Dienstag, 29. Januar 2013

Tiere des Trippstadter Waldes - Die Wildkatze ein Schmuckstück unserer Wälder

Ein Artikel von Hans Wagner



Sie ist ein Schmuckstück unserer Wälder, die wunderschöne doch sehr scheue Wildkatze (Felis silvestris). Selbst erfahrene Naturliebhaber sind nicht imstande, eine echte Wildkatze sofort mit absoluter Sicherheit zu erkennen; denn so groß sind die Unterschiede zur Hauskatze nicht. Das Fell der Wildkatze hat mehr ein „Tigermuster“, während das der Hauskatze ein „Marmelmuster“ aufweist. Der verhältnismäßig dicke und buschige Schwanz der Wildkatze spitzt sich nicht zu, sondern endet stumpf, so dass er wie abgehackt aussieht. Außerdem ist die Wildkatze etwa ein Drittel größer als die Hauskatze.

Vor etwa 18o Jahren, als die Wälder durch den immensen Holzbedarf sehr ausgelichtet waren und demzufolge Mäuse in großen Mengen beher-bergten, war die Wildkatze in Deutschlands Wäldern allge-mein verbreitet. Die Wildkatze stellte nie eine Gefahr für Niederwild oder Singvögel dar, man hat sie grundlos in den Mittelgebirgen Deutschlands ausgerottet. Nachdem 1848 die Jagd auf sie freigegeben war, rottete man sie als „jagd-schädliches Raubtier“ in weiten Teilen unseres Landes aus.

Zeichnung/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner
Mit der Einführung des Reichsjagdgesetzes von 1934 erhielt die Wildkatze ganzjährige Schonzeit. So konnten die letzten deutschen Wildkatzen im Harz und in der Eifel vor der Ausrottung bewahrt werden. Durch Kriegs- und Nachkriegsbedingte Holzeinschläge in den Mittelgebirgen verbesserten sich die Lebensbedingungen für die Wildkatze örtlich erheblich. Auf den vergrasenden Kahlflächen vermehrten sich vor allem die Mäuse, die Hauptnährtiere der Wildkatze, beträchtlich. Die Dickungen der Wiederaufforstungsbestände boten ihr sichere Unterschlupfmöglichkeiten. So konnte sich die Wildkatze auch im Pfälzerwald in den vergangenen Jahrzehnten wieder vermehren und ausbreiten.
Obwohl ihr durch die dunklen Monokulturen unserer Fichtenwälder wiederum Grenzen gesetzt wurden. Wildkatzen brauchen lichte, sonnendurchflutete Wälder mit reichlich Unterwuchs. In solchen Wäldern gibt es viele Mäuse und andere Kleinsäuger, von denen sich die Wildkatze, wie schon erwähnt, hauptsächlich ernährt. Die Entwicklung dunkler Wälder und Monokulturen in den sechziger und siebziger Jahrzehnten war für unsere heimische Wildkatze eine sehr nachteilige Veränderung ihres Lebensraumes. Sie musste mehr an den Waldrändern jagen und wurde dort oft als „streunende Hauskatze“ erschossen.
Doch gerade an den Waldrändern, also in unserer „Kulturlandschaft“ fehlt die ökologische „Planstelle“ eines Lauerjägers. Sie wurde von der Hauskatze eingenommen, die sich genau so in das natürliche Artengefüge eingenischt hat wie andere zahlreich eingewanderte Arten. Es ist daher auch nicht richtig, der Hauskatze ihren Platz in der Natur abzusprechen. Die vom Menschen gestaltete Kulturlandschaft, wie z.B. die Feldflur, hatte ja überhaupt keine feste Grundausstattung von Arten. Alle Arten mussten sich vielmehr im Verlauf von Jahrhunderten auf ihre Bedingungen einstellen. Sie kamen in der Vergangenheit mit der Hauskatze zurecht, und nichts spricht dagegen, dass sie nicht auch weiterhin mit ihr zurechtkommen werden. Dass streunende Hauskatzen das ökologische Gleichgewicht stören ist ein Märchen. Ob das Gleichgewicht einer Landschaft bestehen bleibt hängt nicht von der Hauskatze ab sondern von uns Menschen.
Auch für das Überleben unserer Wildkatze wäre es wichtig, dass sie mehr an den Waldrändern jagen könnte.

