Freitag, 6. Januar 2012

Alte Waldberufe - Der Pottaschbrenner von Hans Wagner

In alter Zeit war es fast allein der Wald der die elementaren Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen vermochte. Eine große Anzahl von Waldberufen gab es in früherer Zeit: Holzhauer, Köhler, Schindelmacher, Holzknechte, Besenbinder, Harz- und Pottaschbrenner, um nur einige zu nennen.
Bis ins 19. Jahrhundert hinein war die Pottasche ein unentbehrlicher Rohstoff für die verschiedensten Gewerbe. Flurnamen wie Eschebel- Loch, Pottaschäcker und Pottaschweiher zeugen noch heute von diesem alten Handwerk. Der Pottaschbrenner oder Pottaschsieder war unter anderem ein Zulieferer der Glashütten und Seifensiedereien.

Roland Paul berichtet in „von alten Berufen im Pfälzerwald“…und noch zu Beginn des 19.Jahrhunderts spielte die Pottasche als Handelsgut im Raum Kaiserslautern eine beachtliche Rolle“.

Zeichnung Ute Knieriemen-Wagner



Pottasche ist ein grauweißes alkalisches Salz, das aus der Holzasche ausgelaugt wird. Dabei werden die Kalisalze und etwas Kieselsäure gelöst. Durch Abdampfen und Glühen gewinnt man eine Salzmasse, die sogenannte Pottasche. Besonders begehrt war die Buchenpottasche. Die Asche wurde in großen Kesseln, sogenannten „Pötten“, gewonnen. Daher der Name Pottasche. Neben der Glas und Seifenherstellung, benötigte man Pottasche zur Herstellung von Farben aber auch die Bleicher, Garnkocher, Salpetersieder, Schmelzer und Gerber brauchten sie. Das Tuchgewerbe benötigte sie zum Waschen der Wolle. Schon im Mittelalter besaß die Stadt Kaiserslautern ein sehr bedeutendes Tuchgewerbe, das sich schließlich im 18. und 19. Jahrhundert zu einer Industrie entwickelte. Es ist daher also nicht verwunderlich, dass das Pottaschenbrennergewerbe in Kaiserslautern und den umliegenden Walddörfern recht gut florierte.
Erich Bauer und Volker Christmann berichten uns in der Broschüre „der Stadtwald Kaiserslautern“: “…noch im Jahr 1849 zählte man in der Rheinprovinz 229 Pottaschesiedereien. Auch in den Kaiserslauterern Ratsprotokollen lesen wir des öfteren von diesem Gewerbe. So bittet 1657 der Hagenauer Bürger Lorenz Rosenzweig, ein Pottasche und Harzbrenner, ihn in Lautern wohnen zu lassen, um hier sein Gewerbe ausüben zu dürfen. Im Jahr 1707 beklagen sich die Lauterer Bürger darüber, dass der Oberförster den Pottaschbrennern erlaubt habe, „ganze Walddistrikte abzuhauen“.

1774 hatte der Bürger Compter die Pottaschbrennerei im Stadtwald gepachtet. Für jeden Zentner hergestellte Pottasche musste er 1Gulden 20Kreuzer bezahlen. Bei der Abrechnung ergaben sich Differenzen. Der Brenner gab 40 Zentner, der Forstmeister aber über 80 Zentner an. 1780 wurden mehrere Einwohner angezeigt, weil sie im Stadt- Stifts- und Reichswald ohne Erlaubnis Asche gebrannt hatten. Sie wurden zu Turm und Geldstrafen verurteilt. Kurfürst Johann Wilhelm klagte 1711, dass durch „das Aschen- Brennen in denen Wäldern durch die Pottaschensieder nicht geringer Schaden geschiehet, in dem dadurch…viele gesunde, meistens aber unten am Stamm faul beschädigte Buchen, Mastbäume durch dieses lose Gesindel angesteckt und verbrannt, ja öfters ganze Revieren durch das Feuer verderbet werden…“. Er erließ ein Gesetz zur besseren Kontrolle der Pottaschbrennerein.

Viele Haushalte in denen „Buchenes“ im Ofen gebrannt wurde, stellten ihre eigene Pottasche her. Zu Zeiten unserer Urgroßmütter war der sogenannte „Laugenständer“ ebenso unentbehrlich wie das Schuheisen, der Milchtopf oder das mit glühender Kohle gefüllte Bügeleisen. Dieses hölzerne Gefäß diente dazu die am Herd abfallende Asche als Waschmittel zu sammeln. Für die einfachste Art, diese Waschlauge zuzubereiten, übergoss man die gesamte Asche mit lauwarmen Wasser und rührte es immer wieder fleißig um. Nach einigen Stunden siebte man die überstehende Flüssigkeit durch ein Tuch und schon hatte man ein Wasch und Scheuermittel.
Ein interessantes Zeitzeugnis zur Pottaschbrennerei hinterließ uns der Pfälzer Heimatforscher Lukas Grünenwald aus dem pfälzischen Dembach. In seinen Jugenderinnerungen berichtet er:
„Diese Pottaschhütten waren, kleine viereckige Steinhäuser mit einer Stube und Küche und Holzlage darüber. In der Küchenecke stand ein großer, runder Eisenkessel im gemauerten Herd zum Pottaschsieden und ein Kamin stieg von da über das Satteldach empor. In den drei Wänden dem Eingange gegenüber, waren kleine Fenster. Die nötige Holzasche wurde in allen Dörfern weithin gekauft und in Säcken auf Handkarren und Wagen auf den damals noch schlechten Strassen oft mühsam heimgebracht. In der Hütte wurde sie zuerst zuerst kalt beigesetzt d.h. in grauen Weidenkörben, die innen mit Leinwand ausgeschlagen waren und über Laugebütten standen, mit Bachwasser übergossen und durchsickert, bis sie ganz ausgelaugt war. Die Mutterlauge wurde dann im Herde so lange gesotten, bis nur noch die weiße, kostbare Pottasche übriglieb, die dann um teuren Preis an Glashütten verkauft wurde.“

Literaturhinweise:
Helmut Seebach- Altes Handwerk und Gewerbe in der Pfalz (Quelle:Wikipedia).
Erich Bauer und Volker Christmann – Der Stadtwald Kaiserslautern.
Roland Paul: Von alten Berufen im Pfälzerwald- in Der Pfälzerwald- Porträt einer Landschaft.

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