Mittwoch, 16. Dezember 2015

Nebelmond - ein winterliches Kalendarium



Von Hans Wagner 

Nebelmond, so wurde der Monat November von unseren Vorfahren genannt. Er erscheint uns als die Verkörperung der Einsamkeit, doch er hat auch seinen Zauber und seine Schönheiten. Bei einem Spaziergang wirken die Bäume und Sträucher im nebligen Wald wie dunkle Riesen, Gnome und Elfen. Zwischen Herbst und Winter ist dieser Monat zuhause! Die Kelten, die vor den Römern die Pfalz besiedelten, begannen Anfang November mit den Feierlichkeiten zu „Samhain“. Ähnlichkeiten findet man noch heute in der amerikanischen Version, dem „Halloween“, das sich inzwischen auch bei uns als Fest etabliert hat. Für die Kelten öffneten sich zu „Samhain“ die Tore zur „Anderswelt“. Nach der Christianisierung wurde aus diesem Fest Allerheiligen und Allerseelen.
Aus der christlichen Tradition heraus gesehen, ist November der Monat des Heiligen Martin von Tours. Am 11. November finden überall im Land Martinsumzüge statt. Kinder mit leuchtenden Augen und selbstgebastelten Laternen singen Martinslieder und auch die Eltern begleiten die Umzüge und feiern diesen Tag meist mit einem Martinsfeuer.
Der November ist der Monat, der uns in den Winter einführt und wenn er sich seinem Ende zuneigt, fällt oft der erste Schnee.
Alte Eiche im Trippstadter Schlosspark - Foto © Ute Knieriemen-Wager

Mit der Adventszeit beginnt die weihnachtliche Vorfreude. Der Dezember ist oft nicht weniger düster als sein Vorgängermonat, doch die Vorfreude und Erwartung auf Weihnachten lässt uns diesen Monat hell und licht erscheinen! Kaum jemand kann sich diesem Zauber entziehen!

Der Dezember ist der Monat des Brauchtums und des Glaubens, aber auch des Aberglaubens. Heidnische Bräuche und christliches Brauchtum vermischen sich so stark miteinander wie in keinem anderen Monat. Sein Name hat lateinischen Ursprung und bedeutet der „Zehnte“, denn im altrömischen Kalender war der Dezember der 10. Monat eines Mondkalenders der nur 354 Tage hatte. Doch mit Cäsar wurde er dann endgültig der zwölfte Monat des Jahres! Sein altgermanischer Name war „Julmond“, dieser geht auf das Brauchtum des „Julfestes“ zurück, der germanischen Feier der Wintersonnenwende am 21. Dezember.
Der germanische Vorläufer unseres heutigen Weihnachtsfestes war der sogenannte „Julklapp“ bei dem sich die Menschen maskiert und unerkannt gegenseitig Geschenke vor die Tür legten.
Diese Tradition gibt es in skandinavischen Ländern noch heute und auch bei uns ist das sogenannte „Wichteln“ sehr beliebt“

  
Eiche im Schlosspark - Foto © Ute Knieriemen-Wagner
In der dunkelsten Zeit des Jahres, in den Tagen vor und nach Weihnachten, traten in früheren Zeiten die Pflanzen in ein ganz besonderes Verhältnis zu den Menschen. Es gibt zu dieser Zeit viele Zeremonien, die im Zusammenhang mit Pflanzen stehen.
Bereits am 04. Dezember, am Tag der Heiligen Barbara, beginnen die ersten Brauchtumsrituale. Man schneidet Zweige von Obstbäumen oder Sträuchern, um sie in eine mit Wasser gefüllte Vase zu stellen. Zu Weihnachten kann man sich dann der Blüten erfreuen. In früheren Zeiten sah man in diesem Aufblühen  zum Weihnachtsfest ein Zeichen, das Haus und Hof Glück und Wohlstand bescheren sollte!
Zweige der Stechpalme, mit ihren schönen roten Beeren, werden traditionell in Großbritannien und Amerika als Weihnachtsdekoration genutzt. Aber auch bei uns wird diese Pflanze zur Weihnachtszeit immer beliebter. Gerade im November und Dezember leuchten die Beeren intensiv rot, in Buchenwäldern nutzen sie den stärkeren Lichteinfall im Winter zur Photosynthese.
Schon bei den Römern, beschenkte man sich während der „Saturnalien“, einem Fest zu Ehren des Gottes Saturn, mit Zweigen der Stechpalme. Die Saturnalien fanden etwa zur gleichen Zeit statt wie unser Weihnachtsfest.
Im Christentum stehen die dornigen Blätter und die roten Beeren für die Dornenkrone und das Blut Jesu.
Auch die Germanen schmückten zur Winterszeit Ihre Häuser mit Zweigen der Stechpalme. Der immergrüne Baum galt bei den Kelten als Sinnbild für Wiedergeburt.

