Freitag, 28. November 2014

Mensch und Baum – eine uralte Beziehung



 Von Hans Wagner

Zu jeder Jahreszeit haben Bäume ihre besondere Ausstrahlungskraft. Jetzt im Winter, da sie ohne Blätter sind, wirken sie besonders ausdrucksstark. Ja, es scheint so, als würden sie uns gerade in der kalten Jahreszeit ihr Wesen besonders ausgeprägt mitteilen. Geäder und Struktur ihrer Rinde, ihre knorrigen Äste, ihr Echsenstamm und die mächtigen Kronen können wir jetzt besonders genau studieren.



Fotos/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner





Von Anfang an scheint das Leben des Menschen mit Bäumen verbunden zu sein! Die Konturen von Bäumen sind nicht nur in der realen Landschaft, sondern auch in der Landschaft unserer Seele so deutlich eingezeichnet, dass wir ein verwandtschaftliches Gefühl für sie bekommen. Die Dichter wissen um dieses Gefühl schon seit Jahrtausenden: um das Gefühl einer Harmonie zwischen Mensch und Baum. Jaques Brosse schrieb in seiner „Mythologie der Bäume“ zu recht: „von Anfang an war das Schicksal der Menschen durch ein so enges und starkes Band mit dem der Bäume verknüpft, dass man sich fragen muss, wie es einer Menschheit ergehen wird, die dieses Band brutal zerrissen hat. Wir täten gut daran, wenn wir überleben wollen, das wiederherzustellen, was wir zerstört haben: eine Weltordnung, in der Mensch und Natur eine harmonische Einheit bilden.“

Fotos/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Der Baum ist ein Urbild, ein Urphänomen. Ja, er ist ein Archetyp. Seit es Literaten und Kunst gibt, teilen uns die Dichter und Künstler ihre Beziehungen zu den Bäumen mit. Homer berichtet uns im 24. Buch der „Odysee“ die Begegnung des endlich heimgekehrten Helden mit seinem greisen Vater Laertes im Baumgarten. Und Dante schildert uns in seinem 13. Gesang der Hölle, von einem Wald, der in Bäume verwandelte Selbstmörder beherberge. In Ovids „Metamorphosen“ begegnen wir einer der schönsten Baumgeschichten des Altertums, der Erzählung von „Philemon und Baucis“. In der Bibel finden wir den Baum der Erkenntnis und im Neuen Testament lesen wir vom verdorrten Feigenbaum, bei Matthäus, Markus und Lukas. Wir begegnen dem Baum in den Kulten der Germanen, Kelten, Griechen, Slawen und vielen anderen Urvölkern. Buddha fand seine Erleuchtung unter dem Feigenbaum.
Mensch und Baum, das ist eine uralte Beziehung und wenn wir diese heute etwas vertrocknete Beziehung wieder auffrischen wollen, sollten wir nicht nur den Blätterwald der Literaten durchforsten, sonder wir sollten uns aufmachen und das „Volk der Bäume“, wie ein Dichter sie einmal genannt hat, in ihrem eigenen Reich aufsuchen: in den Wäldern!!
Im Trippstadter Wald haben wir diese Möglichkeit und dazu noch eine große Auswahl an wunderschönen Bäumen! Wer mit geöffneten Augen durch die Natur wandert, kann hier noch stattliche Baumwesen finden. Und wer sein Herz für diese ehrwürdigen Gestalten öffnet, kann mit ihnen kommunizieren!

Donnerstag, 20. November 2014

Die Stille der Wälder



Eine naturphilosophische Betrachtung von Hans Wagner


Der naturkundige Wanderer kennt die Stimmung, wenn im Herbst am Morgen der Nebel noch Tal und Hügel, Wälder und Fluren wie mit einem feinen Schleier verhüllt, den die heraufsteigende Sonne allmählich durchdringt und auflöst. Millionen von Spinnweben funkeln in Gebüsch und Bäumen und verzaubern die Landschaft. Es ist die Zeit der gedämpften Farben und des mystischen Lichts.
An den zwei Steinen - Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Die letzten Zugvögel werden unruhig, weil es bald auf große Reise geht. Auf den Feldfluren ist nun Ruhe eingekehrt und am Waldrand reifen die schwarzen Schlehen, warten auf den ersten Frost, der etwas Süße in sie senkt. Die letzten Früchte des Holunders funkeln in der Sonne und die überreifen Brombeeren laden zum Verweilen ein. Ein letztes Mal verwöhnt uns die Natur mit ihrer herbstlichen Fülle. Mensch und Tier wissen, dass nun bald die dunkle Jahreszeit Einkehr hält und wollen ein letztes Mal von der Natur verwöhnt werden.

