Donnerstag, 30. Oktober 2014

An der Moosalb



 Von Hans Wagner

Man braucht nicht unbedingt das Meer oder die großen Flüsse und Ströme, auch die kleinen Bäche unserer heimischen Wälder und Gebirge sind wunderschön. Sie sind nie gleich. Jeder von Ihnen hat seine eigene Wesensart, jeder seine sichtbaren und unsichtbaren Bewohner. Jeder Bach hat, wie der Mensch auch, einen Körper und eine Seele, ja die Bäche haben sogar Geist! Es gibt keine unbelebte Natur. 

An der Moosalb - Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner
Ist das Ufer der Körper, so ist das Wasser die Seele und über den Wassern singt der Geist der unruhigen Bäche. Das Wasser ist auch ein grandioser Künstler, es formt die Ufer der Bäche zu lebendigen Kunstwerken. 


Entlang der Wasserläufe gibt es viel zu sehen und zu staunen. Das geschmeidige Gefieder des Eisvogels blitzt im Düster des Waldes kurz auf, bevor er sich ins Wasser stürzt. Die Wasseramsel gleitet geschickt über der Strömung. Moose, Flechten, Farne, manchmal eine Orchidee verzaubern das Ufer. Wie Trolle und Kobolde ragen abgestorbene Äste und Baumstümpfe aus dem eiskalten Wasser. Verwitterte alte Kopfweiden nicken uns zu, majestätische alte Eiben und Pappelbäume erzählen ihre eigene Geschichte. In ausgewaschenen Sandsteinhöhlen verstecken sich Molche und Schnecken. Wie von Sinnen tanzen Mücken und Libellen über dem kühlen Nass. Elegant gleitet die Bachforelle gegen die Strömung.
An der Moosalb - Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Am besten lauscht man den Liedern der Bäche am frühen Morgen oder in der Abenddämmerung. Es scheint, als singen die Bäche um diese Zeit besonders lieblich. In einem gemeinsamen Konzert mit der sie umgebenden beseelten Natur. Hier spürt man es dann sehr stark, in der Natur gibt es nichts erstarrtes, die Natur kennt keine Tristesse. 
Ist der See und der Weiher das Auge der Altmutter, dann sind die Bäche die Venen und Adern von Mutter Erde.
Wenn man den Bächen bis zu ihrer Quelle folgt, lassen sie sich mit den Menschen vergleichen. Menschen haben Gemeinsamkeiten mit Wasserläufen, allerdings sind ihre Quellen meistens verborgen, bei manchen sogar verkarstet. So, wie die Bäche in die großen Flüsse und Ströme münden, wie sie rauschend von ihren starken Geschwistern empfangen werden, so ist auch der Mensch ein Empfangender der göttlichen Intuition. Dieser Intuition sind wir in der freien Natur am nächsten. Wie die Wasser der Bäche unermesslich sind, so spüren wir manchmal, wenn wir bei unserm Freund dem Bach verweilen, dass auch in uns etwas unermessliches wohnt. Meistens wollen wir es nicht wahrhaben, doch wer den Wassern lauscht, hört die murmelnde Urmutter!
An der Moosalb - Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Die Moosalb, in früherer Zeit „Muschalb“ genannt, fließt von ihrer Quelle in einem engen Tal südwestlich unterhalb von Johanniskreuz, in nordwestlicher Richtung durch die Karlstalschlucht, vorbei an der Klug’schen Mühle, dem Unterhammer, dem Naturfreundehaus Finsterbrunnertal bis zum Walzwerk. Von dort aus fließt sie nach Waldfischbach-Burgalben und mündet dort in den Schwarzbach. Wie der Aschbach, ein weiterer schöner Wildbach in der Gemeinde Trippstadt, war die Moosalb einst ein Grenzgewässer.
Das Wort „alb“ ist ein alter keltischer Ausdruck für reines und klares Wasser.
Vom Neuhöfertal aus speist der Kottelbach die Moosalb mit kühlen Nass. In Höhe der Karlstalschlucht fließt das Wasser des Kaltenborn in die Moosalb, noch weitere Brunnen und Quellen nimmt sie auf ihrem Weg mit.

Die Gemeinde Trippstadt ist reich an Brunnen, Quellen, Weihern und Bachläufen. Sie sind Ausgangspunkt und Ziel für wunderschöne Wanderungen.

