Dienstag, 23. September 2014

Die Traubeneiche - Baum des Jahres 2014



Von Hans Wagner


Die auch Wintereiche genannte Baumart ist der Stieleiche, eine weitere häufige heimische Eichenart, sehr ähnlich.
Die Traubeneiche war, wie fast alle Eichenarten früher ein begehrter Gerbbaum. Sie enthält in der Rinde große Mengen Gerbstoff der vor der Einführung der Chemieproduktion in den Gerbereien von großer Bedeutung war. Besonders hoch ist der Gerbstoffgehalt in der Rinde junger Bäume. Diese wurden nach dem Hieb mit Spezialmessern an Ort und Stelle geschält. Die geschälte Rinde musste dann eine Weile getrocknet werden, ehe sie als Eichenlohe an Lohmühlen weiterging und von dort den Gerbereien zugeführt wurde. Wegen des großen Bedarfs an jungen Eichenstämmen blieben die Umtriebszeiten für dorfnahe Eichenwälder daher ziemlich kurz. Als charakteristische Betriebsform hatte sich daraus der Eichenschäl- oder Lohwald herausgebildet, der heute in unseren Wäldern nur noch in Resten zu finden ist.
 
Traubeneiche - Zeichnung Ute Knieriemen-Wagner
Auf dem hohen Gerbstoffgehalt der Eiche beruht auch ihre Heilwirkung. Bis zu 20% ist in der Rinde enthalten. Gerbstoff wirkt zusammenziehend und diese Eigenschaft hat man sich zum Heilen vieler Krankheiten zunutze gemacht!
Eichenrindenblätter helfen bei Hämorrhoiden, Mastdarmfisteln und Vorfall. Als Umschlag oder Waschung hilft der Eichenrindenabsud bei Hautunreinheiten, fettiger Haut, Frostbeulen und Ekzemen. Als Gurgelwasser hilft die Abkochung bei Halsbeschwerden und zur Festigung des Zahnfleisches. Früher benutzte man Eichenrindentee bei Kinderkrankheiten. Kinder, die ständig unter Haut-ausschlägen und geschwollenen Drüsen litten, bekam ein Eichenrindenbad besonders gut.

Im Herbst gesammelte Eicheln lassen sich zu einem hervorragenden Eichenkaffee verwenden. Dieser wirkt heilsam auf die Verdauungsorgane und ist blutdrucksenkend!

Eichen können sehr alt werden, wenn man sie wachsen lässt. Ein Lebensalter von einem halben Jahrtausend und mehr ist keine Seltenheit. Deutschlands ältester Laubbaum ist die Feme-Eiche bei Bocholt, der uralte Gerichtsbaum wird auf ein Alter von 1300 Jahren geschätzt. Hier tagte im Mittelalter das sogenannte Femegericht. 

Auch als Weidebaum und Flurbaum findet man die Traubeneiche oft. Hier tut sie dem Menschen nur Gutes. Sie reduziert die Strahlungsintensität der Sonne und schützt somit vor Hautschäden. Ein Baum ist sowohl Staub- als auch Schadstofffilter. Bäume dämpfen den Verkehrslärm, was schon deshalb von Bedeutung ist, weil auch die abgelegensten Gebiete heute durch ein dichtes Straßennetz erschlossen sind. Ein Baum produziert Sauerstoff und sorgt für angenehme Feuchte und Kühle. Gerade ältere Traubeneichen bilden ein eigenes Ökosystem und sind so Lebensraum für zahlreiche Tiere und andere Pflanzen. Solche Bäume bewahren und fördern die Vielfalt der Natur.

Der Baum ist ein Gleichnis für das Menschenleben schlechthin: das Leben eines Baumes beginnt als Winzling, zunächst in der feuchten Dunkelheit der Erde geboren, tritt er klein und zaghaft ans Licht und ist gefährdet. Er muss Wurzeln bilden, die ihm Kraft zum Wachsen geben. Er muss sich aufrichten und den Stürmen des Lebens trotzen. Er muss Früchte tragen und anderen Lebewesen Wohnung bieten. Er wirkt stark und kräftig, dennoch ist sein Leben verletzlich denn ohne Wasser und Licht kann er nicht überleben! Er ist ein Sinnbild des Lebens – der Lebensbaum!



Unser TIPP:

 Ausstellung im Haus der Nachhaltigkeit Johanniskreuz:

Die Traubeneiche - Charakterbaum im Biosphärenreservat Pfälzerwald Nordvogesen

Während der Öffnungszeiten des HDN, die Ausstellung ist kostenlos!
Weitere Infos hier!

 
Foto Haus der Nachhaltigkeit




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