Donnerstag, 28. März 2013

Die Tourist Info Trippstadt wünscht Ihnen ein frohes Osterfest!

Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner
Leider gibt es in diesem Jahr noch keine Blätter an den Birken und keine Schlüsselblumen.
Aber die Schneeglöckchen blühen und auch Krokusse sprießen schon im Schlosspark! Machen Sie  über die Ostertage einen Spaziergang oder eine Wanderung im Trippstadter Wald! Sie werden die ersten Frühlingsboten ganz sicher entdecken! Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen, schreiben Sie uns einen Kommentar darüber was schon alles blüht und sprießt!


Der Baum in der Trippstadter Landschaft


Von Hans Wagner

Einer der schönsten An- und Ausblicke in der Landschaft sind zweifelsohne ältere und allein stehende Bäume. Sie haben eine starke Wirkung auf das Landschaftsbild und geben dem Landschaftsraum eine Struktur und ein unverwechselbares Gesicht.

 


Fotos Ute Knieriemen-Wagner



Als Einzelobjekte prägen solch ältere Bäume mit ihren mächtigen Kronen und starken Stammumfang auch die Trippstadter Landschaft. Solche Baumpersönlichkeiten sind ein besonders zu wahrendes Kulturgut.
Von jeher sind Bäume dem Menschen Symbole des Lebens, der Geborgenheit und des Schutzes gewesen. 
In einer Zeit der bedrohten Mit- und Umwelt sind sie auch Ausdruck des Beharrens, der Hoffnung und vor allem der Freude am Wachsen und Gedeihen. Auch aus unserer Sprache sind solche Bäume nicht mehr weg zu denken. So kennen wir den Lebensbaum, den Maibaum, den Tanzbaum, die alte Dorflinde, den Stammbaum und den Christbaum.

Unsere Gemeinde kann mit Recht stolz auf ihren Altbaumbestand sein. Die altehrwürdigen Zerreichen im Trippstadter Schlosspark, die mächtige Kastanie und ihr direkter Nachbar die alte Roteiche vor dem Trippstadter Schloss und die wunderschöne alte Buche vor der katholischen Kirche prägen das harmonische Dorfbild von Trippstadt.
Entlang der Trippstadter Feldwege finden sich einige ältere Birn- und Apfelbäume die unsere Kulturlandschaft hier aufs besondere prägen und ihr ein landschaftstypisches Gesicht geben. Bäume helfen uns dabei, eine Landschaft erst richtig zu erkennen und lieb zu gewinnen weil sie etwas authentisches darstellen und die natürliche Schönheit einer Landschaft besonders hervorheben. Sie sind ein wichtiger Aspekt des touristischen Landschaftserlebnisses und dienen einer harmonischen Erholung in einem Fremdenverkehrsort.
Das „besondere“ an solch alten Bäumen erkannten die alten Griechen schon sehr früh! Sie pflanzten an besonderen Orten Bäume die sie als „genius loci“ bezeichneten, also als „Geist dieses Ortes“. In unsere heutige Sprache übersetzt bedeutet dies nichts anderes, als ein besonderer harmonischer Platz in der Landschaft. Sind sie doch Gewähr für das viel zitierte Naturerlebnis das die Menschen heute so dringend benötigen.
Es sind viele Gründe die dafür sprechen die alten Bäume der jeweiligen Landschaft zu erhalten. Neben dem landschaftsästhetischen und den kulturellen Gründen sind es vor allem psychologische und gesundheitliche, die durch tiefenökologische und nachhaltigkeitsstrategische Argumente ergänzt werden.
Vor allem in unserer Zeit die sich ja nicht nur in der Verschandelung der sichtbaren Natur widerspiegelt sondern vor allem der „unsichtbaren“ Umweltkatastrophen, nämlich der Ozonlöcher und Klimaerwärmung. Hier tragen Bäume eine besondere Schutzaufgabe für das Leben auf unserem Planeten. So wissen wir schon lange, dass ein Baum die Strahlungsintensität der Sonne reduziert und uns dadurch vor Hautschäden schützt. Bäume sind Staub- und Schadstofffilter. So ist zum Beispiel das Staubfangvermögen unserer Trippstadter Dorflinden pro Quadratmeter Blattfläche rund fünf mal höher als das von mächtigen Stadtplatanen. Auch die große Buche vor der katholischen Kirche in Trippstadt sorgt bestens für uns. Wenn dieser Baum im Lichte photosynthetisch aktiv ist, gibt er etwa genau soviel Sauerstoff an die Atmosphäre ab wie er an Kohlendioxid aus dem Luftraum zur Bindung in organischen Molekülen aufnimmt. Diese große Buche setzt am Tag ungefähr 7000 Liter Sauerstoff frei. Das ergibt etwa 35 Kubikmeter sauerstoffreiche Atemluft- genug um den Tagesbedarf von über 50 Menschen sicherzustellen.
Ohne diese ausgleichende und regenerierenden Leistungen der Bäume gäbe es auf Dauer kein höheres Leben in der jetzigen Form auf unserem Planeten. Doch solche Laubbäume dämpfen auch den Verkehrslärm und im Sommer produzieren sie besonders viel Sauerstoff und sorgen somit für angenehme Luftfeuchte und Kühle in unserer Gemeinde.