An der Moosalb - Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner
 
An der Moosalb - Foto Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Die alte Blutbuche vor der katholischen Kirche in Trippstadt



 von Hans Wagner

Jeden Morgen wenn ich aus dem Fenster meines Arbeitszimmers sehe, begrüßt mich die wunderschöne Blutbuche (Fagus sylvatica forma purpurea) vor der katholischen Kirche. Im Laufe der Jahre hat sich zwischen uns eine regelrechte Beziehung ergeben. Es ist ein starker mächtiger Baum, der den Kirchturm weit überragt. Er hat Kriege überdauert und Zeitgeschichte erlebt. Vielleicht unterhielten sich unter seiner Krone, die damals wohl bestimmt noch nicht so mächtig wie heute war, die Menschen über das Erdbeben von Lissabon, über die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, bestimmt aber über die Französische Revolution. 

Buche vor der Kath. Kirche, gestern abend nach dem Sturm - Foto Ute Knieriemen-Wager
Ein alter weiser Baum, in seiner vollendeten natürlichen Schönheit. Zweimal am Tag beschenkt er seine Nachbarn mit ständig wiederkehrenden Naturereignissen. Im Morgengrauen sitzen oft bis zu fünfzig Krähen in dem hohen Wipfel. In der Abenddämmerung kehren sie wieder, für eine halbe Stunde sammeln sie sich hier um schließlich im nahen Wald ihre Schlafplätze aufzusuchen. Seit vielen Krähengenerationen muss das schon so gehen. Ab Mitte März erklingen die ersten Frühlingslieder unserer heimischen Singvögel, die sich bis zum Mai in ein jubilierendes Konzert entwickeln, ein Open Air Festival für Naturliebhaber.
Der mächtige Baum grünt in der Regel ab Mitte April und im Juni beginnt die Rotfärbung der Blätter. Sind seine Blätter ausgeschlagen, hört er nie mit dem Flüstern und Raunen auf und ist die ganzen Sommermonate hindurch bis weit in den Herbst, ein unermüdlicher Erzähler. Wenn dann die Blätter fallen verwandelt er sogar den grauen Bürgersteig in einen rötlich-braunen Teppich. Die alte Buche verzaubert ihre Umgebung regelrecht. 


 
Foto Ute Knieriemen-Wagner


Nur ein paar Meter weiter, direkt am Trippstadter Schloss, steht eine kräftige knorrige alte Eiche, neben einer großen Kastanie und wenn der Wind über das Dorf jagt scheint es, als würden die drei miteinander erzählen, alte Bäume können eben viel erzählen.
Wo solche Bäume wachsen scheint die Erde besonders gastlich zu sein und Trippstadt hat in seinem Ortskern viele solcher alten Baumgestalten, die dazu einladen unter ihnen Platz zu nehmen. Und wenn man ihren Blättern beim Rauschen zuhört, kann es für einen Moment so erscheinen als höre man die Worte unseres großen Dichters und Nobelpreisträgers Hermann Hesse:

 "Die Baumgestalt steht sinnbildhaft für die Menschengestalt. Ja, mir will scheinen, dass ein Baum wie ein lebendes Wesen zu uns spricht: In mir ist ein Kern, ein Funke, ein Gedanke verborgen, ich bin Leben vom ewigen Leben. Einmalig ist der Versuch und Wurf, den die ewige Mutter mit mir gewagt hat, einmalig ist meine Gestalt und das Geäder meiner Haut, einmalig das kleinste Blätterspiel meines Wipfels und die kleinste Narbe meiner Rinde.
Mein Amt ist, im ausgeprägten einmaligen das Ewige zu gestalten und zu zeigen."


Es lohnt sich, solch alte Trippstadter Baumriesen aufzusuchen um einige Zeit unter ihnen zu verweilen und somit dem Diktat unserer hektischen Zeit zu entfliehen.


Foto Ute Knieriemen-Wagner


Zu euch, im Rauschen stummberedte Bäume,
Horch ich hinauf, und meinem Blick gewährt
Ihr stillen Flug in eure Dämmerräume.
Ihr kühlt mir sommerlang den Atemzug,
Behütet mir die Seele unversehrt,
Und eure Düfte nähren meine Träume.
Robert Faesi

Freitag, 17. Oktober 2014

Wanderung zur Amseldell und durch den Haderwald

Von Ute Knieriemen-Wagner



Von der Ortsmitte Trippstadt aus geht es mit der Markierung „gelb-grünes Kreuz“ vorbei am Barockschloss Trippstadt und der Burg Wilenstein, bis hinunter zur Klugschen Mühle. 



Sie bleiben bei der Markierung „gelb-grünes Kreuz“ und wandern auf der anderen Seite des Baches hinauf zur Amseldell. Legen Sie hier ruhig mal eine kleine Rast ein und lassen den Platz auf sich wirken.
Danach laufen Sie weiter den Berg hinauf, bis zu dem Punkt, wo die bisherige Markierung „gelb-grünes Kreuz“ auf die Markierung „grüner Balken stößt“. Hier wandern Sie mit der Markierung „grüner Balken“ nach rechts weiter bis zum Unterhammer. Einkehrmöglichkeit Café Unterhammer!

