Dienstag, 27. November 2012

Tour zum Kennenlernen

Kleine Rundwanderung um Trippstadt
Circa 1,5 Stunden zu laufen, 4 km

Bei dieser kleinen Tour gibt es eine Menge zu sehen: Das Trippstadter Schloss mit dem wunderschönen alten Baumbestand im Schlosspark, die Burg Wilenstein, die Klug'sche Mühle und die Karlstalschlucht, den wohl schönsten Wanderkilometer im Pfälzerwald...... Genießen Sie die kleine Wanderung rund um Trippstadt!

Den Flyer mit genauer Wegebeschreibung und Informationen zu den Sehenswürdigkeiten finden Sie hier!


Freitag, 23. November 2012

Der Wald um Trippstadt im Herbst - einfach wunderschön!

Karlstal im Nebel - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle

Trippstadter Waldlandschaft - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle
Blickerweiher im Herbst - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle

Karlstalschlucht im Herbst - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle

Aschbacherhof im Herbst - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle

Waldstimmung - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle


Oberhammerweiher im Herbst - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle
Alle Fotos/Copyrights Michael Raka Weckerle

Wanderung im Aschbacher Wald - von Stephan Marx



Der Aschbacher Wald bietet zwischen der Brunnenstollenhütte und dem Aschbacherhof eine Menge Überraschendes: Sehenswerte Kleinodien und schöne Wanderpfade. Er eignet sich besonders für eine Wanderung, bei man abschalten und mit sich selbst sein will.

Die hier beschriebene Wanderung ist etwa 15 Kilometer lang und in knapp 4 Stunden schafft man die Tour. Es gibt auch einige Möglichkeiten, die Wanderung abzukürzen. Darauf wird im Text hingewiesen.
Die Wanderung orientiert sich im Groben am Rundwanderweg 1 - bis kurz vor den Aschbacherhof. Der Rückweg über das Bergfeld, den Felsen- und den Candidusbrunnen verlässt dann die Markierung 1 zeitweise.
Wir starten in der Ortsmitte und wandern über die Haupt- und Friedhofstraße zur Brunnenstollenhütte. Alternativ kann man die Wanderung auch an der Brunnenstollenhütte beginnen.

Wir folgen nun ein kurzes Stück dem roten Balken in den Wald hinein und biegen nach einem kurzen Abstieg nach rechts auf einen unmarkierten Weg ein. Rechts dieses Weges ist nach wenigen Schritten der Eingang zum Brunnenstollen erreicht, der bis in die 1960er Jahre zur Wasserversorgung Trippstadts diente und in seiner Art einmalig nördlich der Alpen ist. Im 18. Jahrhundert wurde in Gegenortverfahren ein Tunnel in den Berg gegraben, um einen kleinen Wasserlauf anzuzapfen und das Wasser durch sogenannte Deicheln (ausgehöhlte Baumstämme) in den Ort zu leiten und das neuerbaute Schloss mit Wasser zu versorgen. Der Brunnenstollen ist verschlossen und kann nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden (Infos und Anmeldung bei der Tourist Information Trippstadt).

Weiter auf dem Weg treffen wir an einer Kreuzung auf den mit der 1 markierten Weg. Wir folgen ihm nach links. Einen Abstecher und eine erste Rast wert ist der Osterheldbrunnen. Ein Hinweisschild aus Holz weist den Weg zu dieser gefassten Quelle.

Osterheldbrunnen - Foto Stephan Marx

Der Osterheldbrunnen wird auch Langeck-Brunnen genannt. Er wurde 1927 nach Plänen des damaligen Revierförsters Osterheld gebaut. Das Wasser wurde für den nahe gelegenen Pflanzgarten bei der Langeckhütte benötigt. Diese erreichen wir auf der weiteren Wanderung rechts des Weges.

Seit 2011 erforscht die Universität Kaiserslautern in diesem Gebiet die Ökologie der Baumkronen. Wenn man bedenkt, dass 40% aller landlebenden Tierarten in den hohen Stockwerken der Bäume angewiesen sind, macht ihre Erforschung Sinn. Dazu wurde ein 36 Meter hoher Baumkronen-Beobachtungsturm errichtet, der auf einer Grundfläche von drei mal drei Metern steht und aus unbehandeltem Holz gebaut wurde, damit mögliche Ausdünstungen keine Messergebnisse verfälschen.