Im Wald erscheint uns nun die Stille noch intensiver, als wir sie im Hochsommer empfunden haben. Jene, die Altmutter Natur lieben, zieht es nun wie unter einem Zwang hinein in die Wälder, ihre Geheimnisse und Schönheiten aufsuchend. Man fühlt in sich Momente, in denen man spürt, dass wir mit dieser erhabenen Natur verwandt sind.

Der Schrei des Habichts in den Lüften, das plötzliche Aufbrechen von Wild im Gebüsch, das Schimpfen des Eichhörnchens vom Baum herab oder das einsame Fallen einer Eichel erscheinen uns wie ein Gebet, das Mutter Natur zu uns spricht. Der ganze Wald spricht zu uns in seiner großen Stille.
Indem wir ihm zu hören, schauen wir in uns selbst hinein. Ist uns die Natur eine Mutter, so ist der Wald uns Vatergestalt, seine Bäume sind uns Brüder und die verwunschenen Weiher sind uns Schwestern. 
Herbst im Trippstadter Wald/Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Fern vom Getöse der Menschen erwartet uns im Wald reine Beschaulichkeit.
Kommt der Wanderer durch Buchenwald, versinkt er bis zu den Knöcheln im sanften Laub.
  
In einem Laubwald dauert es mitunter bis zu fünf Jahre, bis ein Buchenblatt als solches nicht mehr zu erkennen ist. Bis dahin geht es in Teilen durch Dutzende von Mägen der sogenannten Zersetzer. Also von Tieren, die vom „Abfall“ der Natur leben. Im Laubwald fallen jährlich pro Hektar vier Tonnen Pflanzenmasse an, die es zu verwerten gilt. Mutter Natur bewältigt diese Mengen mit einem Heer von hungrigen Mäulern. Die Erstverwerter der Laubstreu sind Spring-schwänze, Asseln, Milben, Regenwürmer und Tausendfüssler. Diese kleinen Bodentiere können jedoch die pflanzlichen Reststoffe nur durchlöchern. Das weitere Zerkleinern obliegt winzigen Bodenbewohnern, die insgesamt noch einmal das Hundertfache der Regenwürmer auf die Waagschale bringen. Diese Mikrowelt ist mit mehreren Milliarden Tieren pro Quadratmeter so groß, dass sie der Mensch bisher kaum erfassen und bestimmen kann. Diese Winzlinge stellen das Bindeglied zwischen der toten Pflanzenmaterie und den größeren Zersetzern der Streu dar. Einige wenige aus diesem Mikrokosmos sind in der Lage, die schwer verdaulichen Teile wie Zellulose und Lignin zu knacken. Sie besitzen hierfür Enzyme, über die nur wenige Abfallverwerter verfügen. Anschließend machen sich Mikroorganismen über den Nahrungsbrei her. Sie verdauen ihren eigenen Kot mit den darauf lebenden Kleinstlebewesen. Die Energieausbeute erhöht sich damit um mehr als das Doppelte. Entgegen der Welt der Menschen kann die Natur ihre „Abfallprobleme“ äußerst nachhaltig regeln.

Es hat etwas Tröstliches an sich, im Herbst durch den bunten Buchenwald zu wandern. Der Dichter Sepp Skalitzky hat es uns vor einem halben Jahrhundert in den schönen Versen mitzuteilen versucht.

Das letzte Blatt, ein strahlender Gedanke,
schließt ihm die Welt der schönen Träume auf,
vertönt als Scheidegruß des wachen Lebens
im Abendwind, der Gottes Harfen schlägt.

Ich bin ein Blatt, nur an dem Weltenbaume,
bin das Geringste, das der Schöpfer löst
mit seinem Atem, der das Leben lieh,
als Brücke in die ewigen Gefilde.
Es ist so tröstlich wenn die Blätter fallen.

Es sind nicht nur die Buchen, die im Herbst in purpurner Farbe zu brennen scheinen. Der wilde Kirschbaum entfaltet um diese Jahreszeit eine üppige Strahlkraft. Erfreut er im Frühling das Herz des Wanderers mit seinen schneeweißen Blüten, so wirkt nun das Rot seines Herbstkleides fast magisch auf uns ein. Aber auch ein Nadelbaum wirft seinen Zauber über uns: wie brennende Fackeln stehen die Lärchen am Bergeshang. In den frühen Morgenstunden funkeln tausende von silberfarbenen Spinnweben in den Büschen, wenn man  durch die Trippstadter Wälder streift. Wie versponnene Elfenlocken scheinen die Fruchtstände des Waldweidenröschens ineinander verwoben.

Ahorn an der Kath. Kirche Trippstadt/Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Die unruhig schlanke Birke in ihrem gelbfarbenen Herbstkleid fällt dem Wanderer besonders auf. In ihrer Nähe befinden sich oft die roten Fruchtknollen des Fliegenpilzes. Beide, Baum und Pilz, sind durch Symbiose verbunden.

