Mittwoch, 13. Februar 2013

Vorfrühling im Pfälzerwald

Von Hans Wagner



Hornung nannten ihn die Altvorderen, sein Herz ist die Narrenzeit. Die altdeutsche Wortform Hornung bedeutet „Bastard“ oder „verschnitten“, denn der Februar wurde schon früh mit weniger Tagen als die anderen Monate angesetzt.
Wer dem wilden Treiben des Faschings entfliehen will, der sollte in diesen Tagen die Wälder um Trippstadt aufsuchen.
In einsamen und idyllischen Waldtälern findet der Wanderer hier Stille und Kontemplation. Ist der Februar mild, finden sich nun die ersten Vorfrühlingsblüher. Bereits Mitte Februar kann man die ersten gelben Blüten des Huflattichs entdecken aber auch den ebenfalls gelben Winterling sowie das Schneeglöckchen und den Märzenbecher.
Unter den Bäumen ist es die Hasel, die in diesem Monat mit ihrer Blüte beginnt. Ihr folgen Schwarzerle und Birke. 

Der Februar ist wohl der Monat, in dem wir den Lenz am sehnlichsten herbeiwünschen. Er gehört zwar noch zum Winter, aber dennoch spürt man intensiv, dass der Frühling schon recht nahe ist. Es ist uns dann manchmal zumute, als würden wir bereits mit einem Fuß im März stehen.
„Lenzing“ ist der alte Name des Monats März und er bedeutet nichts anderes als „länger werden“, denn die Tage werden nun eindeutig länger. Schon zu Lichtmess bemerken wir, dass die Tage zunehmen und Ende Februar ist es schon zweieinhalb Stunden länger Tag als zur Wintersonnenwende am 21. Dezember. 
In den sternenklaren Februarnächten erscheint uns der Himmel wie ein kosmisches Gemälde. Mitten im Meridian flackert nun unruhig das Sternbild des Orions. Über ihm erstrahlt das Sternenpaar Kastor und Pollux. Die Götter haben sie zu glühenden, nie versinkenden Diamanten gemacht. Der Löwe mit dem königlichen Stern Regulus im Herzen ist bereit, durch den Feuerreif der perlmutternen Milchstraße zu springen. 

In der Antike galt der Februar als Monat der Reinigung. Das lateinische Wort „februare“ bedeutet nichts anderes als „steinigen“, „sühnen“. Bei den Römern war der Februar der Monat der Toten und der Monat in dem man versuchte, die bösen Einflüsse loszuwerden, die sich im Laufe eines Jahres angesammelt hatten. Hier finden sich auch die Wurzeln unseres Karnevals.
Den Vorfrühling allerdings spüren wir nun vor allem in der freien Natur. Überall wo sich dichtes Gebüsch vorfindet, hört man jetzt den Zilp Zalp der Ende Februar aus dem Süden zurückkehrt. Und Anfang März erscheint dann der Fitislaubsänger. Jene Vögel die noch im Süden verweilen, spüren jetzt auch, dass der Frühling naht. Unruhig wird ihr Blick, sie prüfen ihr Gefieder, sammeln sich in Scharen, bereit zum Heimflug ins Herz des grünen Pfälzerwaldes.



Märzenbecher am Candidusbrunnen - Zeichnung/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner


Aber auch dem Mensch ergeht es nicht anders. Auch wir spüren den Frühling in uns- denn der Lenz ist nicht nur ein Tage „Verlängerer“ sondern auch ein „Verjüngerer“. Er ist ein Magier, der uns verzaubert, der uns mit seinen Düften, Tönen und zarten Lüften in die freie Natur lockt.
Tiefer in den Wäldern beginnt nun die Blüte des immer seltener werdenden Seidelbasts. Jetzt ist es an der Zeit, eines der romantischen Waldtäler der Trippstadter Landschaft aufzusuchen. Wer an solchen Frühlingstagen im Pfälzerwald wandert wird nicht enttäuscht werden. Er wird finden was er sucht und entzückt sein über das erste Grün, dass ihm nun überall entgegen sprießt und das aus der Landschaft ein Märchen macht. Eine Landschaft die wie ein Zauber auf den Wanderer einwirkt.
Überall im Wald lässt sich nun Bewegung und Wachstum erkennen. Das plötzliche Summen einer zu früh erwachten Wildbiene erfreut uns ebenso wie der ganz unverhofft aufsteigende Reiher, den wir immer wieder an einem der zahlreichen Waldweiher, die sich in der Umgebung von Trippstadt finden, beobachten können. 

