Montag, 22. Oktober 2012

Wo einst Könige, Fürsten und Freiherren wanderten - eine Wanderung zur historischen Amseldell im Trippstadter Wald - von Hans Wagner



Der griechische Philosoph Aristoteles schrieb einmal: „Die Heimat des Philosophen ist der Ort wo er denken kann.“
Nun, es ist wahrscheinlich auch der Ort wo man sich besonders wohlfühlt, wo man Wurzeln ziehen kann. Ein Stück Erde das man liebt. Es ist einem bewusst, dass es einen Ort gibt an dem man sich zuhause fühlt. In dem Wort Heimat schwingt etwas religiöses mit, selbst bei jenen Menschen die Heimat als etwas altbackenes bezeichnen und sich über das Heimatgefühl erhaben glauben. Die innige Verwurzelung des Menschen mit seiner Heimat ist nicht in irgendeiner Ideologie sondern in einem natürlichen Zwang begründet.

Zeichnung Ute Knieriemen-Wagner

Es gibt Gäste die seit vielen Jahren nach Trippstadt kommen und sagen: „Trippstadt ist uns zur zweiten Heimat geworden!“ Dies liegt zweifelsohne an den vielen romantischen Plätzen die wir in der Umgebung von Trippstadt vorfinden. Es sind Plätze der Meditation und Besinnung umgeben von einem „grünen Kranz von Wäldern“.
Ein solcher Platz ist unter vielen anderen die historische Amseldell oberhalb der wildromantischen Karlstalschlucht. In einem grünen Waldhain gelegen scheint dieser Ort in einen Märchenschlaf gefallen zu sein, der nur darauf wartet wieder erweckt zu werden. Jetzt da im Pfälzerwald die Stimmung des Goldenen Oktobers vorherrscht macht es besondere Freude hier zu wandern.
Bereits um die Mitte des 19.Jh. war die Amseldell ein begehrtes Ausflugsziel, wo sogar Bayernkönig Ludwig I umherspazierte. Hier stand einst eine Anlage mit Kegelbahn, Wildholzpavillon, mit Wirtsgarten, Schießstand und Irrgarten. Zwei große Steintafeln erinnern an den Besuch von adligen Hoheiten die hier einst lustwandelten und an den 70. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold am 12. August 1891.
Aber es ist vor allem die Natur, die den Wanderer in diesem Teil des Trippstadter Waldes in seinen Bann zieht. Die alten mächtigen Bäume, die gefallenen Baumriesen bewachsen mit wunderschönen Baumpilzen das Vogelgezwitscher das diesem Platz wohl seinen Namen gab und die tiefe Stille die hier vorherrscht. Eine Stille die zu Besinnung und Meditation einladet.
Die Stille die den Wanderer hier regelrecht aufsucht hat Joseph von Eichendorff einmal in folgende Verse gekleidet:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.

Für viele Wanderer, wenn sie wieder nachhause gereist sind und an Trippstadt zurückdenken, wird gewiss der Name Amseldell ein solches Zauberwort sein.
Die ganze süße Schwermut lang schon vergangener Ereignisse umwittert diese abgelegene Garteneinsamkeit und dem Besucher, der auf seiner Wanderung wegmüde in diese Stille eintritt, wird alsbald dieses wundersame Gefühl zu spüren bekommen. Ja, es liegt noch Heute ein unbeschworener Zauber über dieser alten Gartenanlage. Hier wo einst Kavaliere und adlige Damen umherspazierten unter festlichen Lampions ihren galanten Schäferspielen nachgingen, kichernd durch den Irrgarten aus Buchsbaum rannten, scheint die Zeit still zu stehen und der Besucher fühlt sich sehr schnell in eine andere Zeitepoche versetzt.

Jetzt im Herbst ertönt hier oft der Ruf des Schwarzspechts und durch die mächtigen alten Bäume funkelt manchmal das bunte Gefieder des Eichelhähers. Die wunderschöne Eibe gleich am Eingang zur alten Gartenanlage schmückt nun ihre Nadeln mit roten Früchten und die klare Waldluft mischt sich manchmal mit dem Geruch reifer Pilze und feuchter Moose. Dieses Kleinod im Trippstadter Wald ist ein wahrer Ort der Besinnung und der Meditation.

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