So sind Bäume Symbole für viele Dinge und der türkische Dichter Nazim Hikmet schrieb zu Recht:
Leben
Einzeln und frei wie ein Baum
Und brüderlich wie ein Wald
Das ist unsere Sehnsucht. 

 
Alter Birnbaum am Weg zum Köpfchen - Foto Ute Knieriemen-Wagner

In diesem Sinne sind uns Bäume auch Lehrmeister für unser tägliches Sein in der Gesellschaft. Jeder einzelne Baum ist ein Ökosystem und wenn wir die „Sprache der Bäume“ verstehen, können wir von diesem Ökosystem mit seinen vielfältigen Verflechtungen nur lernen und vor allem profitieren in einem ganzheitlichen Sinne.

Mittwoch, 6. März 2013

Vom Waldgehölz ins Feldgehölz – eine querfeldein Wanderung durch die Trippstadter Umgebung

von Hans Wagner



In unserer Gemarkung ist der Übergang von der Waldlandschaft in die Kulturlandschaft fließend. Dieses plötzliche Hineintreten in eine andere Landschaft ist immer wieder faszinierend. Aus dem dunklen Fichtenwald hinein in die Feldgehölze zu treten, bedeutet auch eine ganz andere Tier und Pflanzenwelt beobachten zu können.

Zeichnung/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner



Am Nachmittag brechen wir zu einer Wanderung vom Trippstadter Schlosspark zur Wilensteiner Burgruine auf. Diese Route ist besonders schön, führt sie uns doch durch dichten Wald und offene kleinere Sumpflandschaft hinein in das Reich der Feldgehölze. Auf dem Weg können wir nach Frühjahrsblühern Ausschau halten. Alles in der Natur ist im Monat März noch karg. Doch an den Stellen, wo die Sonne öfter hindringt, zeigt sich bereits Blütenleben. Um die selteneren Arten ausfindig zu machen müssen wir die markierten Wege verlassen und durch das dichtere Unterholz laufen. An einer schönen Stelle, versteckt an einem Bachlauf finden wir das Lungenkraut in voller Blüte.