Der Frühling ist die Zeit der Erwartungen. Selbst die jungen Birken am Wegesrand scheinen dies zu spüren. Wie Baumkinder erscheinen sie in ihrem ersten zarten Grün. Hinter ihnen liegt ein kalter, harter Winter, doch jetzt im März sind sie ganz Erwartung. Sie warten auf die milden Regenfälle des späten Märzmonats, auf die junge Sonne, auf die erste Strophe mit der die Amsel das Erwachen des Frühlings ankündigt. Mit ihrem Lied erwachen auch die kleinen Birken, gähnt das Eichhörnchen in seinem Kobel, regt sich der Dachs in seinem Bau, die jungen Birken treiben aus. Neues Leben erwacht in der ganzen Natur. 

Wer jetzt durch die vorfrühlingshafte Natur wandert, wird alsbald von jener kleinen Freude ergriffen werden, die wir durch einen Aufenthalt im Wald so wunderbar erfahren. Ein Losgelöstsein von den Problemen des Alltags und mancher wird vielleicht das Gefühl in sich spüren, ein Teil zu sein von dieser herrlichen Natur. In ihren tiefen Gründen, wo wir dem Rauschen alter Bäume lauschen, wo uns das Plätschern des Wildbachs wie ein Lied von Mutter Natur erscheint. Hier zu verweilen, umgeben von einem grünen Kranz von Wäldern wird uns zu einem Augenblick tiefer Zufriedenheit. In dem wir die Natur in uns einlassen, diesem „einzigen, vollkommenen wirklichen Gedicht“, wie es der amerikanische Philosoph Emerson einmal nannte, erkennen wir mit einem Mal, dass auch wir Teil dieser Schöpfung sind. Jetzt im Frühling bietet uns die Natur ihre ganzen Wunder an und wir müssen nur die Augen richtig öffnen, um daran teilzuhaben und um in ihrem Schöpfungsalphabet lesen zu können.

Freitag, 8. Februar 2013

Wandervorschlag zum Dianarelief und zum Scharderkopf.

Von Stephan Marx



Diese Wanderung ist inspiriert vom vorangegangenen Artikel von Hans Wagner. Er beschreibt mystische Plätze in den Wäldern um Trippstadt, zu denen Sie dieser Wandervorschlag führt. Die Wanderung ist ca. 13 km lang.

Schlosspark Trippstadt - Foto Stephan Marx

Startpunkt ist die Ortsmitte Trippstadts, von wo aus der Wanderweg gelb-grünes Kreuz zur Klug’schen Mühle führt. Wir passieren den Schlosspark und das Köpfchen und wir gelangen zur Burg Wilenstein. Der Abstieg zur Klug’schen Mühle erfolgt über einen schmalen Pfad. Hinter der Gastwirtschaft folgen wir den großen Holzwegweiser in Richtung Finsterbrunnertal. Vorbei am Fischweiherbrunnen, an der Fischzucht und am historischen Unterhammer gelangen wir zur Eisenschmelz.

Klugsche Mühle - Foto Stephan Marx


Fischweiherbrunnen - Foto Stephan Marx

An der Moosalb - Foto Stephan Marx

An der Eisenschmelz - Foto Manfred Walter

Kurz vor Erreichen dieser ehemaligen Produktionsstätte der Trippstadter Eisenwerke geht’s scharf links bergauf über den Pionierweg. Hier haben Pioniere, als sie diesen Weg anlegten, viele Steinmetzarbeiten in den Felsen am Wegesrand hinterlassen. Das Dianarelief liegt versteckt unterhalb des Weges. Ein Hinweis, an einem Felsen rechts am Weg, zeigt die Stelle an. Sie müssen ein wenig klettern, um zur Diana zu gelangen.


Dianarelief am Pionierweg - Foto Manfred Walter


Zurück auf dem breiten Weg wandern wir weiter bergan, bis wir einen breiten, gut ausgebauten Forstweg erreichen. Diesem folgen wir nach links, bis der Wanderweg grüner Balken unseren Weg kreuzt. Wir folgen dem grünen Balken nach rechts und wandern, teilweise recht charmant, später durch einen alten Hohlweg, bergauf. Auf der Höhe angelangt, nehmen wir den dritten Weg nach links. Dieser Weg hat keine Markierung und führt über immer über die Höhe in südöstliche Richtung zum Wanderweg gelbgrünes Kreuz. Das gelbgrüne Kreuz steigt noch einige Meter bergan. Oben an der Kammlinie verlassen wir diesen Weg und gehen nach links und gleich wieder rechts. Von diesem Weg zweigt bald ein schmaler, gepflegter Pfad links ab. Er führt uns auf den Scharderkopf.



