Dienstag, 13. März 2012

Alte Waldberufe - Der Harzbrenner - von Hans Wagner

Seit Urzeiten galt Baumharz als begehrtes Handelsobjekt. Schon 4000 v.Z. balsamierten die Ägypter ihre Mumien damit ein, und in der Antike musste es sogar als Zahnersatz herhalten.

In unseren heimischen Wäldern ist die Kiefer der ergiebigste Harzlieferant. Dieses Baumharz wurde in den sogenannten „Harzöfen“ oder „Pechhütten“ gewonnen. Heute erinnern noch viele Flurnamen an dieses alte Handwerk. In einer Grube wurden Kiefernstämme, ähnlich wie bei der Holzkohlegewinnung im Kohlenmeiler, aufgeschichtet und gebrannt. Solche „Pechmeiler“ fand man im Pfälzerwald sehr oft vor.
Erst gegen Ende des 17.Jahrhunderts trat eine einfachere Methode der Harzgewinnung an die Stelle der Harzöfen. Man begann damit das Harz direkt vom Baum abzuzapfen. Die Harzöfen und Pechmeiler verschwanden und übrig blieben Flurnamen wie „Harzofen“.
Professor Ernst Christmann hat in seinem volkskundlichen Werk „Die Siedlungsnamen der Pfalz“ 46 Flurnamen, die sich auf die Harzbrennerei beziehen, in der Pfalz nachgewiesen. Neben der Kiefer war es die Fichte, damals auch Pechbaum genannt, die zu den begehrten Harzbäumen gehörte. Das Harz der „Pechtanne“ wurde als gelbes oder weißes Pech bezeichnet.

In den Harzöfen wurde das Baumharz weiterverarbeitet mit Dampf destilliert zu Terpentinölen und nichtflüssigem Harz (Kolophonium), das beispielweise zur Herstellung von Lacken, Firnissen, Papierleim und Wagenschmiere diente. Gekochter Fichtenharz war lange Zeit ein begehrtes Mittel zum auspichen der Bierfässer (Fasspech). In alter Zeit gab es in Kaiserslautern eine Menge Brauereien und der Bedarf an Fasspech war recht groß.

So genannte „Harzkrämer“, zogen durch die Gegend und verkauften ihre Erzeugnisse an Bauern, die das begehrte Pech für ihre Fuhrwerke benötigten. Der Ruf „Wägenschmier“ war in alter Zeit ein bekannter Ruf in den Dörfern. Horst Seelbach schreibt in der Broschüre Natur und Kultur: „Noch um die Mitte des 19.Jahrhunderts kam der „Harzhannes“ aus dem Holzland (Pfälzerwald) mit seinem Esel dem Harzesel, an dem links und rechts ein Fässchen hing, und bot seine Ware feil. Es ist glaubhaft überliefert, dass Wattenheimer geradezu einen „Welthandel“ betrieben und nach Überlieferung der Familie Bügler auf ihrer „Karschmierdur“ sogar bis nach St.Petersburg kamen“.
Auf Erzhütten im Reichswald bei Kaiserslautern gingen Harzbrenner bis Ende des 19.Jahrhunderts ihrem Gewerbe nach.

In der Broschüre „Der Stadtwald Kaiserslautern“, lesen wir: „1581 verfügt Pfalzgraf Johann Casimir, dass im Reichswald keine geraden Kiefern mehr zu Kienbäumen abgehauen werden dürfen, dafür solle den Bürgern die Stöcke überlassen werden“. In einem Stadtratsprotokoll von 1737 aus Kaiserslautern hören wir von der Versteigerung von zwei städtischen Harz- und Rußhütten, die Kaspar Roche für 18 bzw. 28 Gulden pachtete. In der folgenden Zeit gab das Harzen oft Anlass zur Klage. Deshalb übernahm die Stadt Lautern 1781 das Harzernten in Eigenregie; der Posthalter Didier übernahm die gesamte Ausbeute zum Preis von 4 Gulden 14 Kreuzer für das Fass Harz.
Im Reichswald war im 18.Jahrundert ebenfalls eine Harzhütte im Betrieb. Sie stand am „Harzhübel“ der heute zum Stadtgebiet gehört. Der städtische Harzofen, nach dem heute eine Annexe benannt ist, bestand bis 1875.
Die Geschichte dieser Harzöfen hat der Kaiserslauterer Heimatforscher H. Friedel in seinem Buch „Kaiserslautern einst und jetzt“, geschildert.


Literatur Hinweise:
- Erich Bauer und Volker Christmann „Der Stadtwald Kaiserslautern“
- Helmut Seebach „ Alte Waldberufe in Natur und Kultur“

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