An den Abenden ist es nun schon sehr kühl geworden. Ein Blick in den Herbststernenhimmel zeigt uns, dass der Winter bald seinen Einzug hält. Tief im Norden werden schon die ersten Vorboten des Winterhimmels sichtbar, insbesondere in Gestalt des Sternbildes Stier, das zumindest für Mittel- und Nordeuropa bereits vollständig aufgegangen ist. Sein Hauptstern heißt Aldebaran, wie ein großes Juwel funkelt er nun am nächtlichen Sternenhimmel.
Herbstzeit ist Wanderzeit!


Freitag, 7. November 2014

Wanderung in die Karlstalschlucht - unser Wandervorschlag fürs Wochenende



In der Karlstalschlucht ist eine Felszone des Mittleren Bundsandsteins charakteristisch ausgebildet. Daher bekam auch dieser Abschnitt des Mittleren Bundsandsteins den Namen „Karlstalschicht“.
Karlstalschlucht Trippstadt/ Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Auf Grundlage dieser Felsen hat sich eine seltene Flora und Fauna angesiedelt. „Der besondere botanische Wert liegt im Vorkommen seltener und gefährdeter Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften“, heißt es in der Verordnung über das Naturschutzgebiet Karlstalschlucht aus dem Jahre 1983. Schützenswert sind insbesondere die Farn- und Moosflora. 



Schlosspark Trippstadt/ Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner


Artenreich ist auch der Baumbestand im Schlosspark. Hier lohnt besonders ein Besuch des Baumpfades, der am Beginn unserer Wanderung als Einstimmung dienen kann.
Aus der Trippstadter Ortsmitte erreichen Sie den Schlosspark entweder über die Hauptstraße oder mit der Wanderwegmarkierung gelb-grünes Kreuz. Unten in der Parkmauer ist ein kleines Tor, das immer offen steht. Wenn Sie durch dieses Tor den Schlosspark verlassen, stehen Sie auf dem Wanderweg, der Sie aus dem Ort raus führt. 
 
Alter Birnbaum am Weg zu den zwei Steinen in Trippstadt/Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Sie passieren zwei Kunstwerke des Skulpturenwegs Rheinland-Pfalz und wandern an den Zwei Steinen und am Ziegelbrunnen vorbei zum Wilensteinerhof. 
Ziegelbrunnen beim Wilensteinerhof Trippstadt/Fotos Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Hier verlassen Sie den markierten Wanderweg und bleiben, sich rechts haltend, auf der Teerstraße. Diese verlassen Sie bei der ersten Möglichkeit, nach ca. 200 Metern, nach links und laufen nun zum alten Mennonitenfriedhof und weiter ins Winzertal.
Mennonitenfriedhof bei Trippstadt/Fotos Copyrights Ute Knieriemen-Wagner


Hier im Winzertal treffen Sie wieder auf eine Wandermarkierung. In den Rundwanderwegƒ biegen Sie nach links ein und laufen diesen Weg talabwärts. Vor dem Parkplatz an der Landstraße wechseln Sie auf den Rundwanderweg. Sie halten sich rechts und wandern einen schönen Pfad bergan in Richtung Langensohl.


Vor Langensohl allerdings wechseln Sie auf die Markierung grüner Balken, der wiederum nach links und bergab führt. Der alte Sandsteinweg führt zum Unterhammer, einst Zentrum der Trippstadter Eisenwerke, heute ein lohnendes Wander- und Ausflugsziel. 

Neben einem Café mit schöner Freiterrasse gibt es hier seit Ende 2013 eine kleine Brauerei.  (Öffnungszeiten Café Unterhammer: Mittwoch bis Samstag 12.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr. Betriebsferien 23.12.14-20.01.15)
 
Café Unterhammer/Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Bachaufwärts entlang der Moosalb wandern Sie weiter am ruhig dahinfließenden Bach entlang und gelangen zu einer stark schüttenden Quelle, die mit einer schönen Brunnenmauer eingefasst ist. Es ist der Fischweiherbrunnen.

 
An der Moosalb/Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

 
Fischweiherbrunnen/Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Vorbei an der Klug’schen Mühle erreichen Sie die Karlstalschlucht. Lassen Sie die Stimmung hier einfach auf sich wirken.

Karlstalschlucht/Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Nach dem Passieren der Karlstalschlucht treffen Sie wieder auf die Wander-wegemarkierungƒ. Folgen Sie dieser – wiederum nach links – und überqueren Sie die Landstraße. Über den sogenannten „Kussweg“ erreichen Sie wieder den Ausgangspunkt der Wanderung in der Trippstadter Ortsmitte.
Diese Wanderung ist ca. 10 Kilometer lang. Sie legen etwa 350 Höhenmeter bergauf und bergab zurück und schaffen die Tour in weniger als 3 Stunden Gehzeit.
Nehmen sie sich aber für diese Tour ruhig mehr Zeit. Viele Plätze laden zum Verweilen ein.