Samstag, 26. Mai 2012

Eine Glockenblumenwanderung durch Trippstadt von Hans Wagner


Sind es persönliche Erlebnisse oder seltene Zufälle, die uns Menschen mit dem Reich der Blumen verbinden? Sind es ihre Formen, Farben und Düfte, die viele von uns jeden Sommer wieder in ihren Bann ziehen? Wie der Nachtwanderer vom Sternenmeer magisch sich angezogen fühlt, so fühlt sich der naturbezogene Wanderer vom Blumenmeer angezogen. Es hat einen tieferen Sinn, dass der Mensch sich zwischen Blumen und Gestirne gestellt fühlt. Sprechen wir nicht von „Blumensternen“ und „Sternenblumen“?


Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Blumen und Sternen scheint etwas Unfassbares, etwas Numinoses inne zu wohnen. Warum sonst auch sollte die Antike ihre wichtigsten Blumen den Göttern zugeordnet haben?

„Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, sagte er zu sich selbst; fernab liegt mir alle Habsucht; aber die blaue Blume sehn’ ich mich zu erblicken. Sie liegt mir unaufhörlich im Sinn, und ich kann nichts anderes dichten und denken. So ist mir noch nie zumute gewesen.....“ lesen wir im „Heinrich von Ofterdingen“ des Novalis.
Gewiss, Novalis hat mit diesem Bekenntnis auf jenes Verlangen der dichterischen Phantasie hingedeutet, jenseits aller Blumen die gewisse Blume zu suchen, nämlich jenes Absolute für das es viele Namen gibt. Dennoch, auf eine gewöhnliche Sprache herabgesetzt, könnte diese Blume auch die Glockenblume sein.
Eine Verwandtschaft zu diesen Blumen scheint auf jeden Fall vorhanden zu sein. Sie bestätigt sich uns, wenn wir die Mythen, Märchen und Legenden befragen, in denen uns die Glockenblume immer wieder begegnet.
Auch in der Naturheilkunde wurde und wird die Glockenblume verwendet.
Doch vor allem ist sie im Märchen und in der menschlichen Phantasie beheimatet. Mit ihren blauvioletten Blüten erscheint sie uns vor allem an ihren Waldstandorten besonders geheimnisvoll.
Es heißt, wer die Blumenseele zum Sprechen bringt, wird ihre Botschaft erfahren. Es ist nicht jedem gegeben, die Seele der Blumen zu verstehen. Um ihre Stimme zu verstehen, bedarf es einer besonderen Atmosphäre, ein sich Hineinfühlen in das Wesen der Pflanze selbst. Worüber schon Goethe in seinen Metamorphosen bestens zu berichten wusste:
 „Jede Blume, sie spricht lauter und lauter mit dir. Aber entzifferst du hier der Göttin heilige Lettern......“

Immer wurden Blumen mit etwas Seelenhaftem in Verbindung gebracht. Als „festgewachsene Schmetterlinge“ hat sie der Dichter Friedrich Schnack bezeichnet:
„Sind nicht auch Blüten Schmetterlinge – nicht abgelöste, an ihrem Ursprung haftende Falter? Wie der Schmetterling seiner braunen Puppe entkeimt, wenn die Stunde seines Erwachens gekommen ist, und seine vier Flügelblätter entbreitet, so entringt sich die Blüte ihrer walzenförmigen Knospe, entfaltet sich, wächst gleich den neugeborenen Falterschwingen zur endgültigen Gestalt und flattert an ihrem Zweig im Wind. Die Blume der Erde und die Blume der Luft sammeln auf ihren Blättern und Schwingen den Zauberstrahl des Lichtes, das farbenverwandelte Feuer des himmlischen Gestirns.“

Es scheint als habe der Dichter vor einer Glockenblume gestanden, als sich diese Zeilen in ihm bildeten. Es gibt gewiss einen tiefen Zusammenhang zwischen den Metamorphosen der Blumen und der des naturbezogenen Menschen.

Die Schönheit unserer heimischen Wildblumen, vor allem der mystischen Glockenblumen aus einem universellen Zusammenhang zu betrachten, kann der Sinn einer „Glockenblumenwanderung“ durch die Trippstadter Natur sein.
Der naturbegeisterte Spaziergänger wird hier allen unseren heimischen Glockenblumenarten begegnen. Wohl wird er nicht der lanzettblättrigen Glockenblume begegnen, die es weltweit nur im Pfälzerwald und im Taunus gibt und die mit zwei Standorten in der Gemarkung Trippstadt vertreten ist. Doch ihren Geschwistern wird er überall in Trippstadts Umgebung begegnen.

Montag, 21. Mai 2012

Internationaler Museumstag 2012 Veranstaltung im Eisenhüttenmuseum Trippstadt war ein voller Erfolg


Viele Besucher – Familien, Urlauber und heimatgeschichtlich Interessierte – kamen am Sonntag, 20. Mai 2012 zwischen 14.00 und 17.00 Uhr ins Eisenhüttenmuseum Trippstadt.



