Montag, 28. November 2016

Winterzeit Winterfeste und ihr volkskundlicher Hintergrund



Von Hans Wagner

Wenn der November die Nebelkarre durch das Land schiebt, spürt man es sehr deutlich: das Jahr schließt sich bald.
Der alte Name des Novembers hört sich so düster an wie der Monat ist: Neblung, so nannten ihn die Altvorderen. Jetzt da der Winter anscheinend schier endlos vor uns liegt, reifen die roten Früchte der Eibe. Ist die Fichte unser Weihnachtsbaum so wurde in neuerer Zeit die Eibe zu unserem Advents- und Neujahrsbaum. Dieser Brauch kam aus England zu uns. Eiben und auch Stechpalmen gelten im Volksglauben als Sinnbild des ewigen Lebens, Tod und Wiedergeburt. Schon die Germanen schmückten im Winter Wohnung und Stall mit den grünen Zweigen der Stechpalme um gute Waldgeister und Elfen in Haus und Hof zu locken und sich so vor Bösem zu schützen. Vor allem um die Zeit der Wintersonnenwende.

Weihnachtswichtel im Trippstadter Wald - Aquarell © Ute Knieriemen-Wagner



Der Brauch in der Adventszeit einen Mistelzweig in die Tür zu hängen stammt ebenfalls aus England. Die immergrüne Mistel ist ein Symbol der Wiedergeburt. Aber auch der Kirschbaum ist ein solches Symbol. Pünktlich zum Barbaratag (4.12.) schneidet man einige Kirschzweige, mancherorts auch Apfelbaumzweige und stellt sie in eine mit Wasser gefüllte Vase, um sich an Weihnachten an den blühenden Zweigen zu erfreuen. In der Schweiz legt man eine Kupferminze und ein Stück Würfelzucker in die Vase hinein. Der Zucker schenkt dem Strauß eine Nährlösung und durch das Kupfer können die Zweige nicht verpilzen.



Auch unsere heimische Pfalz hat jahrhundertealte Weihnachtstraditionen. Hier sei nur an den „Julklotz“ erinnert und an die Pfälzer Sagengestalt „Hans Trapp“ aus dem später Knecht Ruprecht wurde.
In alter Zeit nannte man den Dezember „Christmonat“ ist doch das Weihnachtsfest das höchste Fest im Jahreslauf. Aber auch „Schlachtmonat“ war in der Pfalz in alter Zeit ein gängiger Begriff. Die Zeit der dörflichen Schlachtfeste begann. Man versorgte sich in der Erwartung auf die Feiertage und die langen Wintermonate mit Vorräten. Mit Sicherheit spielte die kalte Jahreszeit die Hauptrolle, da man im Winter das Fleisch weitaus besser lagern konnte als im Frühjahr oder Sommer.
Der größte Wunsch fürs Christfest ist natürlich eine „weiße Weihnacht“, doch diese ist eigentlich höchst selten. Meistens feiern wir eine „grüne Weihnacht“. Das dem Früher schon so war, kann man aus alten Bauernregeln herauslesen:

„Ist`s an Weihnachten mild und rein, wird ein langer Winter sein.“
„Weihnachten nass, gibt leere Speicher und Fass“.
„Dezember veränderlich und mild, der ganze Winter ein Kind“.
„Frierts am kürzesten Tage (21.12.) fällt das Korn im Preise, ist gelindes Wetter steigt der Preis.“