Scharderkopf - Fotos Stephan Marx


Wieder zurück auf dem gelbgrünen Kreuz geht’s bergab vorbei an der Amseldell, einem ehemaligen Vergnügungspark. Hier sind noch eine kleine Hütte und einige Gedenktafeln sowie die Anlage einer Kegelbahn zu erkennen. Von einem ehemaligen Irrgarten und einer Parkanlage ist hingegen nichts mehr zu sehen.

Amseldell - Foto Stephan Marx

Weiter über das gelbgrüne Kreuz gelangen wir wieder auf den breiten Forstweg, den wir nach dem Pionierweg schon ein Stück gewandert sind. An dieser recht großen Kreuzung sehen wir einen Baum mit einem Hinweis-schild. Hinter diesem steigen wir zu einem Pfad ab, der uns zu mächtigen Felsen, zu einer einsamen Klause und schließlich hinab zur Moosalb und durch die Karlstalschlucht führt.
Am Ende der Schlucht finden wir die Lokalmarkierung 3, die uns nach links gehend zurück zum Ausgangspunkt führt.
Karlstalschlucht - Foto Stephan Marx

Montag, 4. Februar 2013

Eine naturmystische Wanderung durch die Trippstadter Wälder

Von Hans Wagner


Der Wald mit seinen großartigen Naturerscheinungen hat für alle nur möglichen Fragen eine Antwort parat. Wenn wir in die Tiefen der Wälder eindringen, überkommt uns da nicht Respekt vor den alten Baumriesen, die hier und da noch zu finden sind? Und so kann es passieren, dass wir uns plötzlich in einer romantischen Welt wiederfinden, dass wir im Wald einen friedvoll in sich ruhenden Erdentag genießen und ihn als eine mütterliche Hülle des Lebens erahnen, als Spiegelung unserer eigenen Empfindungen und Gefühle, als unberührte Natur, die uns den ewigen Rhythmus des „Werden und Vergehens“ erzählt.

Elfe im Karlstal -Zeichnung/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner


In den Wäldern erhalten wir jenen Zuspruch, der uns in unserem Alltagsleben so oft versagt bleibt. Wenn wir durch den Wald wandern, bemerken wir bald, dass hier noch etwas existiert, das sich im Alltagsleben nur noch schwer finden lässt: Sein. In einer von Ellenbogenmentalität geprägten Gesellschaft kann der Wald zu einem Refugium des Seins werden. Schon lange hat sich das Misstrauen gegen eine Welt, die eigentlich nur noch ökonomisch zu funktionieren scheint, zu einem Krankheitssymptom unserer Zeit ausgewachsen und alle Werte ins Schwanken gebracht. Doch eine Wanderung durch den Wald kann uns wieder jenen Werten nahe bringen, die wir als die menschlichen bezeichnen.
Wir können den Wald als ein einziges Gleichnis betrachten. Manchmal erscheint er uns wie ein Labyrinth. Wir wandern durch dunklen Fichtentann und wissen, irgendwo wartet eine sonnige Lichtung auf uns. Unser Alltagsleben ist oft stressig, wir werden gereizt durch Lärm, tragen uneingestandene Wünsche mit uns herum. Unser Leben besteht oft nur aus Sorgen, Ängsten und Phantasien, die wir verdrängen. Dies alles sind Symptome, die unseren Körper und Geist in eine ständige Alarmbereitschaft versetzen. Im Alltagsleben werden wir vor allem vom Stress gejagt, unter dem natürlich auch die zwischenmenschlichen Beziehungen leiden. Von Stresssituationen zum Dauerstress ist es nur eine kurze Wegstrecke und schon haben uns die Infamitäten des Alltags fest im Griff. Dann kommt uns manchmal der Gedanke, es gäbe kein Entrinnen mehr aus diesem Geflecht. Unser Alltag wird zu einem Gewirr von Eindrücken, Forderungen, negativen Gedanken und unliebsamen Verpflichtungen. Wir sind ständig in Gefahr, die Einheit unseres Lebens zu verlieren. Wir leben fern von uns selbst, also fern von unserer wirklichen Existenz. Unruhe, unbeantwortete Fragen und Zweifel sind zur geistigen Heimat des Menschen geworden.
Der Wald hingegen schenkt uns Sinngebung, er hat einen meditativen Einfluss auf uns. Jeder Mensch spürt irgendwann in seinem Leben ein Bedürfnis nach Natur, Stille und erholsamer Umgebung. Er weiß unbewusst, in den Wäldern findet er eine innere Balance, seinen eigenen Mittelpunkt, den die meisten Menschen verloren haben.
Der Philosoph Ernst Bloch schrieb einmal: „Der Mensch bewegt sich in der Natur wie im Feindesland“. Nun, so muss er eben wieder lernen, den Wald als eine Offenbarung zu sehen, als eine Arznei für seine Seele. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er zu Eingrenzungen und Vereinnahmungen neigt. Für die einen ist der Wald ein romantischer Ort. Aber es gibt auch andere, die hier nur eine Menge Bretter „wachsen“ sehen. Doch wer sich in der Kunst des meditativen Wanderns übt, wird im Wald das finden was er sucht: einen Zuspruch!
Die Illusion, sich aus der Abhängigkeit der Natur befreien zu können, und der Versuch, sie sich untertan zu machen, brachte dem Menschen nicht die ersehnte Heilung sondern nur Unheil.
Es gibt Augenblicke im Leben von uns Menschen, in denen wir das Gefühl der Vollständigkeit des Lebens erfahren. Solche Momente begegnen uns, wenn wir die Einheit mit der Natur in uns spüren. Dann wird das Rauschen eines Baumes zur Musik und windstilles Schweigen zur Antwort. Dann löst sich die lineare Zeit auf und wir fühlen uns aufgehoben in den Zyklen der Jahreszeiten. Es ist dies die sinnliche Erfahrung mit der Natur, die immer die Erfahrung einer belebten, beseelten und mystischen Lebenswelt ist, mit der wir untrennbar verwoben sind, selbst wenn wir es nicht wahrhaben wollen.


