Donnerstag, 15. Dezember 2016

Zauberhafte Adventszeit - zur Geschichte unseres Weihnachtsbaumes



Von Hans Wagner 

Mit der Adventszeit beginnt die weihnachtliche Vorfreude. Der Dezember ist oft nicht weniger düster als sein Vorgängermonat und es ist wohl die Vorfreude und Erwartung, die uns diesen Monat so hell und licht erscheinen lässt. Es ist der Monat des Brauchtums, des Glaubens aber auch des Aberglaubens. In keinem anderen Monat des Jahres vermischen sich heidnische Bräuche und christliches Brauchtum so stark miteinander wie im Dezember. 


Aquarell © Ute Knieriemen-Wagner


Der Name Dezember ist lateinischen Ursprungs und bedeutet der „Zehnte“ und leitet sich von „decem“, „zehn“ ab, mit Cäsar wurde er dann endgültig der zwölfte Monat des Jahres! Sein altgermanischer Name war Julmond und geht auf das Brauchtum des Julklapp zurück. Maskierte Gestalten warfen mit dem Ruf „Julklapp“ ein Geschenk durch das Fenster oder die Tür. Dieser Julklapp war also der germanische Vorläufer unseres später entstandenen Weihnachtsfestes. Bereits am 4. Dezember, am Barbaratag beginnen die ersten Brauchtumsrituale. Man schneidet Zweige von einem Kirsch- oder Apfelbaum, stellt sie in eine Vase um sich am Weihnachtsfest eines blühenden Straußes zu erfreuen!
Mit dem alten Julfest, der „Wintersonnenwende“ nehmen die Tage wieder langsam zu. Und zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar beginnen die sogenannten Los- oder Rauhnächte. Nun reitet Wotan’s „Wildes Heer“ durch die Lüfte, um sich an den Abtrünnigen des alten Glaubens zu rächen.


Zur Geschichte unseres Weihnachtsbaumes
„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet würde……...."

Die meisten kennen den Anfang dieser alten Geschichte, als unsere Weihnachtsgeschichte. In jeder Weihnachtsanthologie ist sie enthalten und liegt somit in der Regel unter dem Christbaum. Dabei ist der Weihnachtsbaum noch gar nicht so alt. Sogar noch Anfang des 19. Jahrhunderts war er nur den wenigsten bekannt.

Der allererste Weihnachtsbaum, der urkundlich erwähnt wurde, stand 1539 im Straßburger Münster.
Anfang des 17. Jahrhunderts tauchte diese vorchristliche Sitte, zum Fest einen grünen Baum aufzustellen, zum ersten Mal wieder auf. Zunächst im Elsass dann zog der Weihnachtsbaum langsam in die ersten Bürgerhäuser von Zürich, München und Wien ein. Geschmückte Bäume hat es allerdings schon in Paradiesspielen seit dem Altertum gegeben. Ein Kupferstich Lucas Cranachs von 1509, „die Buße des heiligen Chrysostomus“, zeigt eine mit Lichtern und Sternen geschmückte Tanne, allerdings steht sie in der freien Natur, zwischen anderen Bäumen.
Diese neue und doch „alte Mode“, breitete sich rasch aus, so dass sich die Kirche schnell etwas überlegen musste, um diesen heidnischen Brauch in ihre Kirchenlehre zu integrieren. Es ist sogar noch die Rede eines damaligen Professors der Universität Straßburg erhalten, der die Bürger aufforderte mit solch „heidnischem Brauchtum“ zu brechen. Doch der Weihnachtsbaum trat seinen Siegeszug in die Wohnzimmer an. Dazu gibt es eine Beschreibung aus dem Jahre 1606:
„Auff Weihnachten richtet man Dannenbäum zu Strasburg in den Stuben auff, daran hencket man roßen aus vielfarbigem papier geschnitten, Aepfel, Obladen, Zischgold, Zucker. Man pflegt darum ein viereckig ramen zu machen…“
1765 beschreibt der junge Student Goethe einen Weihnachtsbaum, der im Hause der Mutter von Theodor Körner in Leibzig aufgestellt war: „…mit allerlei Süßigkeiten war er behangen, darunter Lamm und Krippe mit einem zuckernem Christkind. Davor stand ein Tischchen mit Pfefferkuchen für Kinder“.
Über ganz Deutschland hat sich der Brauch aber erst 1870/71 verbreitet. Im deutsch/französischen Krieg ordnete König Wilhelm I große Mengen von Weihnachtsbäumen für seine Soldaten an der Front an. Den Soldaten gefiel dies so gut, dass sie, wieder zuhause, zum Fest einen Christbaum aufstellten

Heute ist dieser Brauch Teil unserer Kultur und niemand, weder alt noch jung, weder arm noch reich, weder gläubig noch ungläubig, kann sich diesem Zauber entziehen, der uns alle um die Weihnachtszeit in seinen Bann zieht.
Auf den meisten öffentlichen Plätzen stehen dann festlich geschmückte und in der Dunkelheit leuchtende Tannen oder Fichten, um die Vorbeieilenden zu grüßen und an die Notwendigkeit zu erinnern einmal innezuhalten.
Wer möchte dieses Fest ohne einen leuchtenden Weihnachtsbaum verbringen, der in den dunkelsten Tagen des Jahres Licht in unsere Häuser und Herzen bringt!

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