Sie schauten Marc Bernhart beim Schmieden zu und erlebten, wie schweißtreibend das Schmiedehandwerk ist. Ein besonderes Highlight war das Anfertigen von Holzschindeln, mit denen viele Häuser im Pfälzerwald verkleidet sind. Friedel Haas vom Heimatmuseum Heltersberg zeigte das Alte Handwerk im Hof des Museums auf einer originalen Schindelbank.
Weitere Waldberufe konnten die Besucher auch in der Sonderausstellung von Hans Wagner sehen. Sie konnten auch einen Blick in die Scheune Huber werfen, wo neue Mitmachangebote wie Korbflechten, Besenbinden, Holzschnitzen für Gruppen angeboten werden.
Vielen Dank an alle Mitwirkenden: Friedel Haas, Marc Bernhart und Hans Wagner
Stephan Marx
Leiter Tourist Information






Fotos Stephan Marx

Samstag, 12. Mai 2012

Internationaler Museumstag, 20. Mai 2012 - Motto: „Welt im Wandel – Museen im Wandel“

Von Hans Wagner und Stephan Marx



Das Eisenhüttenmuseum Trippstadt beteiligt sich auch in diesem Jahr wieder an dieser internationalen Veranstaltungsreihe. Im Rahmen eines Tages der offenen Tür wollen wir das Museum mit Leben füllen. Berufe wie Schmied, Schindelmacher oder Köhler haben in Trippstadt eine sehr alte Tradition.
In der Schmiede Huber wird Marc Bernhart das Schmiedefeuer entfachen und unter dem Schmiedehammer Handwerkskunst präsentieren.
Im Museum ist – neben der Dauerausstellung über die Trippstadter Eisenwerke – auch die von Hans Wagner konzipierte Sonderausstellung „Alte Waldberufe“ zu besichtigen. Hans Wagner wird anwesend sein und steht den Museumsbesuchern bei Fragen zur Verfügung. Im Museumshof wird ein Schindelmacher auf einer alten Schindelbank in traditioneller Art Holzschindeln spalten und bearbeiten.
„Museum im Wandel“ – Ein Museum ist nicht nur ein Ort des Bewahrens sondern auch ein Ort des Austauschs. In den handwerklichen Produkten Eisen, Holzschindeln und Holzkohle sind menschliche Arbeit und der Umgang mit der Natur sowie die Beziehungen zwischen den Menschen ablesbar. Sie sind also sinnliche Dokumente für Lebensverhältnisse, die früher bestanden haben und jetzt nicht mehr so existieren. Über diese Thematik berichtet ausführlich eine kleine Schrift- und Bilddokumentation über Köhlerei, die in der Museumsscheune zu besichtigen sein wird.

Das Eisenhüttenmuseum ist zum Internationalen Museumstag am 20. Mai 2012 in der Zeit von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Eisenhüttenmuseum Trippstadt
Hauptstraße 26, 67705 Trippstadt
Telefon: 0 63 06 – 3 41
E-Mail: info@trippstadt.de

Montag, 7. Mai 2012

Ein Maispaziergang - von Hans Wagner


Vom Sängerhain zum Candidusbrunnen
Einen Ort der Ruhe und meditativen Besinnung findet der Wanderer bei einer Rast im grünen Sängerhain in Trippstadt. Im Ort gelegen, strahlt der Sängerhain im Mai eine romantische Abgeschiedenheit aus. Der wunderschöne Naturspielplatz lädt auch Familien mit Kindern zum Verweilen ein.
Unter den großen mächtigen Baumkronen sitzend, erwartet uns hier am frühen Morgen ein jubilierendes Vogelkonzert, eine herrliche Sinfonie, der alten Mutter Erde. Jene, die es vorziehen in der frischen  und klaren Morgenluft zu wandern, werden hier im Morgendämmern zu Zeugen eines wunderschönen kosmischen Schauspiels. Begleitet vom Ruf des Kuckucks, können wir von hier aus sehr deutlich das Heraufdämmern der Sommersterne beobachten. Schaut man hoch in den Westhimmel, können wir gerade noch die letzten Wintersterne versinken sehen. Sirius, der geheimnisvolle Stern der alten Ägypter, ist schon verschwunden. Vom unruhigen Himmelsjäger Orion erkennt man gerade noch den linken oberen Schulterstern, Beteigeuze. Zwischen den Zwillingen und dem Löwen steht nun der Krebs und bereitet sich darauf vor, den Sommer in seine Zangen zu nehmen. Dem Wanderer erscheinen von hier aus die unendlichen Räume des Kosmos als Licht und Lampe eines in sich vollendeten Erdentages und vielleicht ziehen die Verse Schillers durch seine Gedanken: „Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“

In den Städten rauscht nun schon der Motor der Welt, doch hier im abgelegenen Haine herrscht Stille. Vom Sängerhain bricht der Wanderer nun zu einem weiteren verwunschenen Platz auf.

