Montag, 27. Januar 2014

Der Wald eine ewige Auferstehung

Von Hans Wagner



Unsere seit langer Zeit zerrissene Verbindung zur Natur sollte uns auch nachdenklich stimmen über unsere eigene gefährdete Existenz. Die Erkrankung der Weltseele hängt unerbittlich mit dem Verwelken unserer eigenen Seele zusammen. Der Blick auf die Bäume, auf unsere Brüder aus dem Pflanzenreich, ist er nicht ein Brennspiegel, in dem wir unsere eigene gefährdete Körperlichkeit und Psyche erkennen?
Was bringt uns ein Spaziergang durch den Wald? Unser wacher Blick fällt auf wundersame in sich versunkene Wesen, die diese Erde schon bevölkerten, bevor der Mensch kam – die Bäume!

Bäume in einem tiefen Märchenschlaf verfangen. In einem Zustand der Ruhe, der Meditation umgeben von Stille. 

Kommt es uns nicht vor wie im Märchen?

Als warte die von Efeu umrankte Eiche auf eine Begrüßung?
Gehen wir behutsam auf die Bäume zu, lernen wir von ihnen: Ein – sichten und Aus – sichten, denn – wenn sie einmal nicht mehr sind, dann sind wir auch nicht mehr.


Bäume  um Trippstadt - Fotos Ute Knieriemen-Wagner


Mir scheint, als warten diese Baumwesen auf eine unaussprechliche Art von Erlösung.
Sehen wir tief in ihr Geäst, vielleicht in der Frühe, wenn die Morgensonne aufgeht. Oder in den Nächten, wenn sich die Nachtsterne wie tränende Diamanten in ihren Wipfeln widerspiegeln.
Selbst wenn sie daliegen, als Totholz, wie aufgerissene Leiber, deren Scham von Farn- und Heidekraut bedeckt ist, haben sie noch diesen Zauber um sich. Wucherungen und Pilze bilden dann einen seltsamen Kontrast.

Vor allem die Alten unter ihnen ziehen uns magisch an, ihre Zeit läuft langsam ab, torsohaft und majestätisch schauen sie auf uns herab. Dazwischen eine bemooste Baumleiche, mächtig und stark liegt sie da, vielleicht durch einen Sturm wurzellos gemacht, blutet sie immer noch als möchte der Leib nicht aufgeben zu leben. Doch irgendwann wächst auf dem gefallenen Baum ein neuer Sprössling!
Es ist, als rufe er mit einem letzten Lied ein altes Dichterwort: „Viele Menschen sind wie Blätter im Sturm – die wenigsten sind Stamm“. 


Die waldreiche Umgebung von Trippstadt bietet die Möglichkeit unsere Verbindung zur Natur wiederherzustellen und Kontakt aufzunehmen mit unseren Brüdern den Bäumen. Versuchen Sie es doch einmal!


Fotos Ute Knieriemen-Wagner

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