(Öffnungszeiten Mittwoch bis Samstag von 12.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr. Betriebsferien von 27.10.-05.11.2014.)



Rückweg Variante 1: Sie laufen weiter mit dem „grünen Balken“ hinauf nach Langensohl und von dort aus mit dem „gelb-blauen Balken“ zurück nach Trippstadt. Länge ca. 9 km und ca. 2,5 Stunden Gehzeit.

Rückweg Variante 2: Sie laufen vom Unterhammer aus rechts mit dem „roten Kreuz“ vorbei an der Klug’schen Mühle und durch die Karlstalschlucht, danach weiter mit der Lokalmarkierung 3 zurück nach Trippstadt. Länge ca. 10 km und ca. 3 Stunden Gehzeit.

Schlossparkpforte - Foto Ute Knieriemen-Wagner

Ziegelbrunnen - Foto Ute Knieriemen-Wagner

Burg Wilenstein - Foto Ute Knieriemen-Wagner

Amseldell Foto Ute Knieriemen-Wagner

Samstag, 11. Oktober 2014

Amseldell und Haderwald



 Von Hans Wagner

Wer jetzt, da der Frühherbst sein mystisches Licht über die Trippstadter Wälder wirft, nach einem besonders schönen Fleckchen Erde sucht, sollte  sich auf eine Wanderung zur Amseldell aufmachen. Eingebettet zwischen Scharderkopf (439 m) und Vogelberg (424 m) lieg diese historische Stätte, in der einst sogar Bayernkönig Ludwig I. lustwandelte.

 
Amseldell - Zeichnung/copyrights Ute Knieriemen-Wagner



Romantisch sind auch die benachbarten „Dellen“, so besonders die Nesseldell, Hammerdell und Kaltdell. Die Amseldell hieß einst Rabendell. Erst im Laufe der Jahrhunderte bildete sich der heutige Name.

Bereits im 19. Jahrhundert galt die Amseldell als ein exklusives Ausflugsziel. Eine Anlage mit Kegelbahn, samt Küche und Keller, einem Wirtsgarten mit Schießstand und einem verzauberten Irrgarten befand sich hier.
Heute findet man noch Reste des Irrgartens und im Gebüsch lässt sich der Schießstand vermuten. Ein Gedenkstein erinnert an königlichen Besuch.

Die ganze süße Schwermut der Vergänglichkeit umwittert diese einstige abgelegene Garteneinsamkeit und der Besucher kommt, wenn er hier weilt, schnell ins Träumen über vergangene Zeiten. Es liegt ein unwirklicher, noch heute unbeschworener Zauber über diesem Wald.

Hermann Hesse hat diese Schwermut und Vergänglichkeit einmal treffend ausgedrückt:
Vom Baum des Lebens fällt
Mir Blatt um Blatt.
O taumelbunte Welt
Wie machst du satt….
Was heut noch glüht
Ist bald versunken…..

Wer sich im Frühherbst hier aufhält, den trifft mit voller Wucht der Farbenrausch des Altweibersommers. Vor allem in den Morgenstunden, wenn Baum und Strauch von abertausenden glitzernden Spinnweben umfangen sind, in denen goldene Tautropfen mystisch funkeln. In der Luft liegt nun der Geruch von vermodertem Laub und Pilzen. Unter den riesigen Fichtenbäumen leuchtet das rote Kleid des Fliegenpilzes und von den Höhen herunter tönt nun öfters der Schrei des Habichts. Im Astwerk der mächtigen Eichen funkelt nun  das Gefieder des Eichelhähers.

Ein wahrhaft magischer Platz ist der etwa 15 Minuten von der Amseldell entfernte Scharderkopf. Am höchsten Punkt dieses Berges findet man ein archaisch anmutendes Felsplateau. Ein Ort zum Träumen, an dem man sich in der Zeit verlieren kann.
Der umgebende Haderwald ist eines der schönsten Waldgebiete von Trippstadt. Sein Name rührt vom „Hader“, also Streit, den es in alten Zeiten um dieses Gebiet gegeben hat.

Aber an Streit denken wir heute nicht mehr, wenn wir diesen Wald durchstreifen. Längst ist Frieden hier eingekehrt und Ruhe.
Machen Sie sich auf zu einer Wanderung in den Altweibersommer und lassen sich verzaubern von den vielen Eindrücken, Farben und Gerüchen!