Montag, 10. Dezember 2012

Romantische Waldweihnacht am 15. und 16.12.2012

Alle Jahre wieder.... veranstaltet Landesforsten Rheinland-Pfalz/das Haus der Nachhaltigkeit an zwei Tagen einen an ökologischen Kriterien orientierten Adventsmarkt, im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Mehr als 50 Anbieter aus der Pfalz empfangen die Besucher bei der Romantischen Waldweihnacht  in einer gemütlichen Waldatmosphäre in Johanniskreuz. Es warten wieder viele Künstler mit einem breiten Angebot an Kunsthandwerk aus Holz, Glas, Metall und Wolle auf die Besucher. Daneben gibt es die besonderen Schlemmereien aus dem Wald, von den Wiesen und aus Bächen und Teichen des Pfälzerwaldes. Wildgerichte und Köstliches von Ziegen, Schafen, Rind und Forelle. Weihnachtsgebäck, Pralinen, Früchtebrot, Schokolade und Waffeln schmecken danach als süßer Kontrast zu Herzhaftem.


Foto Haus der Nachhaltigkeit Johanniskreuz
 Den Flyer zur Waldweihnacht mit allen Anbietern und weitere Informationen erhalten Sie direkt beim Haus der Nachhaltigkeit!

Fotos der Romantischen Waldweihnacht vom letzten Jahr finden Sie hier!

  

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Über das pfälzische Märchen - von Hans Wagner



"Wenn in einer klaren Mondnacht die Wolken ziehen und abwechselnd Licht und Schatten auf das Land fällt, scheint die alte Riesenwelt der Sage neu entstanden."
So schrieb im Jahre 1857 August Becker in "Die Pfalz und die Pfälzer."

Wer das Reich des Märchens und der Sage betritt, hält Einkehr ins Land des Wunderbaren. Auf den ersten Blick scheint es, als begegne man einer Welt des traumhaften und der Unwirklichkeiten, doch ist jenes Reich des Märchens und der Sage nicht nur folkloristische Erzählung, sondern durch jahrhundertelange mündliche Überlieferung, auch unmittelbare Erfahrung der Menschen einer Region.
In alter Zeit versuchten die Menschen über die Märchen und Sagen ihre Umgebung zu deuten, sie zu benennen, ja sie zu erforschen und zu verstehen. Da das einfache Volk des Schreibens nicht kundig war, blieb ihm zur Aufbewahrung von Geschichte nur die mündliche Überlieferung. Durch psychologische, phantastische, historische und soziale Einflüsse entstanden im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden die Märchen und Sagen der Menschheit. Durch neue Ereignisse, durch Vermischung mit fremden Mythen kennen wir sie in ihrem jetzigen Gewand. 1893 bereits kannte man 344 Versionen des „Rotkäppchen“ Stoffes. Die Märchenforschung stellt seit jeher die Frage nach einer „Urform“ des Märchens, doch was man findet, sind letztendlich nur "Vorformen", die sich in unsere Zeit hinüber gerettet haben. Die Grundmuster des Volksmärchens sind auf der ganzen Welt so ziemlich die gleichen. Für die Gebrüder Grimm war das europäische Sagen- und Märchengut tief verankert im germanischen Glauben, sie sahen in ihm ein Zersetzungsprodukt der altgermanischen Mythen.
Im pfälzischen Märchen finden sich viele Einzelheiten die der keltischen Sagenwelt entnommen sind. So etwa der Bezug zu Bäumen und Höhlen oder das Schwert, der Hirtenstab und vieles mehr.
Die Pfalz ist sehr Burgenreich und etwa um das zehnte Jahrhundert begann die große Zeit der umherziehenden Sänger, Spielleute und Possenreißer. Im zwölften Jahrhundert hatte der Ritterroman seine Blütezeit, aus ihm wiederum flossen Teile in die bereits vorhandenen Märchen der verschiedenen Regionen. In den abgelegenen Burgen und Schlössern des Pfälzerwaldes waren fahrende Sänger und Märchenerzähler eine stets willkommene Abwechslung. Mit ihnen erhielt auch das pfälzische Märchen seine heutige Form. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass jedes Märchen einen wahren Geschichtskern enthält. Vor allem das pfälzische Märchen, in dem Sage und Märchen oftmals ineinander fließen. Das "Urmärchen" beruht also auf einer tatsächlichen Begebenheit und es wurden immer wieder neue Handlungen hineingedichtet.
Ohne in Gefahr zu laufen sich in äußerste Abstraktionen zu verirren, dürfte es auch als erwiesen gelten, dass viele Märchen ihren Ursprung in den frühen ackerbauenden Gesellschaften haben, also bis ins Neolithikum reichen. Vor allem jene Überlieferungen bei denen es um weiße Frauen und Hexen geht.
Wohl werden mit jeder neuen Geschichtsepoche, ja mit jeder neuen Generation, dem jeweiligen Märchen neue Inhalte mitgegeben. Das Märchen, wie wir es heute kennen, ist nicht nur die Erzählung eines einzelnen Volksstammes, in Märchen und Sagen sammeln sich regelrecht Geschichten der Geschichte an.
Märchen und Sagen einer Landschaft sind Teil der Heimat und Volkskunde einer Landschaft. Sie sind die „Kinder“ dieser Landschaft. Heinrich Zimmer schrieb einmal: „…sei es in den großen Epen eines Homer oder Vyäsa oder in den entzückenden kleinen Geschichten der Volksmärchen. Sie sind die ewigen Orakel des Lebens. In jedem Zeitalter müssen sie neu befragt, neu um Rat gebeten werden“.

Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner


Die Märchen und Sagen einer Landschaft sind die Stimme dieser Landschaft. Sie berichten uns von Bergen, Steinen, Quellen, Burgen, Bäumen und Höhlen die sich in ihr befinden. Wenn wir uns heute nach Unterhaltung sehnen, genügt ein Mausklick um in irgendein Computerspiel einzusteigen. Nichts gegen diese moderne Technologie die zweifelsohne eine Errungenschaft ist, wenn man mit ihr umgehen kann, sie gehört schließlich in diese Welt. Doch die Geschichte, also die Märchen und Sagen einer Landschaft gehören ebenso in unsere Welt. Das virtuose und nicht überschaubare Reich des Internets ist zweifelsohne die wichtigste Erfindung des 21. Jahrhunderts und wir müssen unsere Kinder sorgfältig hineinführen, doch sie dürfen die Gaben die uns unsere lebendige Erde täglich schenkt darüber nicht vergessen. Dazu gehören die Märchen und Sagen der Landschaft in der wir leben. Diese gehören zu unserer Heimatgeschichte. Gerade durch das Märchen und die Sage, die an einen bestimmten Landstrich gebunden sind wird uns klar, dass Heimatkunde keine Einzelwissenschaft ist, denn sie berührt durch die Erfassung der Beziehungen des Menschen zu seinem Lebensraum fast alle Wissensgebiete. Und weil sie auf einen Wirklichkeitsausschnitt gerichtet ist zieht sie eine Fülle von Einzelwissenschaften an sich. Erwähnen braucht man nur die Geologie, die Biologie und die Sozialkunde. Die Heimatkunde ist vielleicht die letzte Wissenschaft in der ähnlich wie in der praktischen Philosophie noch das Ganze lebt. Es war gewiss kein pädagogisches Glanzstück als man vor vielen Jahren die Heimatkunde als Schulfach verabschiedete.




Trippstadter Märchen
Das Ritterfräulein und der junge Schäfer
Vor langer Zeit lebte auf der Burg Wilenstein ein schönes Burgfräulein. Eines Tages erschien dort der Schäfer vom Aschbacherhof mit seinen Schafen unterhalb der Burg. Er war ein hübscher junger Mann und nach seinen Manieren zu urteilen konnte er nicht immer ein Schäfer gewesen sein. Das junge Fräulein fand eines Tages den Schäfer schlafend bei seiner Herde vor. Als er erwachte und die Jungfrau erblickte, verliebten sich beide ineinander. Von nun an sahen sie sich jeden Tag. Hier im tiefen Pfälzerwald sah ihnen niemand beim Liebesspiele zu. Auf der Burg aber wies die Schöne alle Freier ab, ohne ihrem Vater den wahren Grund zu nennen. Dieser wollte sie mit dem reichen Ritter Siegbert vermählen. Nach dem Verspruchsfest im Herbst ritt der Ritter wieder zu seiner Burg zurück, im nächsten Frühjahr sollte die Hochzeit stattfinden.
Das Fräulein durfte von nun an den Schäfer nicht mehr sehen. Jeden Abend ertönte der Klang der Hirtenflöte vom Tal hoch hinauf auf die Burg, so dass sie es hören konnte. Als es langsam in den Winter hineinging, vertönte auch der Klang der Hirtenflöte. Die Braut suchte nach einem Vorwand, den Geliebten wieder sehen zu dürfen. Sie bat ihren Vater zu dem im Karlstal hausenden mönchischen Klausner zur Beichte gehen zu dürfen. Auf ihrem Gang dorthin schritt sie über die Wiesen, über die sie im Sommer zu zweien geschritten waren, auf der Suche nach dem Geliebten. Sie traf die Herde aber mit einem anderen Schäfer. Von ihm erfuhr sie, dass sein Vorgänger nicht mehr am Leben sei, denn vor Gram sei ihm das Herz gebrochen. Unglücklich lief das Fräulein zum Klausner um bei ihm Trost zu suchen. Dieser hörte ihr zu und weinte mit ihr. Auf dem Heimweg aber ertrank das Fräulein von Flersheim im Mühlenweiher. Der Vater erfuhr nun die ganze Liebesgeschichte seiner Tochter vom Klausner. Er ließ im Tal des Aschbachs eine Kirche erbauen zum Gedächtnis der beiden Liebenden. Tochter und Schäfer wurden in der Kirche zu Aschbach begraben. In einem Stein am Turm ließ er zum Andenken an beide eine Flöte und einen Hirtenstab einmeißeln. Die Kirche am Aschbacherhof ist lang schon zerfallen, doch der Turm steht noch und Hirtenstab und Flöte kann man heute noch dort bewundern. Doch auch im Karlstal bei Trippstadt findet sich bei der alten Höhle des Klausners eine Inschrift auf der wir lesen können:


dies kreitz bekundt vom wilenstein
dem burgherr welgott gnad verleihn
um seines töchterleins fruen tod
hie in der flut auss selennot.
zu aschbach izund gleich im grab
ruth rittersbraut bei hirtenknab.
der klausner wollt es gar verhüten
hätt bass gefruchtet sein fürbitten.
die büsser wandrer gott befehl
gleichsonst all ellendt, pilgersel.


Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner





Des Johannis Kreuz – Eine Sage um Johanniskreuz
Der Ritter Reinhard III. von Hohenecken war nicht nur ein reicher, sondern auch ein sehr mächtiger Mann. Ausgestattet mit dem Titel eines Reichschultheiß verwaltete er die Kaiserburg zu Lautern und die Reichsodien auf dem Trifels. Er besaß das Wegerecht an den wichtigsten Straßen die die damalige Pfalz durchzogen. Da die Zeiten recht unsicher waren und sich allerlei Raubgesindel umhertrieb, traute man sich gerne dem Schutze seines Trosses an und zahlte ohne Murren das Weggeld.
Als mächtiger Mann der er war, wusste er wohl um seine wichtige Stellung und war daher nicht zimperlich, wenn es darum ging etwas durchzusetzen. So ließ er an der Grenze seiner Wälder Steine setzen und sein Wappen hinein meißeln. Dort, wo die alte Hochstraße durch den Pfälzerwald führt und sich mit vielen anderen Wegen kreuzte, wo fremder Besitz an seinen heranreichte, ließ er ein Kreuz errichten mit seinem Wappen darin. Von einem Steinhauer aus Lautern ließ er dieses fertigen und von dort aus den weiten und langen Weg zu jener Stelle bringen die heute Johanniskreuz heißt. Er war selbst dabei als das Kreuz dort errichtet wurde.
Irgendwann kam sein Nachbar Johannes von Willenstein an dem neu errichteten Kreuz vorbei und war sehr verärgert über die Handlung des Ritters Reinhard. Er gab den Auftrag aus dem harten Buntsandstein des Pfälzerwaldes ein noch größeres Kreuz anzufertigen. In der Mitte von diesem Kreuz und auf jedem Querarm ließ er sein Wappen hineinschlagen. Er ließ dieses Kreuz ebenfalls dort anbringen. Die Menschen die an dieser Stelle vorbeikamen, trieben ihren Spott darüber, wenn sie sagten: "Schau des Johanniskreuz"! Mit der Zeit entstanden auf der Waldlichtung kleine Katen, Gehöfte und Rasthäuser und es dauerte nicht lange da nannte man diese kleine Siedlung Johannis Kreuz.

Die Schätze zu Wilenstein
Bei der Burgruine Wilenstein im Karlstal bei Trippstadt zeigt sich manchmal den dort spielenden Kindern eine Schlangenkönigin mit einer wunderschönen gol-denen Krone auf ihrem Haupte. Es heißt, in den unterirdischen verschütteten Gewölben der uralten Burg, steht eine vermoderte Kiste in der wertvolle Schätze aufbewahrt sind.
Ein Hund mit feurig glühenden Augen sitzt auf der Truhe und hält den Schlüssel in seinem Rachen. Ein Knecht vom nahen Willensteinerhof unternahm einmal den Versuch die Schätze zu heben. Aber vor lauter Angst vor der Bestie flüchtete er und betrat die Burgruine nie wieder.
Manchmal lässt sich in Vollmondnächten statt des Hundes auch ein schwarzer Mann in den uralten Ruinen sehen. Die seit vielen Jahrhunderten verschütteten Kellergewölbe sollen auch einen besonders kostbaren Wein bergen, der in seiner eigenen Haut liegt.

Dienstag, 27. November 2012

Tour zum Kennenlernen

Kleine Rundwanderung um Trippstadt
Circa 1,5 Stunden zu laufen, 4 km

Bei dieser kleinen Tour gibt es eine Menge zu sehen: Das Trippstadter Schloss mit dem wunderschönen alten Baumbestand im Schlosspark, die Burg Wilenstein, die Klug'sche Mühle und die Karlstalschlucht, den wohl schönsten Wanderkilometer im Pfälzerwald...... Genießen Sie die kleine Wanderung rund um Trippstadt!

Den Flyer mit genauer Wegebeschreibung und Informationen zu den Sehenswürdigkeiten finden Sie hier!


Freitag, 23. November 2012

Der Wald um Trippstadt im Herbst - einfach wunderschön!

Karlstal im Nebel - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle

Trippstadter Waldlandschaft - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle
Blickerweiher im Herbst - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle

Karlstalschlucht im Herbst - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle

Aschbacherhof im Herbst - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle

Waldstimmung - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle


Oberhammerweiher im Herbst - Foto/Copyrights Michael Raka Weckerle
Alle Fotos/Copyrights Michael Raka Weckerle

Wanderung im Aschbacher Wald - von Stephan Marx



Der Aschbacher Wald bietet zwischen der Brunnenstollenhütte und dem Aschbacherhof eine Menge Überraschendes: Sehenswerte Kleinodien und schöne Wanderpfade. Er eignet sich besonders für eine Wanderung, bei man abschalten und mit sich selbst sein will.

Die hier beschriebene Wanderung ist etwa 15 Kilometer lang und in knapp 4 Stunden schafft man die Tour. Es gibt auch einige Möglichkeiten, die Wanderung abzukürzen. Darauf wird im Text hingewiesen.
Die Wanderung orientiert sich im Groben am Rundwanderweg 1 - bis kurz vor den Aschbacherhof. Der Rückweg über das Bergfeld, den Felsen- und den Candidusbrunnen verlässt dann die Markierung 1 zeitweise.
Wir starten in der Ortsmitte und wandern über die Haupt- und Friedhofstraße zur Brunnenstollenhütte. Alternativ kann man die Wanderung auch an der Brunnenstollenhütte beginnen.

Wir folgen nun ein kurzes Stück dem roten Balken in den Wald hinein und biegen nach einem kurzen Abstieg nach rechts auf einen unmarkierten Weg ein. Rechts dieses Weges ist nach wenigen Schritten der Eingang zum Brunnenstollen erreicht, der bis in die 1960er Jahre zur Wasserversorgung Trippstadts diente und in seiner Art einmalig nördlich der Alpen ist. Im 18. Jahrhundert wurde in Gegenortverfahren ein Tunnel in den Berg gegraben, um einen kleinen Wasserlauf anzuzapfen und das Wasser durch sogenannte Deicheln (ausgehöhlte Baumstämme) in den Ort zu leiten und das neuerbaute Schloss mit Wasser zu versorgen. Der Brunnenstollen ist verschlossen und kann nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden (Infos und Anmeldung bei der Tourist Information Trippstadt).

Weiter auf dem Weg treffen wir an einer Kreuzung auf den mit der 1 markierten Weg. Wir folgen ihm nach links. Einen Abstecher und eine erste Rast wert ist der Osterheldbrunnen. Ein Hinweisschild aus Holz weist den Weg zu dieser gefassten Quelle.