Wir trennen uns vom Anblick dieses Bauwerkes und wandern weiter auf dem „Einser Weg“. Über einen schmalen Pfad steigen wir – vorbei an schönen Felsformationen – hinab ins Hirschsprungstal. Dort stoßen wir auf wunderschöne gelegene Weiher, wo Bänke wiederum zu einer Rast einladen. Wir umrunden die Weiher und bleiben der 1 treu in Richtung Aschbacherhof.


Aschbacherhof - Foto Stephan Marx

Sehr bald gelangen wir zu Pferdekoppeln und der Turm der ehemaligen Kirche St. Blasius bietet einen schönen Anblick. Diese Kirche wurde schon 1215 erstmals urkundlich erwähnt. Lediglich der Turm blieb erhalten. In der Reformation wurde sie die erste reformierte Kirche in der Pfalz.

Unser Wanderweg 1 führt uns nun durchs Grumbeertal. Wenn der Kirchturm wieder ins Blickfeld gelangt, müssen sie Acht geben und in einen schmalen Pfad rechter Hand einbiegen, der mit einem grünen Balken markiert ist. Er steigt gemächlich an und oben angekommen lohnt ein Abstecher zum Bergfeld.

Nehmen Sie dazu den Weg links an der Sitzbank vorbei, die Sie an der Stelle sehen, wo der Pfad endet. Gehen Sie weiter bis zu einem Hochstand links neben dem Weg. Dahinter biegen Sie links ein und nach einigen Schritten zweigt rechts ein stark benutzter Pfad ab, der Sie zum Bergfeld führt. Der Anblick der Pferdekoppeln nach der Wanderung durch den Wald ist eine schöne und willkommene Abwechslung. Hier treffen Sie auch wieder auf unsere 1, die als breite Forststraße wieder in den Wald und zurück nach Trippstadt führt. Nun wird es etwas unübersichtlich, aber lohnend. 

Nachdem der Wanderweg grüner Balken von links zu unserem Weg dazu stößt, verlassen Sie diesen breiten Weg und biegen links ab und gleich nach wenigen Schritten rechts ab. An einer Wegespinne, wo sich fünf Wege treffen, nehmen Sie den 2. Weg rechts. Er führt fast gerade aus. Diesen Weg folgen Sie bis in die Nähe des Felsenbrunnens. Hier weist ein Hinweisschild Ihnen den Weg. Diese gefasste Hangschichtquelle bietet wiederum eine schöne Rastmöglichkeit.

Candidusbrunnen - Foto Stephan Marx

Die Wanderung setzen Sie in Richtung Candidusbrunnen fort. Der nun folgende Pfad ist traumhaft schön. Es ist einer meiner Lieblingswege. Der Weg ist mit einer 9 markiert. Am Ende dieses Pfades lohnt der Candidusbrunnen einen kleinen Umweg. Sie erreichen ihn hier über den roten Balken nach links. Der Brunnen hat seinen Namen von Benedikt Candidus, dem letzten Förster des Forsthauses Wittgenberg, das hier in der Nähe stand. Der Brunnen stammt aus dem Jahre 1894.

Der breite Forstweg, der den Hang herauf kommt, ist eine der vorne beschriebenen Abkürzungen. Er kommt aus dem Hirschsprungstal und verbindet die dortigen Weiher mit dem Candidusbrunnen.
An den beiden großen Kreuzungen gehen Sie nun jeweils rechts und bald darauf links. Hier treffen wir wieder unseren „Einser Weg“, den Sie nun folgen. Nach einiger Zeit sehen Sie rechts am Hang den neuen Trippstadter Bikepark. Wenn der schmale Pfad den breiten Talweg erreicht, haben Sie zwei alternativen, je nachdem, wo Sie gestartet sind: Wenn Sie in der Trippstadter Ortsmitte gestartet sind, folgen Sie der Markierung des Nordic Walking Parks bis zum Kreisel Langensohl, überqueren Sie die Kreisstraße und wandern Sie mit dem gelbblauen Balken (nach links) zurück nach Trippstadt. Oder Sie bleiben auf den Talweg und folgen der Markierung  1 bis zur Brunnenstollenhütte.

