Montag, 10. Dezember 2012

Romantische Waldweihnacht am 15. und 16.12.2012

Alle Jahre wieder.... veranstaltet Landesforsten Rheinland-Pfalz/das Haus der Nachhaltigkeit an zwei Tagen einen an ökologischen Kriterien orientierten Adventsmarkt, im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Mehr als 50 Anbieter aus der Pfalz empfangen die Besucher bei der Romantischen Waldweihnacht  in einer gemütlichen Waldatmosphäre in Johanniskreuz. Es warten wieder viele Künstler mit einem breiten Angebot an Kunsthandwerk aus Holz, Glas, Metall und Wolle auf die Besucher. Daneben gibt es die besonderen Schlemmereien aus dem Wald, von den Wiesen und aus Bächen und Teichen des Pfälzerwaldes. Wildgerichte und Köstliches von Ziegen, Schafen, Rind und Forelle. Weihnachtsgebäck, Pralinen, Früchtebrot, Schokolade und Waffeln schmecken danach als süßer Kontrast zu Herzhaftem.


Foto Haus der Nachhaltigkeit Johanniskreuz
 Den Flyer zur Waldweihnacht mit allen Anbietern und weitere Informationen erhalten Sie direkt beim Haus der Nachhaltigkeit!

Fotos der Romantischen Waldweihnacht vom letzten Jahr finden Sie hier!

  

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Über das pfälzische Märchen - von Hans Wagner



"Wenn in einer klaren Mondnacht die Wolken ziehen und abwechselnd Licht und Schatten auf das Land fällt, scheint die alte Riesenwelt der Sage neu entstanden."
So schrieb im Jahre 1857 August Becker in "Die Pfalz und die Pfälzer."

Wer das Reich des Märchens und der Sage betritt, hält Einkehr ins Land des Wunderbaren. Auf den ersten Blick scheint es, als begegne man einer Welt des traumhaften und der Unwirklichkeiten, doch ist jenes Reich des Märchens und der Sage nicht nur folkloristische Erzählung, sondern durch jahrhundertelange mündliche Überlieferung, auch unmittelbare Erfahrung der Menschen einer Region.
In alter Zeit versuchten die Menschen über die Märchen und Sagen ihre Umgebung zu deuten, sie zu benennen, ja sie zu erforschen und zu verstehen. Da das einfache Volk des Schreibens nicht kundig war, blieb ihm zur Aufbewahrung von Geschichte nur die mündliche Überlieferung. Durch psychologische, phantastische, historische und soziale Einflüsse entstanden im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden die Märchen und Sagen der Menschheit. Durch neue Ereignisse, durch Vermischung mit fremden Mythen kennen wir sie in ihrem jetzigen Gewand. 1893 bereits kannte man 344 Versionen des „Rotkäppchen“ Stoffes. Die Märchenforschung stellt seit jeher die Frage nach einer „Urform“ des Märchens, doch was man findet, sind letztendlich nur "Vorformen", die sich in unsere Zeit hinüber gerettet haben. Die Grundmuster des Volksmärchens sind auf der ganzen Welt so ziemlich die gleichen. Für die Gebrüder Grimm war das europäische Sagen- und Märchengut tief verankert im germanischen Glauben, sie sahen in ihm ein Zersetzungsprodukt der altgermanischen Mythen.
Im pfälzischen Märchen finden sich viele Einzelheiten die der keltischen Sagenwelt entnommen sind. So etwa der Bezug zu Bäumen und Höhlen oder das Schwert, der Hirtenstab und vieles mehr.
Die Pfalz ist sehr Burgenreich und etwa um das zehnte Jahrhundert begann die große Zeit der umherziehenden Sänger, Spielleute und Possenreißer. Im zwölften Jahrhundert hatte der Ritterroman seine Blütezeit, aus ihm wiederum flossen Teile in die bereits vorhandenen Märchen der verschiedenen Regionen. In den abgelegenen Burgen und Schlössern des Pfälzerwaldes waren fahrende Sänger und Märchenerzähler eine stets willkommene Abwechslung. Mit ihnen erhielt auch das pfälzische Märchen seine heutige Form. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass jedes Märchen einen wahren Geschichtskern enthält. Vor allem das pfälzische Märchen, in dem Sage und Märchen oftmals ineinander fließen. Das "Urmärchen" beruht also auf einer tatsächlichen Begebenheit und es wurden immer wieder neue Handlungen hineingedichtet.
Ohne in Gefahr zu laufen sich in äußerste Abstraktionen zu verirren, dürfte es auch als erwiesen gelten, dass viele Märchen ihren Ursprung in den frühen ackerbauenden Gesellschaften haben, also bis ins Neolithikum reichen. Vor allem jene Überlieferungen bei denen es um weiße Frauen und Hexen geht.
Wohl werden mit jeder neuen Geschichtsepoche, ja mit jeder neuen Generation, dem jeweiligen Märchen neue Inhalte mitgegeben. Das Märchen, wie wir es heute kennen, ist nicht nur die Erzählung eines einzelnen Volksstammes, in Märchen und Sagen sammeln sich regelrecht Geschichten der Geschichte an.
Märchen und Sagen einer Landschaft sind Teil der Heimat und Volkskunde einer Landschaft. Sie sind die „Kinder“ dieser Landschaft. Heinrich Zimmer schrieb einmal: „…sei es in den großen Epen eines Homer oder Vyäsa oder in den entzückenden kleinen Geschichten der Volksmärchen. Sie sind die ewigen Orakel des Lebens. In jedem Zeitalter müssen sie neu befragt, neu um Rat gebeten werden“.

Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner


Die Märchen und Sagen einer Landschaft sind die Stimme dieser Landschaft. Sie berichten uns von Bergen, Steinen, Quellen, Burgen, Bäumen und Höhlen die sich in ihr befinden. Wenn wir uns heute nach Unterhaltung sehnen, genügt ein Mausklick um in irgendein Computerspiel einzusteigen. Nichts gegen diese moderne Technologie die zweifelsohne eine Errungenschaft ist, wenn man mit ihr umgehen kann, sie gehört schließlich in diese Welt. Doch die Geschichte, also die Märchen und Sagen einer Landschaft gehören ebenso in unsere Welt. Das virtuose und nicht überschaubare Reich des Internets ist zweifelsohne die wichtigste Erfindung des 21. Jahrhunderts und wir müssen unsere Kinder sorgfältig hineinführen, doch sie dürfen die Gaben die uns unsere lebendige Erde täglich schenkt darüber nicht vergessen. Dazu gehören die Märchen und Sagen der Landschaft in der wir leben. Diese gehören zu unserer Heimatgeschichte. Gerade durch das Märchen und die Sage, die an einen bestimmten Landstrich gebunden sind wird uns klar, dass Heimatkunde keine Einzelwissenschaft ist, denn sie berührt durch die Erfassung der Beziehungen des Menschen zu seinem Lebensraum fast alle Wissensgebiete. Und weil sie auf einen Wirklichkeitsausschnitt gerichtet ist zieht sie eine Fülle von Einzelwissenschaften an sich. Erwähnen braucht man nur die Geologie, die Biologie und die Sozialkunde. Die Heimatkunde ist vielleicht die letzte Wissenschaft in der ähnlich wie in der praktischen Philosophie noch das Ganze lebt. Es war gewiss kein pädagogisches Glanzstück als man vor vielen Jahren die Heimatkunde als Schulfach verabschiedete.




Trippstadter Märchen
Das Ritterfräulein und der junge Schäfer
Vor langer Zeit lebte auf der Burg Wilenstein ein schönes Burgfräulein. Eines Tages erschien dort der Schäfer vom Aschbacherhof mit seinen Schafen unterhalb der Burg. Er war ein hübscher junger Mann und nach seinen Manieren zu urteilen konnte er nicht immer ein Schäfer gewesen sein. Das junge Fräulein fand eines Tages den Schäfer schlafend bei seiner Herde vor. Als er erwachte und die Jungfrau erblickte, verliebten sich beide ineinander. Von nun an sahen sie sich jeden Tag. Hier im tiefen Pfälzerwald sah ihnen niemand beim Liebesspiele zu. Auf der Burg aber wies die Schöne alle Freier ab, ohne ihrem Vater den wahren Grund zu nennen. Dieser wollte sie mit dem reichen Ritter Siegbert vermählen. Nach dem Verspruchsfest im Herbst ritt der Ritter wieder zu seiner Burg zurück, im nächsten Frühjahr sollte die Hochzeit stattfinden.
Das Fräulein durfte von nun an den Schäfer nicht mehr sehen. Jeden Abend ertönte der Klang der Hirtenflöte vom Tal hoch hinauf auf die Burg, so dass sie es hören konnte. Als es langsam in den Winter hineinging, vertönte auch der Klang der Hirtenflöte. Die Braut suchte nach einem Vorwand, den Geliebten wieder sehen zu dürfen. Sie bat ihren Vater zu dem im Karlstal hausenden mönchischen Klausner zur Beichte gehen zu dürfen. Auf ihrem Gang dorthin schritt sie über die Wiesen, über die sie im Sommer zu zweien geschritten waren, auf der Suche nach dem Geliebten. Sie traf die Herde aber mit einem anderen Schäfer. Von ihm erfuhr sie, dass sein Vorgänger nicht mehr am Leben sei, denn vor Gram sei ihm das Herz gebrochen. Unglücklich lief das Fräulein zum Klausner um bei ihm Trost zu suchen. Dieser hörte ihr zu und weinte mit ihr. Auf dem Heimweg aber ertrank das Fräulein von Flersheim im Mühlenweiher. Der Vater erfuhr nun die ganze Liebesgeschichte seiner Tochter vom Klausner. Er ließ im Tal des Aschbachs eine Kirche erbauen zum Gedächtnis der beiden Liebenden. Tochter und Schäfer wurden in der Kirche zu Aschbach begraben. In einem Stein am Turm ließ er zum Andenken an beide eine Flöte und einen Hirtenstab einmeißeln. Die Kirche am Aschbacherhof ist lang schon zerfallen, doch der Turm steht noch und Hirtenstab und Flöte kann man heute noch dort bewundern. Doch auch im Karlstal bei Trippstadt findet sich bei der alten Höhle des Klausners eine Inschrift auf der wir lesen können:


dies kreitz bekundt vom wilenstein
dem burgherr welgott gnad verleihn
um seines töchterleins fruen tod
hie in der flut auss selennot.
zu aschbach izund gleich im grab
ruth rittersbraut bei hirtenknab.
der klausner wollt es gar verhüten
hätt bass gefruchtet sein fürbitten.
die büsser wandrer gott befehl
gleichsonst all ellendt, pilgersel.


Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner





Des Johannis Kreuz – Eine Sage um Johanniskreuz
Der Ritter Reinhard III. von Hohenecken war nicht nur ein reicher, sondern auch ein sehr mächtiger Mann. Ausgestattet mit dem Titel eines Reichschultheiß verwaltete er die Kaiserburg zu Lautern und die Reichsodien auf dem Trifels. Er besaß das Wegerecht an den wichtigsten Straßen die die damalige Pfalz durchzogen. Da die Zeiten recht unsicher waren und sich allerlei Raubgesindel umhertrieb, traute man sich gerne dem Schutze seines Trosses an und zahlte ohne Murren das Weggeld.
Als mächtiger Mann der er war, wusste er wohl um seine wichtige Stellung und war daher nicht zimperlich, wenn es darum ging etwas durchzusetzen. So ließ er an der Grenze seiner Wälder Steine setzen und sein Wappen hinein meißeln. Dort, wo die alte Hochstraße durch den Pfälzerwald führt und sich mit vielen anderen Wegen kreuzte, wo fremder Besitz an seinen heranreichte, ließ er ein Kreuz errichten mit seinem Wappen darin. Von einem Steinhauer aus Lautern ließ er dieses fertigen und von dort aus den weiten und langen Weg zu jener Stelle bringen die heute Johanniskreuz heißt. Er war selbst dabei als das Kreuz dort errichtet wurde.
Irgendwann kam sein Nachbar Johannes von Willenstein an dem neu errichteten Kreuz vorbei und war sehr verärgert über die Handlung des Ritters Reinhard. Er gab den Auftrag aus dem harten Buntsandstein des Pfälzerwaldes ein noch größeres Kreuz anzufertigen. In der Mitte von diesem Kreuz und auf jedem Querarm ließ er sein Wappen hineinschlagen. Er ließ dieses Kreuz ebenfalls dort anbringen. Die Menschen die an dieser Stelle vorbeikamen, trieben ihren Spott darüber, wenn sie sagten: "Schau des Johanniskreuz"! Mit der Zeit entstanden auf der Waldlichtung kleine Katen, Gehöfte und Rasthäuser und es dauerte nicht lange da nannte man diese kleine Siedlung Johannis Kreuz.

Die Schätze zu Wilenstein
Bei der Burgruine Wilenstein im Karlstal bei Trippstadt zeigt sich manchmal den dort spielenden Kindern eine Schlangenkönigin mit einer wunderschönen gol-denen Krone auf ihrem Haupte. Es heißt, in den unterirdischen verschütteten Gewölben der uralten Burg, steht eine vermoderte Kiste in der wertvolle Schätze aufbewahrt sind.
Ein Hund mit feurig glühenden Augen sitzt auf der Truhe und hält den Schlüssel in seinem Rachen. Ein Knecht vom nahen Willensteinerhof unternahm einmal den Versuch die Schätze zu heben. Aber vor lauter Angst vor der Bestie flüchtete er und betrat die Burgruine nie wieder.
Manchmal lässt sich in Vollmondnächten statt des Hundes auch ein schwarzer Mann in den uralten Ruinen sehen. Die seit vielen Jahrhunderten verschütteten Kellergewölbe sollen auch einen besonders kostbaren Wein bergen, der in seiner eigenen Haut liegt.