Freitag, 21. September 2012

Frühherbst im Pfälzerwald - von Hans Wagner



Mit seiner wunderschönen Farbenpracht, ist für viele Wanderer der Herbst jene Jahreszeit, zu der sie am liebsten durch die Wälder streifen. Bereits Anfang September kehrt mit dem „Altweibersommer“ eine besondere Stille und Stimmung in die Trippstadter Wälder ein. Noch einmal schöpft die Natur nun aus dem Vollen, neben den Baumfrüchten sprießen die Pilze und die Beerenfrüchte.

Es ist die Zeit, wo die Zugvögel unruhig werden und eifrig ihr Gefieder putzen, denn bald beginnt ihre Reise in den Süden. Die Schwalben sammeln sich auf den Hausdächern und an den Abenden hört man manchmal das Geschnatter der Wildgänse.

Der Pfälzerwald zeigt sich nun in seiner vollen Farbenpracht. Die Laubbäume leuchten in sämtlichen Herbstfarben, so dass der Wanderer sich nicht zu wundern braucht, wenn er plötzlich bemerkt, dass er mit den Augen des Landschaftsmalers schauen kann. Auf seinem Weg durch den bunt schillernden Herbstwald erlebt er in den Wäldern um Trippstadt eine ursprüngliche Landschaft, wie man sie heute nur noch selten findet. Ausgedehnte Laubwälder sorgen für frische, sauerstoffreiche Luft und ein gesundes Klima. In den Wäldern hören wir jetzt oft den Ruf des Grün- und Schwarzspechts und in den Eichbäumen funkelt immer wieder das bunte Gefieder des Eichelhähers, der hier eifrig seinen Wintervorrat an Eicheln sammelt und somit auch zum Gärtner wird, denn nicht alle Eicheln die er versteckt, findet er auch wieder.

Es ist die Zeit vor dem großen Blätterfall. Bevor ein Baum seine Blätter fallen lässt, versucht er noch, möglichst viele Nährverbindungen herauszuziehen. Diese wertvollen Stoffe sind an das Blattgrün gekoppelt, und je mehr das Grün schwindet, desto stärker treten andere Farbstoffe in Erscheinung: das Blatt wird gelb, rot, orange, und schließlich braun. Am schönsten wohl leuchtet der Ahorn im Herbst. Aber auch die Lärche, der einzige Nadelbaum der seine Nadeln abwirft, erscheint in ihrem Herbstkleide wunderschön.

Es scheint, als würde die Lärche den Wald aufheitern. Sie begnügt sich nicht mit einem gleichfarbigen Nadelkleid, sie wechselt im Laufe des Jahres ihre Farben. Im Frühling leuchten die zartgrünen Nadeln oft am Rande dunkler Fichtenwälder. Noch bevor sie einen satten Ton annehmen, schmücken gelbe und purpurrote Blüten die Zweige. Wie kleine Lichtlein sitzen sie im zarten Nadelschleier. Jetzt im Frühherbst sind die Nadeln wie in goldgelbe Farbe getaucht. 
Zeichnung/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner
Vom Haselnussstrauch fallen nun die braunen Nüsse und der Volksmund will wissen, dass einem nussreichen Jahr ein harter Winter folgen soll. Der Haselnussstrauch hat schon große Zeiten hinter sich. Einst hatte er fast ganz Deutschland bedeckt. Das war vor rund 8000 Jahren. Es herrschten damals optimale Lebensbedingungen für diesen Strauch. Als sich unser Planet vor 7500 Jahren eine Klimaveränderung leistete, kam dann die Zeit der großen Laubbäume.

Allen voran die Buchen und Eichen, die ebenfalls im Herbst ihren eigenen Farbenzauber besitzen. 

Der Herbst ist eine Zeit der Stille, der Meditation und der Einkehr. Aber er ist auch die Zeit des Abschiedsnehmens. Abschiednehmen müssen wir immer wieder im Leben und Hermann Hesse hat dies, in einem Vers, so ausgedrückt:

„An jedem Tage gibt’s ein Abschiednehmen;
Und irgendetwas, das uns angehört;
Wird jeden Augenblick für uns zerstört
Und wandelt hin zu den vergessenen Schemen…