Auf einer Wanderung durch die vielseitigen Waldlandschaften von Trippstadt können wir in solche „naturmystischen Momente“ immer wieder hinein-wandern, wenn wir es nur möchten. Die einsamen Wälder rund um Trippstadt verbergen manch geheimnisvolles Kleinod.
Da ist die zwar bekannte doch trotzdem geheimnisumwitterte Karlstalschlucht, die jeden ihrer Besucher in ihren Bann zieht. Von hier aus ist es nicht weit zur historischen Amseldell und gerade einmal zehn Minuten Fußweg weiter kommt man zu den archaischen Steinformationen des Scharderkopfes. Ein Platz, an dem man die Zeit vergisst. Schon in den Märchen heißt es, dass sich besondere Orte nur denen auftun, die reinen Herzens sind. Wenn wir diese Worte in die heutige Sprache übersetzen würden, müssten sie etwa so lauten: „Wir leben nur noch in unseren Köpfen, treiben gefangen in einem Netz von Abstraktionen dahin und können uns in einer objektivierten Landschaft nicht mehr zu Hause fühlen.So sprach es der Anthropologe, Ökologe und Philosoph David Abram aus.
Jene Landschaften, wo es noch romantisch-mystische Plätze gibt, sind selten geworden. In den Wäldern von Trippstadt finden wir noch die abgelegenen Felsplateaus, tiefe Wälder, einsame Haine, verwunschene Steine, Waldes-schluchten, heilige Quellen, Brunnen und kalte, klare Waldweiher.
Vom Scharderkopf aus erreichen wir mit einer gemütlichen Wanderung von etwa 40 Minuten, das versteckt im Dickicht an einem Felsen angebrachte Steinrelief der „heiligen Diana der Wälder“. Eine kleine Höhle neben dem Felsbildnis lädt ein zur Meditation.
Versteckt auf einem Berg, verborgen im Schatten alter Bäume, im Herbst den Blicken entzogen durch Nebelschwaden, die dem wilden Rauschen der Moosalb entspringen, thront Burg Wilenstein über dem Karlstal. Die alten Steine erzählen nicht nur vom Mittelalter, wahrscheinlich weisen sie weit zurück in die „Heidenzeit“. Vieles spricht dafür, dass hier in der Frühzeit wohl einmal ein keltischer Kultplatz war. Der Name „Wilenstein“ ist keltischen Ursprungs, abgeleitet von Wilbeth den „drei Bethen“, einer uralten Drei-Götter-Mythologie, wie sie seit der Jungsteinzeit bis hin zu den Germanen und Kelten Bestand hatte. Doch auch der Name Moosalb ist keltischen Ursprungs. Der Namensbestandteil „alb“ für Bach- und Flussnamen stellt eine altwestische (vorindogermanische) Bezeichnung für Fluss- und Bachbette sowie Weißwasser dar, die sich im keltischen Sprachschatz ebenfalls widerspiegelt. Die sogenannten „drei Bethen“ (Muttergöttinnen) sind eng verbunden mit Steinen, Höhlen, Bergen und Quellen. All das findet sich in der Umgebung der alten Burg.
Eine meditative Wanderung durch die Trippstadter Wälder kann für jeden, der es möchte, eine Wanderung vom Alltag in den ALL – TAG werden.