Osterheldbrunnen - Foto Stephan Marx

Der Osterheldbrunnen wird auch Langeck-Brunnen genannt. Er wurde 1927 nach Plänen des damaligen Revierförsters Osterheld gebaut. Das Wasser wurde für den nahe gelegenen Pflanzgarten bei der Langeckhütte benötigt. Diese erreichen wir auf der weiteren Wanderung rechts des Weges.

Seit 2011 erforscht die Universität Kaiserslautern in diesem Gebiet die Ökologie der Baumkronen. Wenn man bedenkt, dass 40% aller landlebenden Tierarten in den hohen Stockwerken der Bäume angewiesen sind, macht ihre Erforschung Sinn. Dazu wurde ein 36 Meter hoher Baumkronen-Beobachtungsturm errichtet, der auf einer Grundfläche von drei mal drei Metern steht und aus unbehandeltem Holz gebaut wurde, damit mögliche Ausdünstungen keine Messergebnisse verfälschen.

Wir trennen uns vom Anblick dieses Bauwerkes und wandern weiter auf dem „Einser Weg“. Über einen schmalen Pfad steigen wir – vorbei an schönen Felsformationen – hinab ins Hirschsprungstal. Dort stoßen wir auf wunderschöne gelegene Weiher, wo Bänke wiederum zu einer Rast einladen. Wir umrunden die Weiher und bleiben der 1 treu in Richtung Aschbacherhof.


Aschbacherhof - Foto Stephan Marx

Sehr bald gelangen wir zu Pferdekoppeln und der Turm der ehemaligen Kirche St. Blasius bietet einen schönen Anblick. Diese Kirche wurde schon 1215 erstmals urkundlich erwähnt. Lediglich der Turm blieb erhalten. In der Reformation wurde sie die erste reformierte Kirche in der Pfalz.

Unser Wanderweg 1 führt uns nun durchs Grumbeertal. Wenn der Kirchturm wieder ins Blickfeld gelangt, müssen sie Acht geben und in einen schmalen Pfad rechter Hand einbiegen, der mit einem grünen Balken markiert ist. Er steigt gemächlich an und oben angekommen lohnt ein Abstecher zum Bergfeld.

Nehmen Sie dazu den Weg links an der Sitzbank vorbei, die Sie an der Stelle sehen, wo der Pfad endet. Gehen Sie weiter bis zu einem Hochstand links neben dem Weg. Dahinter biegen Sie links ein und nach einigen Schritten zweigt rechts ein stark benutzter Pfad ab, der Sie zum Bergfeld führt. Der Anblick der Pferdekoppeln nach der Wanderung durch den Wald ist eine schöne und willkommene Abwechslung. Hier treffen Sie auch wieder auf unsere 1, die als breite Forststraße wieder in den Wald und zurück nach Trippstadt führt. Nun wird es etwas unübersichtlich, aber lohnend. 

Nachdem der Wanderweg grüner Balken von links zu unserem Weg dazu stößt, verlassen Sie diesen breiten Weg und biegen links ab und gleich nach wenigen Schritten rechts ab. An einer Wegespinne, wo sich fünf Wege treffen, nehmen Sie den 2. Weg rechts. Er führt fast gerade aus. Diesen Weg folgen Sie bis in die Nähe des Felsenbrunnens. Hier weist ein Hinweisschild Ihnen den Weg. Diese gefasste Hangschichtquelle bietet wiederum eine schöne Rastmöglichkeit.

Candidusbrunnen - Foto Stephan Marx

Die Wanderung setzen Sie in Richtung Candidusbrunnen fort. Der nun folgende Pfad ist traumhaft schön. Es ist einer meiner Lieblingswege. Der Weg ist mit einer 9 markiert. Am Ende dieses Pfades lohnt der Candidusbrunnen einen kleinen Umweg. Sie erreichen ihn hier über den roten Balken nach links. Der Brunnen hat seinen Namen von Benedikt Candidus, dem letzten Förster des Forsthauses Wittgenberg, das hier in der Nähe stand. Der Brunnen stammt aus dem Jahre 1894.

Der breite Forstweg, der den Hang herauf kommt, ist eine der vorne beschriebenen Abkürzungen. Er kommt aus dem Hirschsprungstal und verbindet die dortigen Weiher mit dem Candidusbrunnen.
An den beiden großen Kreuzungen gehen Sie nun jeweils rechts und bald darauf links. Hier treffen wir wieder unseren „Einser Weg“, den Sie nun folgen. Nach einiger Zeit sehen Sie rechts am Hang den neuen Trippstadter Bikepark. Wenn der schmale Pfad den breiten Talweg erreicht, haben Sie zwei alternativen, je nachdem, wo Sie gestartet sind: Wenn Sie in der Trippstadter Ortsmitte gestartet sind, folgen Sie der Markierung des Nordic Walking Parks bis zum Kreisel Langensohl, überqueren Sie die Kreisstraße und wandern Sie mit dem gelbblauen Balken (nach links) zurück nach Trippstadt. Oder Sie bleiben auf den Talweg und folgen der Markierung  1 bis zur Brunnenstollenhütte.

Nehmen Sie sich Zeit für diese Wanderung. Bitte beachten Sie, dass es bei dieser Wanderung keine Einkehrmöglichkeit entlang der Strecke gibt. Die Trippstadter Geschäfte bieten die Möglichkeit, Rucksackverpflegung einzukaufen. Die beschriebenen Rastmöglichkeiten unterwegs bieten sich für ein Picknick an.

Dienstag, 13. November 2012

Über die Kunst des meditativen Wanderns



Der Wald als Psychotherapeut - von Hans Wagner

Wandern ist Erlebnis. Therapie auch. Die Verbindung von Wandern und Therapie kann ich nur erfahren und erleben, wenn ich selbst wandere, weil ich mich dann selbst erfahre und bemerke, dass Wandern eine innere und äußere Angelegenheit ist.
Als Wanderführer ist es meine Aufgabe Menschen durch den Wald zu führen und dabei mit den Gästen Gespräche zu führen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Menschen während einer Wanderung durch die Natur tiefere Gespräche führen, als wenn sie sich gerade mal auf der Straße oder in einem Café treffen.