In dieser Zeit wird man vielleicht auch wieder einmal dazu inspiriert ein Buch in die Hand zu nehmen und eine Weihnachtserzählung von Charles Dickens oder Peter Rosegger zu lesen.
Das Wort Muse sollte man jetzt großschreiben, wahrscheinlich ist Weihnachten die einzige Zeit im Jahr in der wir für dieses Wort keine Verlustanzeige aufgeben müssen.
Schon immer war der Dezember ein Höhepunkt des Jahres. In vorchristlicher Zeit war es die Wintersonnenwende die man am 21.12. festlich beging.
Im alten Rom feierte man zwischen dem 14. und 24. Dezember die Saturnalien, um Saturn, den Gott der Aussaat, für das gute Gedeihen der Wintersaat zu bitten. An diesem Tage gedachten die Römer dem goldenen Zeitalter, in dem alles von selbst vor sich ging und Friede und Eintracht unter Menschen und Tieren vorherrschte. Die Woche der Saturnalien wurde bestimmt von Festgelagen und heiterem Treiben.Im Gegensatz zu den römischen Saturnalien hatte das germanische Julfest das man zur Wintersonnenwende feierte einen etwas düsteren Charakter. Zwar fehlte hier auch nicht ganz die Geselligkeit und Freude, doch es war ein Totenfest das seine Wurzeln im altgermanischen Ahnenkult hatte. Die Verstorbenen erschienen an diesem Tage aus ihren Hügelgräbern um die Welt der Lebenden zu besuchen. Auch Odin der oberste Gott der Germanen verließ dann seine himmlische Behausung um im Reich der Menschen nach dem Rechten zu sehen. Die hohe Zeit Odins war allerdings die Zeit vom letzten Weihnachtstag bis zum Dreikönigstag die sogenannten „Rauhnächte“. In diesen „Losnächten“ wie sie auch noch genannt wurden, war das „wilde Heer“ des altgermanischen Gottes besonders aktiv. In diese Zeit der Rauhnächte fällt auch der Silvester- und Neujahrstag. Seit im Jahre 153 v. Chr. erstmals die hohen römischen Beamten am 1. Januar ihren Dienst antraten, galt dieser Tag im bürgerlichen Kalender als Beginn des Jahres. Im Volksglauben war die Neujahrsnacht einst eine wichtige Geisterzeit ähnlich dem alten keltischen Samhain (Halloween). Den Gefahren dieser Nacht begegnete man durch Lärm. Lautes Getöse galt als Geisterabwehr. Um im neuen Jahr Zufriedenheit und Glück zu finden vertrieb man das alte Jahr mit seinen Geistern und Dämonen. Schon in heidnischer Zeit war der Winter als arbeitsfreie Zeit geradezu prädestiniert für Festlichkeiten. So wurde unter dem frühen römisch-kirchlichen Einfluss die kalte Jahreshälfte zur Hauptfestzeit gemacht. Es war vor allem die Kirche die es äußerst geschickt verstanden hatte die alten heidnischen Feste mit ihren Ritualen zu assimilieren um den heidnischen Kult mit der christlichen Lehre zu versöhnen. Ohne diese „Versöhnung“ wäre die christliche Eroberung der keltisch-germanischen Länder wohl nicht so schnell erfolgt. Gerade Allerheiligen und Allerseelen, also jene christlichen Feste die am Anfang der Winterzeit stehen, zeigen dies aufs deutlichste. Papst Gregor IV. hatte das Allerheiligenfest, welches ursprünglich im Frühjahr gefeiert wurde, im Jahre 835 auf den 1.November verlegt und damit ein altes heidnisches Fest der Kirche zunutze gemacht. Fast alle unsere Feste sind heidnischen Ursprungs.

Auch im tiefsten Winter, wenn Schnee und Eis unsere Wälder und Wiesen bedecken, ist es belebend und eine Wohltat für die Seele sich auf eine Wanderung durch die klirrende Kälte zu begeben. Ruhig und starr sehen die Bäume nun im Wald, ohne ihren Blätterschmuck offenbaren sie uns um so mehr ihr eigenes Wesen. Auf den Nadelbäumen funkelt der Schnee wie Diademe. Die Natur ruht, doch schon wächst neues Leben unter der gefrorenen Erde und wartet nur darauf, dass die Sonne es aufblühen lässt!

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