Ein Blick auf die Wanderkarte zeigt dem kundigen Waldgänger, dass er von hier aus gemütlich in einer halben Stunde den Candidus Brunnen erreichen kann. Einige erhabene, mächtige Altbäume, aber auch verwunschene knorrige Baumgestalten, werden ihm auf seinem Weg begegnen; da ragen Wurzelwerk und sonderlich geformte Äste in die Lüfte. Da breitet sich am Wegrand der Buchenwald mit seinem toten Laub auf neues Leben vor, wie ein Teppich wachsen in ihm die weißen Buschwindröschen. Überall wird Bewegung, urtümliches Geschehen sichtbar, überall riecht, spürt und sieht man den Mai. In diesen Zeichen der Natur kann der kundige Waldgänger die Buchstaben eines Schöpfungsalphabetes erkennen, das in seiner Weise das Lob der Natur preist.
Zeichnung Ute Knieriemen-Wagner
 Der Candidus Brunnen unter mächtigen Eichen und Buchen gelegen, die gerade ihr erstes zartes Grün angelegt haben, scheint im Mai besonders viel Wasser aus der tiefen dunklen Walderde herauszupressen. Wer sich hier auf der wuchtigen Waldbank niederlässt, muss nicht lange sitzen, bis er den „Zimmermann des Waldes“ vernimmt. Bald dringt ein lautes Trommeln aus dem Wald. Dann ist deutlich ein schallendes „Kliöh“ zu vernehmen. Der krähengroße Schwarzspecht markiert gerade akustisch sein Revier. Die Spechthöhle ist schon seit Anfang April fertig. Mehr als zwei Wochen lang zimmerte er an seiner Eigentumswohnung und ließ dabei 10 000 Späne fliegen. Allein siebzehn Hiebe sind nötig, um einen Span zu entfernen. Die Jungen sind schon da und werden in den nächsten Wochen bis zu 225 000 Insekten und Waldschädlinge vertilgen.

Verschieden Bäume tragen hier Bärte – Bartflechten, ein Zeichen, dass dieser Platz mit der Luft noch im reinen ist. Werden diese Flechten allerdings zu stark, dann befindet sich der Baum leider auf dem „absteigenden Ast“, den die Flechten reagieren panisch auf den verschmutzten Atem der menschlichen Zivilisation.
Vom Candidus Brunnen aus führt uns der große Weg Richtung Aschbacherhof an einen Idyllisch gelegenen Waldweiher. Wie ein großes dunkles Auge der Erde scheint er in den Himmel zu starren.

Henry David Thoreau schrieb einmal:
„Ein See ist der schönste und ausdruckvollste Zug einer Landschaft. Wer hineinblickt, ermisst an ihm die Tiefe seiner eigenen Natur“. Der Wanderer wird ihm an diesem Ort zustimmen.

Ein kleines Holzschild mit der Aufschrift „Felsenbrunnen“ weist in eine dunkle verwucherte Waldschlucht. Ein verwachsener Pfad führt den Wanderer zum vielleicht geheimnisvollsten Brunnen in der Umgebung Trippstadts. Genau in der Mitte eines kleinen Berggipfels gelegen, strahlt dieser felsige Brunnen etwas Mystisches aus. Nur rüstige Wanderer sollten den Weg hierherauf antreten. Für den etwas mühseligen Aufstieg werden sie vom leisen Plätschern des Felsenbrunnens reichlich belohnt werden. Eine kleine Bank in den Fels eingelassen, lädt auch hier zur kurzen Rast ein. Wenig Licht dringt hierher und nur wenige „lichtscheue Gesellen“ der Pflanzenwelt haben sich hier angesiedelt. Moose, Flechten und Sauerklee fühlen sich in dieser „Dunkelkammer“ des Waldes besonders wohl. Verschiede Meisen und den Zaunkönig kann man hier beobachten. Das Gurren der selten gewordenen Hohltaube ist hier auch noch zu hören. Diese bedrohte Taubenart brütet bevorzugt in verlassenen Schwarzspecht Höhlen. Dass ihre Art selten geworden ist, hängt mit dem Rückzug des Schwarzspechtes zusammen.

Wenn der Wanderer den Felsenbrunnen verlässt, dem kleinen Pfad folgend auf dem Berggipfel angekommen ist, läuft er wieder Richtung Candidusbrunnen, der nun allerdings linksseitig von ihm ist, zurück. Der kleine Pfad dem er nun folgt wird ihn sicher zu einem großen Rundweg führen, der wieder nach Trippstadt zurückführt. Mit einer guten Wanderkarte, die man in der Tourist Information von Trippstadt erwerben kann, kann sich auch der in dieser Gegend unkundige Wanderer schwerlich verlaufen.