Die Natur ist nicht nur die größte Lehrmeisterin sondern auch die beste Therapeutin. Ich persönlich begebe mich einmal am Tag in eine Therapiestunde, nämlich dann, wenn ich mich zu einer Wanderung aufmache. Meditatives Wandern ist mehr, als nur laufen. Es ist eine kleine Lebenseinstellung. Therapie wie ich sie verstehe, hat vor allen Dingen etwas mit Wachstum zu tun, einem inneren ganzheitlichen Wachstum. 
Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Im Wald, in der freien Natur, fällt vieles von uns ab was uns ansonsten im täglichen Leben belastet. Man findet sehr viel schneller zu sich selbst, zu seinem „inneren Kern“, jenem Teil von uns, den man in der Philosophie „Selbst“ nennt, also zu dem Wesen das wir in Wirklichkeit sind.
Es gibt Menschen die versuchen jemand anderes zu sein als sie selbst es sind, warum auch immer. Solche Menschen haben das gleiche Problem wie jene die meinen, dass die schönste Zeit die sie in ihrem Leben verbracht haben irgendwo in ihrer Vergangenheit liegt. Das ist ein Trugschluss! Andere glauben, dass ihr Bestes in der Zukunft liegt und sind fest davon überzeugt, dass irgendwann einmal das Happy–End an ihre Tür anklopft. Wer so lebt, der rennt einer Illusion nach. Die Natur lehrt uns, dass wir unser Leben im Hier und Jetzt gestalten müssen.
Wir haben das Leben uniformiert und es seiner ursprünglichen Vielheit beraubt. Uns interessiert nicht mehr das Ganze sondern nur ein Teilausschnitt. Wir ahnen eine Innenwelt, doch wir flüchten in die Außenwelt. Anstatt die beiden „Welten“ zu verbinden, nämlich die Immanenz des Transzendenten im diesseitigen Leben zu erkennen und die tiefere Wesenheit von uns selbst im Alltag zu finden.
Der große Vorteil beim meditativen Wandern ist die relativ schnelle Erfahrung, dass ich mich während des Wanderns ganz im Hier und Jetzt aufhalte. Dass ich das Gefühl in mir spüre, ganz bei mir selbst zu sein.
Wandern bedeutet nicht Energie abzugeben, sondern das Gegenteil ist der Fall: Ich lade neue Energie auf!
Bei jeder Wanderung erlebe ich Neues, mit jedem Schritt den ich im Wald tätige, entgehe ich der inneren Versteinerung und Lethargie. Dies ist jedes Mal der Gedanke in mir, wenn ich mich zu einer Wanderung aufmache.
Das, was uns als erstes im Wald fasziniert, manchmal auch ängstlich macht, ist die Stille. In den Wäldern spüren wir plötzlich eine bisher unbekannte Freiheit, die es uns erlaubt, mit dem wesentlichen des Lebens in Kontakt zu treten. Es ist die Stille des Waldes, die uns eine bisher nicht gekannte, schweigende Aufmerksamkeit schenkt. Fern dem unbarmherzig ewig geräuschvoll laufenden Motor der Großstadt finden wir im Wald nun eine ganz andere psychologische Dimension der inneren Einkehr und Ruhe vor. In einer Zeit der entfesselten Mächte, der ökonomischen Unsicherheiten und ökologischen Katastrophen wird uns der Wald zu einer Insel der Erholung, zu einem Ort der Therapie und des inneren Wachstums.

Die tiefen Wälder um Trippstadt laden uns dazu ein, einmal eine meditative Wanderung zu uns selbst zu machen um gestärkt und aufgeladen mit neuer Energie, die uns der Wald kostenlos zur Verfügung stellt, zurück in unser Alltagsleben zu treten.

Erich Kästner hat es in seinem Gedicht „Die Wälder schweigen“ treffend beschrieben, im letzten Vers des Gedichtes heißt es:

„Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.“

Freitag, 9. November 2012

Sankt Martin und der Landstreicher



Eine Erinnerung an meine Kindheit von Hans Wagner

Als ich noch ein kleiner Junge war, erzählte mir meine Großmutter jedes Jahr zum Sankt Martinstag ihre Martinsgeschichte. So wie sie diese Erzählung schon von ihrer Großmutter gehört hatte. Hier ist diese Geschichte:

Einst lief ein alter Bettler fröstelnd durch die eiskalte Novembernacht. Wie Diamanten blinkten am Himmel die Sterne, und der unruhige Vollmond wanderte zwischen ihnen. Wie ein kosmisches Gemälde flackerten die Sterne im ganzen Universum. Der Landstreicher war müde, desto mehr freute er sich, als er plötzlich vor einer halbzerfallenen, uralten Scheune stand. Knarrend drückte er die Tür zur Scheune auf. Durch ein Loch im Dach drang gerade so viel Mondlicht in die morsche Feldhütte, dass er in einer Ecke, unter einer Futterkrippe eine Lage Heu erkennen konnte. Durchfroren wie er war, schlüpfte er mit seinem alten, durchlöcherten Mantel unter das Heu, das ihm ein wenig Wärme schenkte. Es dauerte nicht lange, da schlief der alte, zerlumpte Landstreicher auch schon ein. Mitten in der Nacht schreckte er auf. Ihm war, als hätte er eine Stimme gehört.
„Ist hier jemand?", fragte er in die Dunkelheit hinein. „Zünde mich an!", hörte er mit einem Mal eine Stimme sagen. „Wer bist du? Wer spricht zu mir?", rief der alte Bettler ängstlich. „Ich bin die Laterne, die an der Tür hängt. Nimm mich ab und zünde mich an!". Der Landstreicher kroch aus seinem Heulager und ging zur Tür. Dort zündete er ein Zündholz an und – tatsächlich! An der klapprigen Tür hing eine uralte, verstaubte Laterne in der noch ein Kerzenstumpen steckte. Er hielt das Zündholz durch das zersprungene Glas der alten Laterne, sofort flackerte ein warmes Kerzenlicht auf und das Innere der alten Scheune wurde ein wenig erhellt.
„Ach, ist das schön!“, sagte die Laterne. Der Alte stellte sie auf den Boden, schlüpfte wieder unter sein Heulager und betrachtete verwundert die uralte Laterne. Eine Lampe die sprechen konnte, so etwas war ihm in den vielen Jahrzehnten seiner Wanderschaft und Ruhelosigkeit auch noch nicht passiert.
„Wundere dich nicht!", sagte die Laterne zu ihm. „Ich bin Martins Laterne!".
„Martins Laterne?", fragte der alte Mann. „Ja, die Laterne des Heiligen Martin von Tours. Du kennst doch den Heiligen Martin und seine Geschichte?". „Nun ja, ein wenig", sagte der Landstreicher beschämt. „Ein wenig?", fragte die Laterne verwundert zurück, „dann weißt du auch nicht, dass heute die Nacht des Heiligen Martins ist?". „Nein", kam die Antwort aus dem Heulager. „Dann werde ich sie dir nun erzählen", meinte die alte Laterne.
Es war jetzt richtig gemütlich geworden in der zerfallenen Feldscheune. Das Kerzenlicht wärmte tatsächlich mit einem Mal wie ein kleiner Ofen. Das Heu duftete. Lieblich funkelten Mond und Sterne durch das halbzerfallene Dach und die Laterne begann die Geschichte des Heiligen Martin zu erzählen.


„Um das Jahr 317 n. Ch. wurde Martin in einer Stadt des heutigen Ungarn geboren. Sein Vater war dorthin als römischer Offizier versetzt worden. Auf Wunsch seines Vaters musste Martin mit 15 Jahren Soldat werden. Er kam in die kaiserlich berittene Gardetruppe die mit schönen, weiten Mänteln eingekleidet waren. Als der römische Kaiser junge Soldaten ins heutige Frankreich schickte, war auch Martin unter ihnen". „Und du warst auch dabei?", fragte der Landstreicher ungläubig, doch voller Staunen. „Ja, ich war dabei, ich bin Martins alte Laterne", drang es blechern aus ihr heraus. „Aber jetzt höre endlich zu!".
Und die Martinslaterne erzählte ihre Geschichte:
„Alles begann in einer kalten Winternacht, die Tore der kleinen Stadt sollten bald schließen. Nur in ein paar Wirtshäusern brannten vereinzelt noch Lichter. Dort saßen die Soldaten zusammen. Die Gesichter der Männer waren rot und erhitzt vom Würfelspiel. Martin hatte sein Geld beim Spiel verloren.
„Kommt ins Lager Männer", drängte er. „Morgen müssen wir früh aufstehen!" – Die anderen lachten.
„Hast dein ganzes Geld verloren Martin, und nun keine Lust mehr zum Spiel!".
Aber dann standen sie auf und zahlten ihre Zeche. Martin war beliebt bei ihnen. Martin griff mich und wir gingen in die kalte Nacht hinaus. Es hatte sehr stark und viel geschneit, Martin zog den Kragen hoch, ihn fror. Sein Pferd wieherte leise und freundlich als er aufstieg. In den Straßen herrschte tiefe Stille. Langsam ritten wir los. Die anderen waren schon ein großes Stück voraus.
„Martin!", riefen sie, „komm schneller und leuchte uns mit deiner Laterne!".
Aber Martins Pferd lief ruhig durch die verschneiten Straßen. Die anderen hatten das Stadttor schon erreicht, da blieben sie stehen.
„Martin", johlte einer der Männer „schade, dass du kein Geld mehr hast! Den letzten Heller hättest du diesem hier geben können!". Alles lachte, außer Martin und der Trupp setzte sich wieder in Bewegung.
Martin und ich waren nun auch beim Stadttor angelangt. Ich leuchtete auf die Straße, und im trüben Licht, konnten wir den Menschen erkennen der dort saß, in der kalten Nacht nur in Lumpen gehüllt. Er zitterte vor Kälte. Schnee war in seine Bettelschale gefallen, aber nicht ein einziger Heller.
Martin sprang vom Pferd und sah den armen Mann an. „Die andern haben Recht", sagte er.
„Nichts habe ich mehr, alles habe ich verspielt!". Er war bedrückt, aber plötzlich hellte sich sein Gesicht auf: „Alles was ich dir geben kann, ist das hier!".
Er riss sich den schweren roten Mantel den er anhatte, den einzigen den er besaß, von den Schultern. Mit einem Hieb seines Schwertes teilte er ihn. Einen Teil legte er dem Bettler um und griff kurz nach der Schulter des armen Menschen. Dieser reckte den Arm und wollte ihm danken, aber schon schwang sich Martin auf sein Pferd und ritt davon, den anderen hinterher die jenseits des Tores warteten.
In dieser Nacht schlief Martin sehr unruhig. Einmal fuhr er hoch, weil er dachte, er hätte mein Licht nicht gelöscht. Aber ich lehnte ganz dunkel an der Tür.
Aber es stimmte:
Das Licht in jener Nacht schien besonders hell und mir kam es so vor, als würde ich den Bettler am Fenster sehen mit Martins rotem Mantel. Er lächelte Martin zu und um seinen Kopf erschien ein helles Leuchten.
Von diesem Erlebnis fühlte Martin sich so angesprochen, dass er den Wunsch hatte, Christ zu werden. Der Bischof von Amiens taufte Martin. Er war 18 Jahre alt und wollte kein Soldat mehr sein, er gab dem Kaiser sein Schwert zurück. Bischof Hilarius unterrichtete Martin in der christlichen Religion. Sie wurden große Freunde.
Als der Bischof der Stadt Tours starb, wollten die Menschen Martin zum Bischof. Er erschrak darüber, denn er wollte nicht Herr sondern Diener der Menschen sein. Als Bischof von Tours wurde Martin über achtzig Jahre alt. Er starb wahrscheinlich an einem 11. November. Seit seinem Tod besuchen die Menschen sein Grab in der Kathedrale von Tours in Frankreich."