Nehmen Sie sich Zeit für diese Wanderung. Bitte beachten Sie, dass es bei dieser Wanderung keine Einkehrmöglichkeit entlang der Strecke gibt. Die Trippstadter Geschäfte bieten die Möglichkeit, Rucksackverpflegung einzukaufen. Die beschriebenen Rastmöglichkeiten unterwegs bieten sich für ein Picknick an.

Dienstag, 13. November 2012

Über die Kunst des meditativen Wanderns



Der Wald als Psychotherapeut - von Hans Wagner

Wandern ist Erlebnis. Therapie auch. Die Verbindung von Wandern und Therapie kann ich nur erfahren und erleben, wenn ich selbst wandere, weil ich mich dann selbst erfahre und bemerke, dass Wandern eine innere und äußere Angelegenheit ist.
Als Wanderführer ist es meine Aufgabe Menschen durch den Wald zu führen und dabei mit den Gästen Gespräche zu führen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Menschen während einer Wanderung durch die Natur tiefere Gespräche führen, als wenn sie sich gerade mal auf der Straße oder in einem Café treffen.


Die Natur ist nicht nur die größte Lehrmeisterin sondern auch die beste Therapeutin. Ich persönlich begebe mich einmal am Tag in eine Therapiestunde, nämlich dann, wenn ich mich zu einer Wanderung aufmache. Meditatives Wandern ist mehr, als nur laufen. Es ist eine kleine Lebenseinstellung. Therapie wie ich sie verstehe, hat vor allen Dingen etwas mit Wachstum zu tun, einem inneren ganzheitlichen Wachstum. 
Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Im Wald, in der freien Natur, fällt vieles von uns ab was uns ansonsten im täglichen Leben belastet. Man findet sehr viel schneller zu sich selbst, zu seinem „inneren Kern“, jenem Teil von uns, den man in der Philosophie „Selbst“ nennt, also zu dem Wesen das wir in Wirklichkeit sind.
Es gibt Menschen die versuchen jemand anderes zu sein als sie selbst es sind, warum auch immer. Solche Menschen haben das gleiche Problem wie jene die meinen, dass die schönste Zeit die sie in ihrem Leben verbracht haben irgendwo in ihrer Vergangenheit liegt. Das ist ein Trugschluss! Andere glauben, dass ihr Bestes in der Zukunft liegt und sind fest davon überzeugt, dass irgendwann einmal das Happy–End an ihre Tür anklopft. Wer so lebt, der rennt einer Illusion nach. Die Natur lehrt uns, dass wir unser Leben im Hier und Jetzt gestalten müssen.
Wir haben das Leben uniformiert und es seiner ursprünglichen Vielheit beraubt. Uns interessiert nicht mehr das Ganze sondern nur ein Teilausschnitt. Wir ahnen eine Innenwelt, doch wir flüchten in die Außenwelt. Anstatt die beiden „Welten“ zu verbinden, nämlich die Immanenz des Transzendenten im diesseitigen Leben zu erkennen und die tiefere Wesenheit von uns selbst im Alltag zu finden.
Der große Vorteil beim meditativen Wandern ist die relativ schnelle Erfahrung, dass ich mich während des Wanderns ganz im Hier und Jetzt aufhalte. Dass ich das Gefühl in mir spüre, ganz bei mir selbst zu sein.
Wandern bedeutet nicht Energie abzugeben, sondern das Gegenteil ist der Fall: Ich lade neue Energie auf!
Bei jeder Wanderung erlebe ich Neues, mit jedem Schritt den ich im Wald tätige, entgehe ich der inneren Versteinerung und Lethargie. Dies ist jedes Mal der Gedanke in mir, wenn ich mich zu einer Wanderung aufmache.
Das, was uns als erstes im Wald fasziniert, manchmal auch ängstlich macht, ist die Stille. In den Wäldern spüren wir plötzlich eine bisher unbekannte Freiheit, die es uns erlaubt, mit dem wesentlichen des Lebens in Kontakt zu treten. Es ist die Stille des Waldes, die uns eine bisher nicht gekannte, schweigende Aufmerksamkeit schenkt. Fern dem unbarmherzig ewig geräuschvoll laufenden Motor der Großstadt finden wir im Wald nun eine ganz andere psychologische Dimension der inneren Einkehr und Ruhe vor. In einer Zeit der entfesselten Mächte, der ökonomischen Unsicherheiten und ökologischen Katastrophen wird uns der Wald zu einer Insel der Erholung, zu einem Ort der Therapie und des inneren Wachstums.