Auch die Mistel ist eine jener Pflanzen, die eine geheimnisvolle Aura umgibt. Schon bei den Feiern der altgermanischen Wintersonnenwende spielten Misteln eine große Rolle und noch heute brennt in Skandinavien während der Weihnachtsfeiertage der sogenannte „Julklotz“ im Kamin. Das Holz stammt von einem Baum in dessen Zweigen die Mistel wächst. Über kaum eine Pflanze gibt es eine solch ausgedehnte Mythologie wie über die Mistel. Den Germanen und Kelten galt sie als zauberkräftig und war neben dem Eisenkraut die wichtigste Zauberpflanze. Sie war die geheimnisvolle Zauberpflanze der keltischen Druiden, man verwendete sie als Heirats- und Liebessegen und als Amulett getragen brachte sie Glück! Die immergrüne Pflanze galt als Sinnbild der Wintersonnenwende. Heute ist die Mistel ein beliebtes Symbol, das man sich zur Weihnachtszeit über die Tür hängt.

Auch unser Weihnachtsbaum hat seinen Ursprung in heidnischen Traditionen. Schon unsere Vorfahren schmückten ihre Häuser in der dunklen Jahreszeit gerne mit frischen grünen Zweigen.
Der erste urkundlich erwähnte Weihnachtsbaum stand 1539 im Straßburger Münster. Anfang des 17. Jahrhunderts tauchte diese Sitte zunächst im Elsass auf. Von hier aus zog er in die Bürgerhäuser der großen Städte ein und breitete sich rasch aus! Zuerst als heidnischer Brauch verschrien, trat der Weihnachtsbaum seinen Siegeszug in die Wohnzimmer der Menschen an und ist bis heute Teil unserer Kultur! Wer möchte dieses Fest ohne einen leuchtenden Weihnachtsbaum verbringen, der in den dunkelsten Tagen Licht und Wärme in unsere Herzen bringt.
Weihnachten war in alter Zeit sowohl ein Fest des Glaubens als auch des Aberglaubens. Eine himmlische Gestalt, die im tiefsten Winter zur Erde kommt um die Menschenkinder zu beschenken, findet sich in mehreren nichtchristlichen Mythen.



Mit dem alten Julfest, der „Wintersonnenwende“ nehmen die Tage langsam wieder zu. Und zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar beginnen die sogenannten „Los- oder Rauhnächte“.

Alter Birnbaum am Feldweg - Foto © Ute Knieriemen-Wagner

Der Ursprung der Rauhnächte liegt wohl im Mondjahr. Sowohl die Kelten als auch die Germanen berechneten das Jahr nach den 12 Mondzyklen. Ein Mondjahr hat nur 354 Tage und die fehlenden 11 Tage bzw. 12 Nächte wurden die „Rauhnächte“. Diese Nächte lagen außerhalb der Zeit und die Türen zur Anderswelt standen weit offen! In vielen Regionen gibt es noch heute die Tradition, zu dieser Zeit Haus und Hof zu räuchern. In den Rauhnächten kehrt Allvater Wotan zur Erde zurück. Zwölf Nächte lang reitet er nun mit seinem Pferd durch die Lüfte. Er beschützt jedes Haus, das ihm und seinem Pferd Nahrung bietet.
Am 6. Januar enden die Rauhnächte und heute feiern wir an diesem Tag das Fest der „Heiligen drei Könige“. „Epiphanias“, oder „Erscheinung des Herrn“ ist der ursprüngliche Name dieses Feiertages.

Wenn der Winter sein weißes Tuch über die Landschaft geworfen hat, so dass der Schnee die Felder und Wälder bedeckt, sollte der Wanderer sich nicht scheuen durch die klirrende Kälte zu wandern. Ruhig und starr, wie Buddhastatuen stehen nun die Bäume im Wald. Als seien sie in ihrem eigenen Saft erstarrt. Manchmal ertönt das einsame Piepsen eines Vogels aus dem Dickicht, ansonsten herrscht eine geheimnisvolle Stille in der Natur vor.
Dennoch wächst bereits neues Leben unter der gefrorenen Erde. Alles wartet auf die ersten lauen Vorfrühlingswinde. Auf das Erstarken des Sonnenlichtes. Und der Wanderer weiß: Das erste Grün ist nicht mehr fern!

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