Freitag, 11. März 2016

Die Boten des Frühlings



 Von Hans Wagner

Bald ist es wieder soweit, und man kann überall die Frühlingsboten bewundern.
Die Krokusse blühen schon, ebenso die  Kornelkirsche, Schneeglöckchen und Märzenbecher. 
In den Waldwoogen haben schon die Frösche abgelaicht und laut dringt der Ruf des Schwarzspechts durch den Forst. Die ganze Natur befindet sich in Frühlingsstimmung.
 
Buschwindröschen am Schlosspark - Foto© Ute Knieriemen-Wagner

Frühling in Trippstadt, Blick von den zwei Steinen - Foto© Ute Knieriemen-Wagner

Bald werden auch die gelben Blüten der Schlüsselblumen Trippstadt verzaubern. Sie öffnen die Tore des Frühlings! Der Volksmund nannte sie Himmelsschlüssel, den Germanen glich der Büschel gelber Schlüsselblumenblüten einem Schlüsselbund.

Sie waren der Göttin Freya geweiht und sie allein hatte die Schlüsselgewalt, mit der die kosmischen Zeiträume geöffnet und wieder geschlossen wurden. Für unsere germanischen Vorfahren waren diese Blumen daher Zauberpflanzen. Doch auch das Christentum wusste um das Geheimnis der Schlüsselblumen. So erzählt eine alte Sage folgendes: eines Tages versuchte der Teufel in den Himmel zu schleichen. Ganz leise und behutsam pirschte er sich heran. Als Petrus den Schatten des Himmelsfürsten sah, erschrak er so sehr, dass ihm der Schlüsselbund aus den Händen glitt und auf Erden fiel. Als die Schlüssel den Boden berührten, verwandelten sie sich in Schlüsselblumen.

Auch in die Sagen- und Märchenwelt fand die Schlüsselblume ihren Zugang. So erzählt ein altes Pfälzer Märchen folgendes: einem Ziegenhirten erschien einst eine wunderschöne Frau. Sie schenkte ihm eine Schlüsselblume und sagte ihm, er könne damit einen Felsen, der hinter der Waldwiese lag wo der Hirte seine Ziegen hütete, aufschließen. Alles was er darin finden würde, könne er behalten. "Vergiss also das "Beste" nicht!" warnte sie ihn noch, ehe sie verschwand. Der Ziegenhirte berührte die Felswand und tatsächlich öffnete sie sich. Aber drinnen lagen nur alte Ziegenzähne. Einen davon steckte er launisch in seine Hosentasche und die Schlüsselblume warf er achtlos zur Seite. Dann trat er wieder ins Freie. Der Fels schloss sich wieder hinter ihm. Als er in die Tasche griff und den Ziegenzahn herausholte, merkte er, dass dieser sich in pures Gold verwandelt hatte. Aber er konnte nicht mehr in die verschlossene Felshöhle eintreten, denn die Blume, das "Beste", hatte er dort gelassen.
Immer wieder kehrt in Sage und Märchen die Schlüsselblume als Helferin und Öffnerin geheimer Schatztruhen und Felshöhlen auf. Und nach einem langen, harten Winter öffnet sie uns auch heute immer noch verborgene Schatztruhen. Vor allem den größten und schönsten Schatz den es zu entdecken gibt - den Schatz der Natur. 




Der Frühling – von Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tage entstehen.

Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo sich Feste verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.




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