Die tiefen Wälder um Trippstadt laden uns dazu ein, einmal eine meditative Wanderung zu uns selbst zu machen um gestärkt und aufgeladen mit neuer Energie, die uns der Wald kostenlos zur Verfügung stellt, zurück in unser Alltagsleben zu treten.

Erich Kästner hat es in seinem Gedicht „Die Wälder schweigen“ treffend beschrieben, im letzten Vers des Gedichtes heißt es:

„Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.“

Freitag, 9. November 2012

Sankt Martin und der Landstreicher



Eine Erinnerung an meine Kindheit von Hans Wagner

Als ich noch ein kleiner Junge war, erzählte mir meine Großmutter jedes Jahr zum Sankt Martinstag ihre Martinsgeschichte. So wie sie diese Erzählung schon von ihrer Großmutter gehört hatte. Hier ist diese Geschichte:

Einst lief ein alter Bettler fröstelnd durch die eiskalte Novembernacht. Wie Diamanten blinkten am Himmel die Sterne, und der unruhige Vollmond wanderte zwischen ihnen. Wie ein kosmisches Gemälde flackerten die Sterne im ganzen Universum. Der Landstreicher war müde, desto mehr freute er sich, als er plötzlich vor einer halbzerfallenen, uralten Scheune stand. Knarrend drückte er die Tür zur Scheune auf. Durch ein Loch im Dach drang gerade so viel Mondlicht in die morsche Feldhütte, dass er in einer Ecke, unter einer Futterkrippe eine Lage Heu erkennen konnte. Durchfroren wie er war, schlüpfte er mit seinem alten, durchlöcherten Mantel unter das Heu, das ihm ein wenig Wärme schenkte. Es dauerte nicht lange, da schlief der alte, zerlumpte Landstreicher auch schon ein. Mitten in der Nacht schreckte er auf. Ihm war, als hätte er eine Stimme gehört.
„Ist hier jemand?", fragte er in die Dunkelheit hinein. „Zünde mich an!", hörte er mit einem Mal eine Stimme sagen. „Wer bist du? Wer spricht zu mir?", rief der alte Bettler ängstlich. „Ich bin die Laterne, die an der Tür hängt. Nimm mich ab und zünde mich an!". Der Landstreicher kroch aus seinem Heulager und ging zur Tür. Dort zündete er ein Zündholz an und – tatsächlich! An der klapprigen Tür hing eine uralte, verstaubte Laterne in der noch ein Kerzenstumpen steckte. Er hielt das Zündholz durch das zersprungene Glas der alten Laterne, sofort flackerte ein warmes Kerzenlicht auf und das Innere der alten Scheune wurde ein wenig erhellt.
„Ach, ist das schön!“, sagte die Laterne. Der Alte stellte sie auf den Boden, schlüpfte wieder unter sein Heulager und betrachtete verwundert die uralte Laterne. Eine Lampe die sprechen konnte, so etwas war ihm in den vielen Jahrzehnten seiner Wanderschaft und Ruhelosigkeit auch noch nicht passiert.
„Wundere dich nicht!", sagte die Laterne zu ihm. „Ich bin Martins Laterne!".
„Martins Laterne?", fragte der alte Mann. „Ja, die Laterne des Heiligen Martin von Tours. Du kennst doch den Heiligen Martin und seine Geschichte?". „Nun ja, ein wenig", sagte der Landstreicher beschämt. „Ein wenig?", fragte die Laterne verwundert zurück, „dann weißt du auch nicht, dass heute die Nacht des Heiligen Martins ist?". „Nein", kam die Antwort aus dem Heulager. „Dann werde ich sie dir nun erzählen", meinte die alte Laterne.
Es war jetzt richtig gemütlich geworden in der zerfallenen Feldscheune. Das Kerzenlicht wärmte tatsächlich mit einem Mal wie ein kleiner Ofen. Das Heu duftete. Lieblich funkelten Mond und Sterne durch das halbzerfallene Dach und die Laterne begann die Geschichte des Heiligen Martin zu erzählen.


