Freitag, 8. Mai 2015

Von Maibräuchen und der Trippstadter Teufelsgeige - Ein volkskundlicher Beitrag zum Monat Mai

Von Hans Wagner


Es ist der Monat der Frühlingsbräuche und Frühlingsfeste. Seinen Namen hat der Mai wohl von dem italischen Gott Iupiter Maius, dem Beschützer des Wachstums, bekommen. Sein altdeutscher Monatsname war Wonnemond. Ob allerdings mit „Wonne“ die freudige Verzückung im Mai gemeint war, ist nicht sicher. Wahrscheinlich geht der Wonnemonat auf die alten Wörter Wunne und Winne zurück, was Ackerflur bedeutet, schließlich steht jetzt alles im üppigsten Grün.




Fotos Ute Knieriemen-Wagner



Man spürt nun schon regelrecht den nahenden Sommer, allerdings erwarten uns Mitte Mai noch einmal drei strenge Wintergestalten: Mamertus, Pankratius und Servatius allgemein als „Eisheilige“ bekannt. Zu ihnen gesellt sich gleich hinterher die „kalte Sophie“. Maitanz, Maibaum, Maibowle gehören zum Brauchtum des Wonnemonats. Viel älter als unser Weihnachtsbaum ist der Maibaum, seine Wurzeln liegen in der frühen Geschichte der Menschheit, als man begann, Vegetationsfeste zu feiern.
Der Brauch, einen Maibaum für das Dorf zu errichten, ist in Deutschland bereits 1225 (Aachen) nachgewiesen, doch kannten ihn schon die Germanen. Das Einholen des Maibaums war eine heilige Handlung. Tacitus berichtet, dass die Germanen den Baum auf einem heiligen Wagen, der von Rindern gezogen wurde, aus dem Walde holten. Später entwickelten sich dabei verschiedene Bräuche: manchmal wurde der Baum bei Nacht geholt, zum Teil zu genau vorgeschriebener Uhrzeit; manchmal musste ihn ein Bursche allein schlagen, manchmal zogen alle Mädchen und Burschen des Dorfes fröhlich singend in den Wald, manchmal war es allein Aufgabe der Jungfrauen, den Maibaum zu holen.

In der Nacht vor dem 1. Mai feiert man das alte Hexenfest Walpurgis. Seit altersher werden in dieser Nacht die Hexen ausgetrieben. Die Wurzeln dieses Festes liegen im keltischen. Am 1.Mai feierten die Kelten ihr Beltaine Fest. Der Name Beltaine bedeutet, „Feuer des Bel“, es ist der Name eines keltischen Gottes. Er evoziert die Vorstellung von Feuer und Luft und markierte das Ende des Winters und den Beginn des Sommers.
Auch Walpurgis ist mit verschiedenen Brauchtumshandlungen verbunden. Noch bis in die 1920er Jahre kam bei Walpurgis in Trippstadt ein besonderes Lärmgerät zum Einsatz: die sogenannte „Deiwelsgei“ (Teufelsgeige) auch „Teufelssschwanz“ oder auch „Waldteufel“ genannt. Der Heimatforscher Prof. Ernst Christmann schrieb darüber: ...“wie ist sie beschaffen? Auf einer Holzlatte wird näher an dem einen Ende eine Herings- oder anderweitige größere Blechbüchse befestigt und darüber spannt man von einem zum anderen Ende der Latte einen oder mehrere Drähte wie die Saiten einer Geige; ein reichlich mit Kerben versehener Stab als Bogen dient zum streichen oder man klopft auf das Lärminstrument... später ist es in Trippstadt zu einem Gerät geworden, das halbwüchsige Knaben auch zu anderen Zeiten des Jahres bei ihren Spielen verwenden.“  Mit diesem Gerät versuchte man also in früheren Zeiten die Hexen zu vertreiben.
Am Pfingstmontag wird in unserer Nachbargemeinde Schmalenberg der „Pfingstquack“ gefeiert. Dieses Fest wurde früher auch in Trippstadt und Mölschbach ausgerichtet. Auch hier haben wir es mit einem alten Vegetationsfest zu tun, dessen Wurzeln wahrscheinlich in der germanischen Mythologie zu suchen sind. Das Fest steht mit einem alten Fruchtbarkeitszauber in Verbindung.Wer sich für altes Brauchtum interessiert, sollte sich den „Pfingstquack“ auf keinen Fall entgehen lassen!
 
Fotos Ute Knieriemen-Wagner




Der Mai ist der Monat des Blühens und der süßen Düfte!
Die Dichter der Romantik beschrieben den Mai als den „trunkenen Monat“, denn das Blut dieses Monats fließt wie Wein, ein Jahrmillionen alter Wein!
Und wenn wir uns in diesem Monat auf eine Wanderung begeben, sind wir wie berauscht von den Düften und frischen Farben die uns umgeben! In den Laubwäldern stehen die Buschwindröschen in voller Blüte. Die Wiesen strotzen vor geballtem Grün. Der „Maibusch“, der dottergelbe Löwenzahn, bestimmt hier den Blütenaspekt. Vogelkirsche und Schlehe streuen ihren Blütenduft in die Landschaft und auch der Wildapfel blüht nun!
Am Trippstadter Schloss blühen die Bäume und Sträucher, die ersten Blätter mit ihrem typischen Maigrün öffnen sich! Wer zu dieser Jahreszeit früh morgens den Schlosspark besucht, wird von einem jubilierenden Vogelkonzert empfangen. Kurz vor der Morgendämmerung ertönt als erstes der Flötensang der Amsel, in den bald Rotkehlchen und Fitislaubsänger mit einstimmen. Aus dem nahe gelegenem Wald erklingt Anfang Mai der Ruf des Kuckucks.
Im Halbschatten der Laubbäume blüht von Mai bis Juni die schwarze Teufelskralle, eine Pflanze, die im Pfälzerwald recht häufig vorkommt, aber außerhalb dieser Landschaft als äußerst selten gilt.
Auch der alte Birnbaum am Weg zu den zwei Steinen steht nun in voller Blüte! Wie viele Jahre schon erfreut er die vorbeikommenden Wanderer mit seiner Blütenpracht! Alt und gebeugt ist er nun, aber immer noch ein Baum, der diesen Platz zu etwas besonderem macht!
Der Wanderer, der Trippstadt im Wonnemonat Mai besucht, wird in den Wäldern und Wiesen die unseren Ort umschließen ein wunderschönes Blütenmeer vorfinden.
Machen Sie sich auf, zu einer Maiwanderung durch die Trippstadter Wälder!

Literatur Verzeichnis:          
Ernst Christmann, Frühlingsbräuche in der Pfalz
G. Frazer, Der goldene Zweig
H. Wagner, Die Eiche in Mythologie und Volkskunde

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