzug des Schwarzspechtes zusammen. Ohne seine Vorarbeit findet die Taube keine Nistmöglichkeiten.

Wenn der Wanderer den Felsenbrunnen verlässt, dem kleinen Pfad folgend auf dem Berggipfel angekommen ist, läuft er wieder Richtung Candidusbrunnen zurück, der nun allerdings linksseitig von ihm liegt.

Der kleine Pfad dem er nun folgt wird ihn zu einem großen Rundweg führen, der wieder nach Trippstadt zurückführt.

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