Donnerstag, 6. Juni 2013

Kinderstube in den Alteichen - der Hirschkäfer

Von Hans Wagner


Einst waren Hirschkäfer in Mitteleuropa so häufig, dass jedes Kind die Geweihe der gestorbenen Tiere sammeln konnte. Heute sieht man den „Schröter“, wie der Hirschkäfer auch noch genannt wird, höchst selten! Er musste sogar in die „Rote Liste der gefährdeten Tierarten“ aufgenommen werden. Da man heute in den Wäldern wieder mehr Altholz und vermodertes Stammholz vorfindet, hat auch der Hirschkäfer eine größere Chance zu überleben. Das Männchen kann bis zu acht Zentimeter groß werden, das Weibchen errecht immerhin die halbe Größe. Unverwechselbar sind die Männchen mit ihrem ausdruckvollen Geweih! Dieses „Geweih“ ist eigentlich der verlängerte Oberkiefer, mit dem der Käfer hundertmal so viel bewegen kann wie er wiegt! Exemplare mit einem kleineren Geweih werden der Gattung „capreolus“ zugeordnet, was übersetzt „Rehgeweih“ heißt.

Hat ein Weibchen an einer Eiche eine Stelle gefunden wo Saft austritt, so leckt es von diesem Saft und verspritzt Kot. Damit lockt sie die Männchen an. Diese können mit ihren breitgefächerten Fühlern den Geruch noch weit entfernt wahrnehmen. Kommen mehrere Männchen gleichzeitig an, so kämpfen sie um das Weibchen wobei der Stärkere versucht, den Schwächeren mit Hilfe seines Geweihs vom Baum zu werfen! Dabei geht es aber nicht darum den Gegner zu verletzen oder gar zu töten, dieser Kampf dient lediglich der Auswahl des Stärkeren. Kurze Zeit nach der Paarung sterben die Hirschkäfer. Das Weibchen sucht zuvor noch einen alten Eichenstumpf, oder eine kranke Eiche auf, wo es nahe beim Wurzelstock seine Eier in die Erde ablegt. Mit seinen Kiefernzangen gräbt es dabei in das Holz eine Mulde, indem das tote Holz zu Mulm zerkaut. Daher auch der volkstümliche Name „Schröter“.
Aus den Larven, deren Lieblingsspeise der Holzmulm ist, entwickeln sich die sogenannten „Puppen“. Kurz vor der Verpuppung bauen die Larven noch eine Puppenwiege. Dabei scheint es, als ob sie schon wüssten, ob sie einMännchen oder ein Weibchen werden, denn die zukünftigen Männchen legen die Wiege so groß an, dass ihr noch nachwachsendes Geweih genügend Platz hat. Es dauert zwischen fünf und acht Jahren bis der ausgewachsene Käfer seine Kinderstube verlässt!

Zeichnung/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner


Die erwachsenen Hirschkäfer leben nur einige Wochen. Als Nahrung dient den Tieren der Saft verschiedener Laubbäume, vor allem der von Eichen. Der Wald um Trippstadt und besonders Johanniskreuz ist ein regelrechtes Paradies für diese besonderen Käfer, gibt es hier doch einen ausgedehnten Eichenbestand! 

 
Burgalbspring bei Johanniskreuz - Zeichnung/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner



Von Anfang Juni bis Ende August fliegen sie hier in der Dämmerung auf der Suche nach saftenden Baumwunden. Da diese Baumwunden oft von Baktierien besiedelt sind, die den Zucker zu Alkohol vergären, ist es durchaus möglich, dass ein Käfer nach dem Genuss dieser Speise berauscht vom Baum zu Boden fällt.
An lauen Trippstadter Abenden kann es schon mal vorkommen, dass plötzlich ein lautes Brummen zu hören ist und ein solch imposanter Käfer an einem vorbeifliegt oder sich zu einem kurzen Besuch auf der Terrasse oder im Garten niederlässt. Das ist dann eine wunderbare Möglichkeit sich diese Tiere einmal, in einigem Abstand, in Ruhe anzuschauen und zu bewundern!

Literatur Hinweise:
C.P. Hutter und F.G. Link: Wunderland am Waldesrand
Kosmos Naturführer Insekten

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