Als die Laterne ihre Geschichte erzählt hatte, war auch der Kerzenstummel abgebrannt.
Es wurde dunkel in der zerfallenen Scheune. Andächtig hatte der Landstreicher der alten Martinslaterne zugehört. Irgendwann schlief er ein.
Als er am nächsten Morgen aufwachte, hatte es geschneit. Sofort dachte er an das Erlebnis der vergangenen Nacht, aber nirgends konnte er die Laterne finden. Er verließ die Scheune und nahm wieder sein tägliches unstetes Leben auf. Doch kein Tag sollte von nun an im Leben des Bettlers vergehen, da er nicht wenigstens einmal an den Heiligen Martin dachte, den Schutzpatron der Armen und Verachteten.

Donnerstag, 8. November 2012

Der Trost des Waldes - Gedanken eines Waldgängers - von Hans Wagner

Wer in den Wäldern lebt, sieht den Wald anders als jemand der in der Großstadt lebt. Es gibt ihn, den Unterschied zwischen dem Stadtmenschen und dem Naturmenschen und so gibt es auch verschiedene Weisen die Natur zu sehen und zu erfassen.

Der Mensch der die Natur liebt, dem wird sie zu einem letzten Reservat eines romantischen Gefühls. Ihm öffnen die Wälder nicht nur die Sinne, sie schenken seinem Leben auch Sinn. Vor allem jetzt, in der nahenden dunkleren Jahreszeit hat der Wald dem Wanderer hier in Trippstadt besonderes zu bieten. Er fordert seinen Geist und seine Phantasie heraus.
Dass raues Wetter das Denken fördert, ist in der Philosophie allgemein bekannt. Wenn Regen und Wind die äußere Sicht einschränken, wendet der Blick sich nach innen.
In den Wäldern können wir eine Freiheit spüren, die es uns erlaubt, mit dem Wesentlichen des Lebens in Kontakt zu treten. Es ist die Stille des Herbstwaldes, die uns eine bisher nicht gekannte, schweigende Aufmerksamkeit schenkt. Viel intensiver spüren wir nun die Beziehungen zum Wechsel der Jahreszeiten. Fern dem unbarmherzig ewig geräuschvoll laufenden Motor der Großstadt finden wir im herbstlich gefärbten Wald nun eine ganz andere psychologische Dimension der inneren Einkehr und Ruhe vor. 
Gerne erinnern wir uns jetzt auch an Wanderungen die wir im Sommer hier in den Trippstadter Wäldern erlebt haben. Sie geben uns Kraft, und wir nehmen sie mit uns in diese dunklere, mystische Jahreszeit!
Eine helle Erinnerung, zum Beispiel an die Königskerzen, die jedes Jahr an der gleichen Stelle im Wald zu finden sind:
Sie leuchten im Wettstreit mit der Sonne. Königskerzen! In einem einsamen Waldtal stehen sie andächtig und meditativ. Der Kreis der gelben Königinnen ist so angeordnet, dass er einen Eingang hat. Die Natur hat ihn nicht vollkommen geschlossen. Es ist als lade Mutter Erde uns ein einen heiligen Hain zu betreten. Ich trete oft hier ein, setze mich zu den gelben Waldfrauen und bewundere ihr graziles Wachstum. Ich erfreue mich an ihrem wunderbaren Gelb. Es wirkt nicht wie das gelb der Sonnenblumen, nein, diese Strahlkraft hat etwas ätherisches, etwas Seelenhaftes an sich, ähnlich der Färbungen eines Zitronenfalters, denke ich dann oft, irgendwie jenseitig. Jeden Sommer stehen sie wieder da. Jeden Sommer begrüße ich sie aufs Neue, in meinem Leben würde etwas fehlen, würden sie hier einmal nicht mehr erblühen, erscheinen sie mir doch wie Wesen aus einem Zwischenreich.

Aquarell/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner
Viele wunderschöne Eindrücke kann man sammeln, zu jeder Jahreszeit hat der Pfälzerwald etwas zu bieten. Man muss sich nur aufmachen und die Natur genießen, im Frühjahr, im Sommer, jetzt im Herbst beim sanften Fall der Blätter, und auch im Winter, wenn die Stille Einzug hält in den Wäldern um Trippstadt.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Eine Herbstwanderung - von Hans Wagner



Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke


In seiner Farbenpracht ist für viele Wanderer der Herbst jene Jahreszeit, zu der sie am liebsten durch die Wälder streifen. Er ist gleichzeitig auch die vergänglichste der Jahreszeiten und hebt sich vom gewöhnlichen ab wie ein festlicher Augenblick, der sich vom Alltagsgeschehen unterscheidet.

Ähnlich dem Altweibersommer gibt es auch in der ersten Hälfte des Monats Oktober oftmals noch einmal eine Schönwetterperiode. Wenn sich bis zum Vormittag hin die Bodennebel aufgelöst haben, wird es meistens nochmals angenehm warm mit Temperaturen bis zu 20°C. Man nennt diese Zeit im Volksmund "Goldener Oktober". Der Name rührt von der Laubfärbung der Bäume her. Fällt die Oktobersonne in das gelb-rot gefärbte Blätterwerk, dann erscheint in Verbindung mit dem blauen Herbsthimmel jene Stimmung im Pfälzerwald, die wir "Goldener Oktober" nennen.