Als Unterkunft wählt die Wildkatze das Wurzelwerk von Bäumen, Fels und Baumhöhlen, Fuchs- oder Dachsbauten. Wildkatzen leben in ihrem Territorium (ca.50 ha) als Einzelgänger, treten also nie in großer Zahl auf. Mit Vorliebe nimmt sie in einer stillen Lichtung, gern auf einem Baumstrunk sitzend, ihr Sonnenbad. Nur zur Paarungszeit duldet das weibliche Tier (Kietze) den Besuch des Kuders (männliches Tier). Wildkatzen betreiben eine besondere Markierung, um Artgenossen von ihrem Nahrungsrevier fernzuhalten. Wie wir es bei unseren Hauskatzen so oft beobachten können, drücken sie ihre Duftmarken als „chemische Hausschilder“ auf Steine oder Grasbüschel. Sie markieren ihr Revier auch durch Absetzen von Kot an vielen Plätzen, vor allem an der Reviergrenze. Die Hauptranzzeit (Paarung) liegt im Februar, März. Da die Kuder untereinander heftige Kämpfe um die Weibchen austragen, werden meist nur die älteren, starken Männchen zur Paarung angenommen. Die Neugeborenen wiegen 80-135g. Schon im Alter von 18 Tagen haben sie ihr Gewicht verdoppelt. Die Jungen werden vier Monate lang von der Mutter gesäugt. Die Furcht, dass Wildkatzen gerade in der Zeit in der sie Junge haben, beim Niederwild Schaden anrichten gilt als völlig absurd. So erkannte man unter anderem in den Bergwaldungen der Eifel das dort lebende Waldhühner, die im Bestand durch Biotopveränderungen ohnehin arg bedroht sind, durch Wildkatzen keiner akuten Bedrohung ausgesetzt sind.

Mit Glück und viel Geduld kann man in unseren Trippstadter Wäldern eine Wildkatze zu Gesicht bekommen. Die Tiere lieben lichtdurchfluteten Mischwald mit Unterholz und sonnenbeschienene Felsen. Das alles findet die Wildkatze in unserer waldreichen Umgebung.

Montag, 14. Januar 2013

Wenn Steine Geschichte erzählen: Von Menhiren, Grenzsteinen und Rittersteinen im Pfälzerwald



Ein Artikel von  Hans Wagner

„Die von Menschenhand aufgerichteten Steinblöcke von meist schlanker, spindelartiger Form haben ihre Bedeutung sicher im religiösen Bereich, in der Verehrung von heiligen Steinen. So muss allen Menhiren ein Gedanke zugrunde gelegen haben, der in Zusammenhang mit den Kultstätten der westeuropäischen Megalithkultur des 3. vorchristlichen Jahrtausends zu suchen ist“, schreibt die Geschichtshistorikerin Gisela Graichen in ihrem berühmten „Kultplatzbuch“, das unter anderem auch eine kleine Auflistung, wenn auch nicht vollständige, über Kultplätze und Menhire im Pfälzerwald enthält.
In der Pfalz sind noch ca. 50 Menhire nachweisbar. Die markantesten sind: „Der lange Stein von Mittelbrunn, „der lange Stein von Einselthurm, „der lange Stein von Freinsheim“, „der lange Stein von Stahlberg“ und „der Hinkelstein von Otterberg“.
Neben Menhiren finden sich im Landkreis von Kaiserslautern eine Reihe sogenannter „Hinkelsteine“. Das sind große, unbehauene, etwa dreieckig aussehende Monolithsteine. Einer der bekanntesten ist der im Volksmund als „Kriemhildstein“ bezeichnete, ca. 2 Kilometer südlich von Schneckenhausen stehende, Hinkelstein. Er steht an der Grenze des Otterberger Klosterwaldes nahe der alten Römerstrasse. Etwas weiter entfernt oberhalb des „Schallbrunnertales“ am „Erlenbacher Rundweg“, findet sich ein weiterer Hinkelstein. Andere Hinkelsteine stehen beim Bildschacherhof bei Landstuhl und in der Nähe von Bann. Auch in Frankenstein und Diemerstein finden wir einige. Beim Daubenbornerhof, in Rodenbach und Weilerbach werden wir ebenfalls fündig. Zu erwähnen ist auch der Hinkelstein oder „halbe Menhir“ im Stelzenberger Wald bei der Breitenau. Dieser Menhir muss in alter Zeit viel höher gewesen sein. „Gekürzt“ wurde er wahrscheinlich von christianisierten Volksstämmen die durch das Gebiet zogen und die mit diesen „heiligen Steinen“ nicht anders umgingen wie mit den „heiligen Bäumen“, die sie einfach fällten. Einige dieser Steine bedürfen der Hervorhebung, so der Monolith beim Bildschacherhof und beim Sportplatz von Bann. Hier dürfte es sich um Kultsteine aus vorkeltischer Zeit handeln. Sie waren meist mit einem Totenkult verbunden und fallen durch ihre spitzen Säulen auf.
Zeichnung/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner


Doch vor allem waren es die Kelten, die in unserer Landschaft ihre „steinernen Spuren“ hinterließen. Das berühmte „Fürstengrab von Rodenbach“, sei hier nur nebenbei erwähnt.
Vor allem die Hochfläche der Sickinger Höhe ist eine reiche Fundgrube „steinerner Zeugen“ aus der Vergangenheit. Sie gehörte in römischer Zeit zur „Provincia Gallia Belgica“. Ihre Bevölkerung gehörte dem keltischen Stamm der „Mediomatriker“ an, dessen Bereich sich zwischen der Maas im Westen und dem Westrand des waldigen Pfälzer Berglandes im Osten mit den Flusstälern der Steinalb und der Lauter ausdehnte. „Divodurum“ (Metz) war die zentrale Burg der Gottheit, des Druiden und des Stammeskönigs. Grabhügelgruppen künden unverkennbar von der keltischen Bevölkerung der vorchristlichen Zeit, so im südlichen Bogen um Landstuhl, mehrere Menhire an der alten gallorömischen Fernstrasse nach Kaiserslautern und auf dem dortigen Bännjerrück. Diese alten Steine sind die letzten Zeugen einer bäuerlichen Siedlungslandschaft zur Römerzeit. Sie wurde ganz vom Keltentum getragen und zerfiel mit dem Ende der Römerherrschaft zu Anfang des 5. nachchristlichen Jahrhunderts, in den Stürmen der Völkerwanderung.
Die Landschaft erhielt seit dem 6. Jahrhundert nach Christus, durch die Alemannen von Westen- und die Franken von Norden und Osten her, ein völlig neues christlich-germanisch geprägtes Gesicht.

Aber auch „Steinzeugen“ aus jüngerer Zeitgeschichte begegnen wir auf Wanderungen und Spaziergängen durch den Pfälzerwald. So werden wir immer wieder auf „Grenzsteine“ stoßen. Also Steine mit denen man Grenzen setzte und Besitz und Eigentum anzeigte. Sie ersetzten die uralten Lochbäume die einst Grenzstellen markierten. Vor allem bei Wanderungen in den Wäldern um Johanniskreuz begegnen wir immer wieder diesen Zeugen aus alter Zeit. Diese Grenzsteine wurden zum Teil im 13. Jahrhundert errichtet.
So auch die „Kreuze von Johanniskreuz“. Über ihre wahrscheinliche Entstehungsgeschichte berichtet Walter Eitelmann: „Die tatsächliche Bedeutung dieses Kreuzes ist nicht sicher bekannt. Um die Erforschung von Ursprung und Geschichte des Johanniskreuzes hat sich der Heimatforscher Pfarrer Bilfinger sehr bemüht. Seine Forschungsergebnisse hat er im Jahre 1904 in seinem Buch „Johanniskreuz, eine Pfälzerwaldgeschichte“ veröffentlicht. Er erkundete, dass es sich hier um einen Grenzstein in Kreuzform, ein Hoheitszeichen für Grenz-, Zoll- und Geleitrecht aus dem 13. Jahrhundert handeln muss. Im Jahre 1269 war König Richard, der englische Graf auf dem deutschen Thron, nach Deutschland gekommen. Er hielt in Worms einen Reichstag und begab sich anschließend nach Kaiserslautern. Dort feierte er am 16. Juni in der alten Kaiserburg seine Hochzeit mit der jungen und schönen Gräfin Beatrix von Falkenstein.
Reichsschultheiß und Burggraf von Lautern war damals Ritter Reinhart von Hohenecken. Von ihm lieh sich Richard 1000 Silber Mark, um seinen Aufwand im
Zusammenhang mit der fürstlichen Hochzeit bestreiten zu können. Er verlieh ihm dafür das Pfandrecht über die Stadt Lautern und verpfändete ihm auch die Reichskleinodien auf dem Trifels. Reinhart, der schon das wichtige Zoll- und Geleitrecht innehatte, stand damit auf dem Gipfel seiner Macht. Als äußeres sichtbares Zeichen seiner Macht und Rechte ließ er an der Grenze des Hoheneckenschen Zoll- und Geleitrechts, an den damals schon wichtigen Strassenknotenpunkt, wo sich uralte Wege kreuzten, ein Steinkreuz aufstellen, dessen Vierung sein erhaben herausgemeißeltes Wappen trug. Doch der Ritter Johannes von Wilenstein, dem das angrenzende Gebiet als Reichsgut gehörte, gefiel es nicht, dass Reinhart sein Wappen hier so offensichtlich anbringen ließ.

Zeichnung/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Er bekundete seine Hoheitsrechte den Hoheneckern gegenüber noch im gleichen Jahr damit, dass er an dem Kreuz beiderseits neben und über dem Wappen des Hoheneckers auch sein Wappen dreimal vertieft einmeißeln ließ.“ Aber die Zeiten Reinharts waren bald zu Ende, als 1276 Lautern Reichstadt wurde. Vermutlich sorgten dann die Wilensteiner dafür, dass nunmehr dieses Kreuz nicht mehr nach Reinhart, sondern nach ihrem „Johann“ bezeichnet wurde. Diese Annahme wird bestärkt durch die Bezeichnung „Herr Johannes Chreutz“ in einer Grenzbeschreibung der Frankenweide vom Jahre 1533. Später wurde dann der Name Johanniskreuz auf die dort entstandene Siedlung und das umliegende Land übertragen.
So erzählen uns alte Steine ihre Geschichte……
Eine weitere Art von gesetzten Steinen die wir im Pfälzerwald antreffen sind die sogenannten „Rittersteine“. Diese haben nichts mit den mittelalterlichen Rittern gemein, sondern wurden nach ihrem Begründer Karl Albrecht von Ritter benannt. Es war der Heimatforscher Daniel Häberle, der Ritter vorschlug, im Pfälzerwald Gedenksteine aufstellen zu lassen, um waldgeschichtlich oder heimatkundlich bedeutsame Stellen und Örtlichkeiten zu kennzeichnen. Ritter war von diesem Gedanken begeistert und verwirklichte in wenigen Jahren- etwa von 1910 bis 1914, als der Kriegsausbruch Einhalt gebot- diese Idee. Etwa 200 Steine dieser Art waren erstellt und beschriftet worden. In seiner Jahreshauptversammlung 1912 beschloss der Pfälzerwald Verein diesen Steinen die Bezeichnung „Rittersteine“ zu geben.

Der Wanderer, der in der waldreichen Umgebung Trippstadts unterwegs ist, bewegt sich auch durch die Geschichte dieser Landschaft, von der die alten Grenz- und Rittersteine erzählen.
Die Arbeitsgemeinschaft Heimatkunde Trippstadt hat zwei Sonderausgaben zu den Grenzsteinen der Außen- und Innengrenze des ehemaligen Amtes Wilenstein herausgegeben.

Literaturhinweise:    Gisela Graichen: Das Kultplatzbuch
                                                Walter Eitelmann: Rittersteine im Pfälzerwald