„Um das Jahr 317 n. Ch. wurde Martin in einer Stadt des heutigen Ungarn geboren. Sein Vater war dorthin als römischer Offizier versetzt worden. Auf Wunsch seines Vaters musste Martin mit 15 Jahren Soldat werden. Er kam in die kaiserlich berittene Gardetruppe die mit schönen, weiten Mänteln eingekleidet waren. Als der römische Kaiser junge Soldaten ins heutige Frankreich schickte, war auch Martin unter ihnen". „Und du warst auch dabei?", fragte der Landstreicher ungläubig, doch voller Staunen. „Ja, ich war dabei, ich bin Martins alte Laterne", drang es blechern aus ihr heraus. „Aber jetzt höre endlich zu!".
Und die Martinslaterne erzählte ihre Geschichte:
„Alles begann in einer kalten Winternacht, die Tore der kleinen Stadt sollten bald schließen. Nur in ein paar Wirtshäusern brannten vereinzelt noch Lichter. Dort saßen die Soldaten zusammen. Die Gesichter der Männer waren rot und erhitzt vom Würfelspiel. Martin hatte sein Geld beim Spiel verloren.
„Kommt ins Lager Männer", drängte er. „Morgen müssen wir früh aufstehen!" – Die anderen lachten.
„Hast dein ganzes Geld verloren Martin, und nun keine Lust mehr zum Spiel!".
Aber dann standen sie auf und zahlten ihre Zeche. Martin war beliebt bei ihnen. Martin griff mich und wir gingen in die kalte Nacht hinaus. Es hatte sehr stark und viel geschneit, Martin zog den Kragen hoch, ihn fror. Sein Pferd wieherte leise und freundlich als er aufstieg. In den Straßen herrschte tiefe Stille. Langsam ritten wir los. Die anderen waren schon ein großes Stück voraus.
„Martin!", riefen sie, „komm schneller und leuchte uns mit deiner Laterne!".
Aber Martins Pferd lief ruhig durch die verschneiten Straßen. Die anderen hatten das Stadttor schon erreicht, da blieben sie stehen.
„Martin", johlte einer der Männer „schade, dass du kein Geld mehr hast! Den letzten Heller hättest du diesem hier geben können!". Alles lachte, außer Martin und der Trupp setzte sich wieder in Bewegung.
Martin und ich waren nun auch beim Stadttor angelangt. Ich leuchtete auf die Straße, und im trüben Licht, konnten wir den Menschen erkennen der dort saß, in der kalten Nacht nur in Lumpen gehüllt. Er zitterte vor Kälte. Schnee war in seine Bettelschale gefallen, aber nicht ein einziger Heller.
Martin sprang vom Pferd und sah den armen Mann an. „Die andern haben Recht", sagte er.
„Nichts habe ich mehr, alles habe ich verspielt!". Er war bedrückt, aber plötzlich hellte sich sein Gesicht auf: „Alles was ich dir geben kann, ist das hier!".
Er riss sich den schweren roten Mantel den er anhatte, den einzigen den er besaß, von den Schultern. Mit einem Hieb seines Schwertes teilte er ihn. Einen Teil legte er dem Bettler um und griff kurz nach der Schulter des armen Menschen. Dieser reckte den Arm und wollte ihm danken, aber schon schwang sich Martin auf sein Pferd und ritt davon, den anderen hinterher die jenseits des Tores warteten.
In dieser Nacht schlief Martin sehr unruhig. Einmal fuhr er hoch, weil er dachte, er hätte mein Licht nicht gelöscht. Aber ich lehnte ganz dunkel an der Tür.
Aber es stimmte:
Das Licht in jener Nacht schien besonders hell und mir kam es so vor, als würde ich den Bettler am Fenster sehen mit Martins rotem Mantel. Er lächelte Martin zu und um seinen Kopf erschien ein helles Leuchten.
Von diesem Erlebnis fühlte Martin sich so angesprochen, dass er den Wunsch hatte, Christ zu werden. Der Bischof von Amiens taufte Martin. Er war 18 Jahre alt und wollte kein Soldat mehr sein, er gab dem Kaiser sein Schwert zurück. Bischof Hilarius unterrichtete Martin in der christlichen Religion. Sie wurden große Freunde.
Als der Bischof der Stadt Tours starb, wollten die Menschen Martin zum Bischof. Er erschrak darüber, denn er wollte nicht Herr sondern Diener der Menschen sein. Als Bischof von Tours wurde Martin über achtzig Jahre alt. Er starb wahrscheinlich an einem 11. November. Seit seinem Tod besuchen die Menschen sein Grab in der Kathedrale von Tours in Frankreich."

