Samstag, 11. Oktober 2014

Amseldell und Haderwald



 Von Hans Wagner

Wer jetzt, da der Frühherbst sein mystisches Licht über die Trippstadter Wälder wirft, nach einem besonders schönen Fleckchen Erde sucht, sollte  sich auf eine Wanderung zur Amseldell aufmachen. Eingebettet zwischen Scharderkopf (439 m) und Vogelberg (424 m) lieg diese historische Stätte, in der einst sogar Bayernkönig Ludwig I. lustwandelte.

 
Amseldell - Zeichnung/copyrights Ute Knieriemen-Wagner



Romantisch sind auch die benachbarten „Dellen“, so besonders die Nesseldell, Hammerdell und Kaltdell. Die Amseldell hieß einst Rabendell. Erst im Laufe der Jahrhunderte bildete sich der heutige Name.

Bereits im 19. Jahrhundert galt die Amseldell als ein exklusives Ausflugsziel. Eine Anlage mit Kegelbahn, samt Küche und Keller, einem Wirtsgarten mit Schießstand und einem verzauberten Irrgarten befand sich hier.
Heute findet man noch Reste des Irrgartens und im Gebüsch lässt sich der Schießstand vermuten. Ein Gedenkstein erinnert an königlichen Besuch.

Die ganze süße Schwermut der Vergänglichkeit umwittert diese einstige abgelegene Garteneinsamkeit und der Besucher kommt, wenn er hier weilt, schnell ins Träumen über vergangene Zeiten. Es liegt ein unwirklicher, noch heute unbeschworener Zauber über diesem Wald.

Hermann Hesse hat diese Schwermut und Vergänglichkeit einmal treffend ausgedrückt:
Vom Baum des Lebens fällt
Mir Blatt um Blatt.
O taumelbunte Welt
Wie machst du satt….
Was heut noch glüht
Ist bald versunken…..

Wer sich im Frühherbst hier aufhält, den trifft mit voller Wucht der Farbenrausch des Altweibersommers. Vor allem in den Morgenstunden, wenn Baum und Strauch von abertausenden glitzernden Spinnweben umfangen sind, in denen goldene Tautropfen mystisch funkeln. In der Luft liegt nun der Geruch von vermodertem Laub und Pilzen. Unter den riesigen Fichtenbäumen leuchtet das rote Kleid des Fliegenpilzes und von den Höhen herunter tönt nun öfters der Schrei des Habichts. Im Astwerk der mächtigen Eichen funkelt nun  das Gefieder des Eichelhähers.

Ein wahrhaft magischer Platz ist der etwa 15 Minuten von der Amseldell entfernte Scharderkopf. Am höchsten Punkt dieses Berges findet man ein archaisch anmutendes Felsplateau. Ein Ort zum Träumen, an dem man sich in der Zeit verlieren kann.
Der umgebende Haderwald ist eines der schönsten Waldgebiete von Trippstadt. Sein Name rührt vom „Hader“, also Streit, den es in alten Zeiten um dieses Gebiet gegeben hat.

Aber an Streit denken wir heute nicht mehr, wenn wir diesen Wald durchstreifen. Längst ist Frieden hier eingekehrt und Ruhe.
Machen Sie sich auf zu einer Wanderung in den Altweibersommer und lassen sich verzaubern von den vielen Eindrücken, Farben und Gerüchen!

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