Zeichnungen/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

 
Im Frühling kann man an dieser Stelle die Blüte dieses Heilkrautes, das der Volksmund Brüderchen und Schwesterchen nennt, bewundern. Ihre rötlich – bläulichen Blüten verzaubern den noch in Winterstarre verharrenden Uferrand des Wildbachs. Am Himmel zieht ein Bussard seine Kreise und der Ruf des Grünspechts begleitet uns, während wir dem Weg des Wassers folgen. Auch die Haselwurz steht schon in Blüte. Ihre veilchenähnlichen Blätter haben das dunkelste Grün aller einheimischen Pflanzen.
Bei der Burg Wilenstein angekommen, überraschen uns die goldgelben Sterne des Scharbockskrautes. Diese Pflanze bevorzugt feuchte Stellen zum Gedeihen und breitet sich dort, wo sie sich wohl fühlt, wie ein Teppich aus. Die Blüte der stinkenden Nieswurz ist fast schon vorbei doch vielleicht finden wir noch ein schönes Exemplar in der Nähe der Burg. Das erste Blühen dieses Frühlingsboten beginnt bereits im Januar. Die alte Erdmutter hat das ungewöhnliche Gedeihen in der kalten Winterzeit auf eine ideale Weise gelöst. Der Pflanze steht nachts Zucker zur Verfügung, der einer wässerigen Lösung einen tieferen Gefrierpunkt gibt. So schadet die Kälte der Pflanze nicht. Sie enthält den Zucker durch Umwandlung aus Stärke. Diese wiederum stellt das Gewächs tagsüber mit Hilfe der Sonne aus Kohlendioxid und Wasser her.
An Tagfaltern begegnen uns die Frühform von Zitronenfalter und Landkärtchen.
Wir lassen die Burg hinter uns und erklettern bald einen steilen Waldhang. Um seine Gipfel zu erreichen müssen einige umgestürzte alte Baumriesen überwunden werden. Starke dicke Tannen und Eichen recken ihre Äste hier in den Himmel, während am Boden majestätisch die Leiber ihrer zum Teil vermoderten Geschwister langsam in Fäulnis übergehen. In diesem Prozess des Sterbens und Gedeihens würde unser Wald ohne die zersetzenden Kräfte von Pilzen, Flechten, Moosen und Insekten nicht überleben. Die Unmengen an Pflanzen- und Holzresten würden ihn ersticken.
Vom Berggipfel aus haben wir einen wunderbaren Ausblick über die unter uns liegende Karlstalschlucht. Von hier aus verlassen wir den Wald für einige Zeit und betreten das offene Weiden- und Wiesenland, dass seinen eigenen Zauber besitzt. Hier spürt man immer sehr deutlich den Geist jener, die in vergangenen Jahrhunderten mühselig dieses Stückchen Erde kultiviert haben. Etwas besonderes sind einige sehr alte und mächtige Eichen die hier stehen. Weit über dreihundert Jahre dürfte das Alter dieser Feld- und Grenzeichen sein. Eine von ihnen hat eine besondere Ausstrahlung. Aus einem gemeinsamen Wurzelstock wachsen drei Eichenstämme heraus und bilden ein harmonisches Drillingsgeschwisterpaar. Jeder Stamm so stark, dass die Arme eines erwachsenen Menschen zu klein sind, diese Baumwesen zu umarmen. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich hier eine faszinierende Vielfalt an Pflanzen und Tieren angesammelt und zu einem eigenen Ökosystem entwickelt. Zwischen den Eichen wuchsen niedere Feldgehölze wie Weissdorn und Holunder und in zwei kräftigen Schwarzbirken kann man eine große Anzahl von Wachholderdrosselnestern aus dem vergangenen Jahr entdecken. Die Wachholderdrossel ist ein bevorzugter Bewohner von Feldgehölzen und erst seit etwa 1850 bei uns beheimatet. Sie entstammt dem hohen Norden. Die Ansiedlung diese Drossel bei uns ist auf die Bedeutung der Feldgehölze zurückführen. Die Vögel fliegen von hier aus auf die Wiesen und Felder, wo sie nach Regenwürmern und Insektenlarven suchen. Vor Nesträubern schützen sie sich in gemeinsamer Feindabwehr durch Bespritzen des Angreifers mit klebrigem Kot. Dieses wirkungsvolle Abwehrverhalten würde aber wenig nützen, wenn die Brutkolonien nicht in Feldgehölzen angelegt werden könnten, von denen aus günstige Nahrungsräume unmittelbar erreichbar sind. Große Flugstrecken würden die Nesträuberabwehr beeinträchtigen und so viel Aufwand verursachen, dass nicht genügend Nahrung für die Jungen herbeizuschaffen wäre. Solche Feldgehölze bieten daher beste Lebensbedingungen für die Wachholderdrosseln.
Die größte Artenvielfalt bieten Feldgehölze dann, wenn sich wie hier das Unterholz entfalten kann. Unangemessenes Sauberkeitsdenken ist hier völlig Fehl am Platz und würde solche Biotope zerstören. Es ist eine der Besonderheiten der Trippstadter Landschaft, dass man hier tiefe Wälder, kleinere Sumpfgebiete und offene Kulturlandschaft eng nebeneinander antrifft.

Im Sommer verwöhnt die Trippstadter Landschaft den Wanderer ganz besonders. Wer in den Monaten Juli und August hier wandert sollte unbedingt auch einmal eine Vollmondwanderung unternehmen. Am besten beginnt man damit in den Dämmerstunden im Trippstadter Schlosspark. Vor allem Anfang Juli wenn die Glühwürmchen hier ausschwärmen und die Fledermäuse den historischen Park durchfliegen. Es ist schon etwas besonderes in einer Vollmondnacht von hier aus zur Burgruine Wilenstein zu wandern. Begleitet werden wir vom Ruf des Waldkauzes, der in den Nächten regelmäßig hier zu hören ist und eine solche Wanderung zu einer unvergessenen Erinnerung werden lässt.
Vor allem Kinder werden ein solches Erlebnis als ein ganz besonderes Abenteuer in Erinnerung behalten.