Als die Laterne ihre Geschichte erzählt hatte, war auch der Kerzenstummel abgebrannt.
Es wurde dunkel in der zerfallenen Scheune. Andächtig hatte der Landstreicher der alten Martinslaterne zugehört. Irgendwann schlief er ein.
Als er am nächsten Morgen aufwachte, hatte es geschneit. Sofort dachte er an das Erlebnis der vergangenen Nacht, aber nirgends konnte er die Laterne finden. Er verließ die Scheune und nahm wieder sein tägliches unstetes Leben auf. Doch kein Tag sollte von nun an im Leben des Bettlers vergehen, da er nicht wenigstens einmal an den Heiligen Martin dachte, den Schutzpatron der Armen und Verachteten.

Donnerstag, 8. November 2012

Der Trost des Waldes - Gedanken eines Waldgängers - von Hans Wagner

Wer in den Wäldern lebt, sieht den Wald anders als jemand der in der Großstadt lebt. Es gibt ihn, den Unterschied zwischen dem Stadtmenschen und dem Naturmenschen und so gibt es auch verschiedene Weisen die Natur zu sehen und zu erfassen.

Der Mensch der die Natur liebt, dem wird sie zu einem letzten Reservat eines romantischen Gefühls. Ihm öffnen die Wälder nicht nur die Sinne, sie schenken seinem Leben auch Sinn. Vor allem jetzt, in der nahenden dunkleren Jahreszeit hat der Wald dem Wanderer hier in Trippstadt besonderes zu bieten. Er fordert seinen Geist und seine Phantasie heraus.
Dass raues Wetter das Denken fördert, ist in der Philosophie allgemein bekannt. Wenn Regen und Wind die äußere Sicht einschränken, wendet der Blick sich nach innen.
In den Wäldern können wir eine Freiheit spüren, die es uns erlaubt, mit dem Wesentlichen des Lebens in Kontakt zu treten. Es ist die Stille des Herbstwaldes, die uns eine bisher nicht gekannte, schweigende Aufmerksamkeit schenkt. Viel intensiver spüren wir nun die Beziehungen zum Wechsel der Jahreszeiten. Fern dem unbarmherzig ewig geräuschvoll laufenden Motor der Großstadt finden wir im herbstlich gefärbten Wald nun eine ganz andere psychologische Dimension der inneren Einkehr und Ruhe vor. 
Gerne erinnern wir uns jetzt auch an Wanderungen die wir im Sommer hier in den Trippstadter Wäldern erlebt haben. Sie geben uns Kraft, und wir nehmen sie mit uns in diese dunklere, mystische Jahreszeit!
Eine helle Erinnerung, zum Beispiel an die Königskerzen, die jedes Jahr an der gleichen Stelle im Wald zu finden sind:
Sie leuchten im Wettstreit mit der Sonne. Königskerzen! In einem einsamen Waldtal stehen sie andächtig und meditativ. Der Kreis der gelben Königinnen ist so angeordnet, dass er einen Eingang hat. Die Natur hat ihn nicht vollkommen geschlossen. Es ist als lade Mutter Erde uns ein einen heiligen Hain zu betreten. Ich trete oft hier ein, setze mich zu den gelben Waldfrauen und bewundere ihr graziles Wachstum. Ich erfreue mich an ihrem wunderbaren Gelb. Es wirkt nicht wie das gelb der Sonnenblumen, nein, diese Strahlkraft hat etwas ätherisches, etwas Seelenhaftes an sich, ähnlich der Färbungen eines Zitronenfalters, denke ich dann oft, irgendwie jenseitig. Jeden Sommer stehen sie wieder da. Jeden Sommer begrüße ich sie aufs Neue, in meinem Leben würde etwas fehlen, würden sie hier einmal nicht mehr erblühen, erscheinen sie mir doch wie Wesen aus einem Zwischenreich.

Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner
Viele wunderschöne Eindrücke kann man sammeln, zu jeder Jahreszeit hat der Pfälzerwald etwas zu bieten. Man muss sich nur aufmachen und die Natur genießen, im Frühjahr, im Sommer, jetzt im Herbst beim sanften Fall der Blätter, und auch im Winter, wenn die Stille Einzug hält in den Wäldern um Trippstadt.