Dienstag, 31. Mai 2016

Ein Maimorgen an der Moosalb

von Hans Wagner



Mai – dies ist die Zeit, zu der die Natur ihre Wesen schneller bildet als das menschliche Auge beobachten kann. Jeden Tag können wir Neues erkennen. Es ist der Strom des Werdens den man nun in den Wäldern verfolgen kann. Überall breitet sich ein strotzendes, geheimes Grün aus. Überall ist Bewegung und der jubilierende Gesang der Waldvögel erreicht im Wonnemonat seinen Höhepunkt.
Der Wanderer spürt jetzt ganz intensiv die unsterbliche Kraft der Natur und entdeckt mit Freuden die ewig wiederkehrenden Wesen aus dem Pflanzenreich.
Der frühe Morgen ist die Zeit, da uns dieser Monat seine grünen Geheimnisse offenbart.
Wer sich jetzt zu einer Wanderung durch das wildromantische Karlstal aufmacht, wird von Mutter Natur nicht enttäuscht werden!
In der Karlstalschlucht scheinen die wilden Wasser nun besonders laut zu rauschen. Die riesigen Felsmassen des mittleren Buntsandsteins, die sich hier links und rechts des Ufers auftürmen, liegen seit 200 Millionen Jahren hier und erzählen Erdgeschichte. Wild klettert das Moos an diesen Felsen empor, von denen auch viele auf dem Grund des Bachbettes liegen, um von den Wellen der Moosalb übersprungen und umspült zu werden. Das Flüsschen entspringt unterhalb von Johanniskreuz und nimmt seinen Lauf in westlicher Richtung, vorbei am Lauber- und Gutenbrunnerhof bis zum Oberhammer und fließt von hier nordwestlich weiter bis zum alten Bahnhof Karlstal. Ab hier strömt die Moosalb Richtung Schopp und mündet zwischen Waldfischbach und Burgalben in den Schwarzbach.
Der Schwarzbach führt die Wasser der Moosalb über Blies, Saar und Mosel dem Altvater der Flüsse, dem Rhein zu.
 
Fotos © Tourist Info Trippstadt


Verlässt der Wanderer die wilde, dunkle Schlucht, breitet sich vor ihm das grüne Tal der Moosalb aus. Früh am Morgen ertönt hier oft der Ruf des Grünspechtes und von den beidseitig bewaldeten Berghängen klingt das monotone Tock, Tock, Tock, seines Vetters, des Buntspechtes.


Das feuchte Tal ist nicht nur ein Rückzugsgebiet für Vögel, sondern auch für seltene Amphibien und Insekten.Auch der Feuersalamander ist hier zuhause. Mit seiner gelb-schwarzen Warntracht ist er den meisten Menschen bekannt. Obwohl er eine sehr verborgene Lebensweise führt, kann man ihn hier manchmal erblicken. Tagsüber und in der trockeneren Jahreszeit, verbirgt er sich unter Steinen, Gehölzen und im Altlaub. Doch sobald es regnet und vor allem in der Nacht verlässt er sein Versteck. Seine Jungen setzt das lebendgebärende Weibchen als Larven in den Stillwasserbuchten der Moosalb ab. Er ist die einzige heimische Lurchart, die saubere und sauerstoffreiche Fließgewässer für die Fortpflanzung braucht.Das Vorhandensein des Feuersalamanders zeigt uns, dass hier im Tal die Landschaft noch ökologisch intakt ist.
Die Wasseramsel hat hier einen festen Standort und der seltene Eisvogel weilt oft auf seinem Durchzug hier. Im Bereich des ehemaligen Fischzuchtweihers (heute Umweltbildungszentrum Libellula) steht der Baldrian bereits in stattlicher Höhe, hier können wir in der Frühe des Morgens regelmäßig den Fischreiher beobachten.
An diesem wunderschönen Platz sollte der Wanderer eine Rast einlegen um Zwiesprache mit der Stille zu halten. Stille – ein Wort für das man in unserer heutigen, so hektischen Konsumzeit, eine Verlustanzeige aufgeben muss! Werden die Orte der Stille doch immer weniger. Ruhig wie die Moosalb an diesem Ort, scheint hier auch der Fluss der Zeit zu fließen und lädt uns dazu ein, wenigstens für eine Weile aus der Nervosität unserer modernen Zeit auszusteigen!



Keine Kommentare: