Donnerstag, 8. November 2012

Der Trost des Waldes - Gedanken eines Waldgängers - von Hans Wagner

Wer in den Wäldern lebt, sieht den Wald anders als jemand der in der Großstadt lebt. Es gibt ihn, den Unterschied zwischen dem Stadtmenschen und dem Naturmenschen und so gibt es auch verschiedene Weisen die Natur zu sehen und zu erfassen.

Der Mensch der die Natur liebt, dem wird sie zu einem letzten Reservat eines romantischen Gefühls. Ihm öffnen die Wälder nicht nur die Sinne, sie schenken seinem Leben auch Sinn. Vor allem jetzt, in der nahenden dunkleren Jahreszeit hat der Wald dem Wanderer hier in Trippstadt besonderes zu bieten. Er fordert seinen Geist und seine Phantasie heraus.
Dass raues Wetter das Denken fördert, ist in der Philosophie allgemein bekannt. Wenn Regen und Wind die äußere Sicht einschränken, wendet der Blick sich nach innen.
In den Wäldern können wir eine Freiheit spüren, die es uns erlaubt, mit dem Wesentlichen des Lebens in Kontakt zu treten. Es ist die Stille des Herbstwaldes, die uns eine bisher nicht gekannte, schweigende Aufmerksamkeit schenkt. Viel intensiver spüren wir nun die Beziehungen zum Wechsel der Jahreszeiten. Fern dem unbarmherzig ewig geräuschvoll laufenden Motor der Großstadt finden wir im herbstlich gefärbten Wald nun eine ganz andere psychologische Dimension der inneren Einkehr und Ruhe vor. 
Gerne erinnern wir uns jetzt auch an Wanderungen die wir im Sommer hier in den Trippstadter Wäldern erlebt haben. Sie geben uns Kraft, und wir nehmen sie mit uns in diese dunklere, mystische Jahreszeit!
Eine helle Erinnerung, zum Beispiel an die Königskerzen, die jedes Jahr an der gleichen Stelle im Wald zu finden sind:
Sie leuchten im Wettstreit mit der Sonne. Königskerzen! In einem einsamen Waldtal stehen sie andächtig und meditativ. Der Kreis der gelben Königinnen ist so angeordnet, dass er einen Eingang hat. Die Natur hat ihn nicht vollkommen geschlossen. Es ist als lade Mutter Erde uns ein einen heiligen Hain zu betreten. Ich trete oft hier ein, setze mich zu den gelben Waldfrauen und bewundere ihr graziles Wachstum. Ich erfreue mich an ihrem wunderbaren Gelb. Es wirkt nicht wie das gelb der Sonnenblumen, nein, diese Strahlkraft hat etwas ätherisches, etwas Seelenhaftes an sich, ähnlich der Färbungen eines Zitronenfalters, denke ich dann oft, irgendwie jenseitig. Jeden Sommer stehen sie wieder da. Jeden Sommer begrüße ich sie aufs Neue, in meinem Leben würde etwas fehlen, würden sie hier einmal nicht mehr erblühen, erscheinen sie mir doch wie Wesen aus einem Zwischenreich.

Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner
Viele wunderschöne Eindrücke kann man sammeln, zu jeder Jahreszeit hat der Pfälzerwald etwas zu bieten. Man muss sich nur aufmachen und die Natur genießen, im Frühjahr, im Sommer, jetzt im Herbst beim sanften Fall der Blätter, und auch im Winter, wenn die Stille Einzug hält in den Wäldern um Trippstadt.

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