Dienstag, 19. November 2013

Tiere des Trippstadter Waldes – Der Baummarder




Von Hans Wagner


Wenn sich die Nacht über den Wald legt, zieht der Baum- oder Edelmarder auf Raub aus. Gegenüber seiner Zwillingsart, dem Steinmarder bevorzugt der Baummarder große, geschlossene Wälder mit Altbaumbestand. Solche ausgedehnte Waldungen bieten ihm genügend Schlupfwinkel. Bei Tage sieht man ihn höchst selten, er ist dämmerungsaktiv. 


 
Der Baummarder von der Amseldell - Zeichnung/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Am liebsten sind ihm Mischwälder mit altem Baumbestand und dichtem Unterholz, wo sich Mäuse und Kleinvögel in reicher Zahl vorfinden. An Ästen, Baumstümpfen, Steinen und Erdhügeln setzt der Marder mit einem stark übelriechenden Sekret, dass er aus zwei Analdrüsen hervor drückt, sogenannte Duftmarken ab, mit denen er sein Revier abgrenzt und seinen Wechsel markiert.
Der Baummarder hat ein kastanien- bis dunkelbraunes Fell und einen gelblichen Kehlfleck. Beim Steinmarder ist dieser Kehlfleck eher weiß. Außerdem ist der Baummarder größer als der Steinmarder.
Seinen Unterschlupf sucht er sich in hohlen Bäumen, in verlassenen Krähen-, Greifvogel- und Taubennestern, in den Kobeln der Eichhörnchen, in Holzstößen und in größeren Vogelnistkästen. Für seine Jagdzüge durch die Wälder ist er bestens ausgerüstet. Der Baummarder ist ein wendige Kletterer und in dieser Hinsicht den meisten anderen europäischen Säugetieren überlegen. Er springt mit bis zu vier Meter weiten Sätzen durch die Baumkronen, läuft die Stämme hinauf und kopfüber wieder herab, fast so als ob er sich auf dem Boden bewegen würde. Er besitzt eine sehr gelenkige Wirbelsäule und keine Schlüsselbeine. Daher kann er sich durch enge Löcher winden und praktisch aus jeder Stellung plötzlich abspringen. Dies kommt ihm natürlich bei der Jagd bestens zu statten. Da er absolut furchtlos ist, wird er allen Waldsäugern, bis hin zum Jungreh gefährlich! Natürlich auch den Vögeln, sie und Eichhörnchen zählen zur Lieblingsbeute. Doch auch Bilche, wie Siebenschläfer und Haselmaus müssen sich vor dem Baummarder in acht nehmen, genau wie Mäuse. Bei größeren Säugern, wie Hase und Kaninchen verbeist er sich im Genick und versucht dem Beutetier mit den Hinterbeinen kräftige Stöße zu versetzen, um ihm die Halswirbel zu brechen. Auch die Vögel verschont er nicht, die er mit seinen Pranken sogar aus den Nistkästen zu ziehen versucht. Meistens frisst unser Edelmarder zuerst den Kopf seines Beutetieres, weil ihm das lecithinreiche Gehirn besonders zu schmecken scheint. Aber auch Insekten verschmäht er nicht und im Sommer und Herbst labt er sich ausreichend an Obst, Beeren, Bucheckern und Haselnüssen, Auch Hummel- und Wespennester stehen auf seinem Speiseplan.

Baummarder halten keinen Winterschlaf, durch ihr dickes Fell sind sie bestens geschützt. Außerhalb der Paarungszeit leben die sie als Einzelgänger. In den Monaten Juni bis August, vor allem im Juli, werden sie besonders lebhaft und unruhig. Die Paarungszeit zieht sie ganz in ihren Bann. Die Mardermännchen hetzen dann die Weibchen stundenlang durch den Wald. Durch eine Verzögerung der Keimentwicklung wird nach der Paarung die Tragzeit der weiblichen Baummarder hinausgezögert und die Jungen kommen erst im April zur Welt. Die Jungtiere bleiben bis zum nächsten Frühling bei der Mutter. Ab dem zweiten Lebensjahr sind sie dann geschlechtsreif. Baummarder haben außer dem Fuchs, kaum noch natürliche Feinde. Sie können bis zu 12 Jahre alt werden. Aber meist sterben sie vorher durch Bejagung, an einer Krankheit oder werden im Straßenverkehr getötet.



Der Baummarder von der Amseldell

Von Hans Wagner
Wenn sich die Dämmerung wie Nebel zwischen die Bäume bei der Amseldell legt, verlässt der Baummarder seinen Unterschlupf, in einer Höhle der alten knorrigen Traubeneiche und geht auf die Jagd. Er klettert kopfüber den dicken, starken Stamm hinunter, springt einige Sätze durch raschelndes Buchenlaub, steckt immer mal wieder seine Nase in ein Bodenloch und hebt sie witternd hoch. Dann setzt er an einem morschen Baumstumpf und auf den mit Porlingen bewachsenen Buchenstämmen, die hier liegen, seine Duftmarke ab.
Nachdem er auf diese Weise seinen Wechsel und Pass markiert hat, der schon von Mardergenerationen vor ihm eingehalten wurde, setzt er seinen Weg fort. Mit einem Male hält er inne, weil sein scharfes Gehör ein ihm bekanntes Geräusch wahrgenommen hat. Sofort ortet er woher das Geräusch stammt. Schnell wie ein Blitz springt er zu, reißt die Spitzmaus aus dem Laub und verschlingt sie gierig. Hinter der alten Amseldellhütte, wo ein Unwetter einige Fichten zusammengedrückt hat, windet sich der Marder schlangengleich durch Dickicht und Unterwuchs der Bäume. Durch enge Löcher, unter herausgerissenen Wurzeln hindurch. Es gibt kaum einen Spalt, durch den er sich nicht geschickt hindurch zwängen kann. Hoch oben beim Scharderkopf, wo jetzt der Vollmond auf die mystischen Steingebilde fällt, schnappt er einen Nachtfalter. Am alten Fuchsbau verweilt er einige Zeit am Himbeergebüsch und frisst von den süßen Früchten, dann zieht er hungrig weiter. Im Morgengrauen, als er schon in seinen Schlupfwinkel bei der alten Eiche zurückkehren will, entdeckt er ein Eichhörnchen. Als dieses den Marder erkennt, klettert es in Schraubenwindungen eine alte Fichte hoch. Dann springt es von einer Baumkrone zur nächsten, der Marder immer hinterher. Aufwärts und abwärts geht die Jagd. Schließlich springt das Eichhörnchen mit einem mutigen Satz ins Leere. Diesen Luftsprung kann der Marder nicht nachmachen. Das Eichhörnchen verschwindet in einem Versteck und der Jäger pirscht hungrig weiter. Noch bevor die Sonne aufgeht hat er seinen Unterschlupf an der Amseldell erreicht. Hier verschläft er den Tag und träumt von der nächsten Jagd.

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