Der Wanderer, der um diese Jahreszeit Trippstadt aufsucht, um hier ausgiebig zu wandern, sollte, bevor er in die Tiefen des Pfälzerwaldes aufbricht, unbedingt den Trippstadter Schlosspark aufsuchen. Im Herbst gleicht dieser historische Park mit seinem Altbaumbestand und dem mächtigen Barockschloss einem Gesamtkunstwerk. Die starken alten Laubbäume schillern in sämtlichen Herbstfarben, so dass der Besucher sich nicht zu wundern braucht, wenn er plötzlich bemerkt, dass er mit den Augen des Landschaftsmalers sehen kann. Mit diesen Bildern im Herzen sollte er nun aufbrechen, in die versteckten romantischen Täler und sanfte Höhenzügen, die der Pfälzerwald hier bei Trippstadt dem leidenschaftlichen Wanderer zu bieten hat.
Auf seinem Weg durch den schillernden Herbstwald erlebt der Wanderer in den Wäldern um Trippstadt eine ursprüngliche Landschaft, wie man sie heute nur noch selten findet. Ausgedehnte Laubwälder sorgen für frische sauerstoffreiche Luft und ein gesundes Klima. 
Von Aussichtstürmen und Aussichtsfelsen kann man den Blick über den ganzen Pfälzerwald schweifen lassen. Alte Gemäuer, im Walde versteckt, erzählen historische Geschichten.
Zahlreich sind die romantischen Brünnlein und Quellen, die in dieser Gegend des Pfälzerwaldes rieseln. Die Sonne hat ihre gnadenlose Kraft eingebüßt und scheint nun sanft auf die einsamen Waldwege. Überall sprießen nun die Pilze, die geheimnisvollen Geschöpfe der Nacht. Eines schönen Morgens sind sie plötzlich da, meist nach einem leichten Nieselregen in der Nacht. In der Nähe von Birken und Fichtenbäumen findet sich nun der majestätische Fliegenpilz, aber auch Steinpilze und Hexenröhrlinge sprießen nun überall aus dem Boden. Auch die Heckenrose blüht jetzt in ihrer wundervollen Farbenpracht. Nachdem sie bereits im Frühjahr die pfälzische Landschaft mit ihren rosa und weißen Blüten verzaubert hat, präsentiert sich der Strauch im Herbst zum zweiten Mal in seiner vollendeten Schönheit.


Für die einheimische Vogelwelt zählt dieser Strauch zu den wichtigsten Nahrungsquellen. Jetzt, wo die Luft so klar und frisch ist, wo manchmal noch ein letzter Schmetterling taumelnd zu den Blüten der Disteln fliegt, blinken am Abend auch die ersten Herbststerne. Der Wanderer, der um diese Zeit in eines der gemütlichen Gasthäuser in Trippstadt einkehrt, sollte beim Verlassen auf jeden Fall seinen Blick hoch zu diesen Diamanten des Himmels bewegen. Denn um diese Jahreszeit kann man den Sternenhimmel besonders gut beobachten.

Wer in Trippstadt wandert, wird von der Natur verwöhnt werden und das schönste Geschenk, das er von hier mitnimmt, ist die Erinnerung an die großartige Vielfalt des Pfälzerwaldes.

Montag, 22. Oktober 2012

Wo einst Könige, Fürsten und Freiherren wanderten - eine Wanderung zur historischen Amseldell im Trippstadter Wald - von Hans Wagner



Der griechische Philosoph Aristoteles schrieb einmal: „Die Heimat des Philosophen ist der Ort wo er denken kann.“
Nun, es ist wahrscheinlich auch der Ort wo man sich besonders wohlfühlt, wo man Wurzeln ziehen kann. Ein Stück Erde das man liebt. Es ist einem bewusst, dass es einen Ort gibt an dem man sich zuhause fühlt. In dem Wort Heimat schwingt etwas religiöses mit, selbst bei jenen Menschen die Heimat als etwas altbackenes bezeichnen und sich über das Heimatgefühl erhaben glauben. Die innige Verwurzelung des Menschen mit seiner Heimat ist nicht in irgendeiner Ideologie sondern in einem natürlichen Zwang begründet.

Zeichnung Ute Knieriemen-Wagner

Es gibt Gäste die seit vielen Jahren nach Trippstadt kommen und sagen: „Trippstadt ist uns zur zweiten Heimat geworden!“ Dies liegt zweifelsohne an den vielen romantischen Plätzen die wir in der Umgebung von Trippstadt vorfinden. Es sind Plätze der Meditation und Besinnung umgeben von einem „grünen Kranz von Wäldern“.
Ein solcher Platz ist unter vielen anderen die historische Amseldell oberhalb der wildromantischen Karlstalschlucht. In einem grünen Waldhain gelegen scheint dieser Ort in einen Märchenschlaf gefallen zu sein, der nur darauf wartet wieder erweckt zu werden. Jetzt da im Pfälzerwald die Stimmung des Goldenen Oktobers vorherrscht macht es besondere Freude hier zu wandern.
Bereits um die Mitte des 19.Jh. war die Amseldell ein begehrtes Ausflugsziel, wo sogar Bayernkönig Ludwig I umherspazierte. Hier stand einst eine Anlage mit Kegelbahn, Wildholzpavillon, mit Wirtsgarten, Schießstand und Irrgarten. Zwei große Steintafeln erinnern an den Besuch von adligen Hoheiten die hier einst lustwandelten und an den 70. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold am 12. August 1891.
Aber es ist vor allem die Natur, die den Wanderer in diesem Teil des Trippstadter Waldes in seinen Bann zieht. Die alten mächtigen Bäume, die gefallenen Baumriesen bewachsen mit wunderschönen Baumpilzen das Vogelgezwitscher das diesem Platz wohl seinen Namen gab und die tiefe Stille die hier vorherrscht. Eine Stille die zu Besinnung und Meditation einladet.
Die Stille die den Wanderer hier regelrecht aufsucht hat Joseph von Eichendorff einmal in folgende Verse gekleidet:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.

Für viele Wanderer, wenn sie wieder nachhause gereist sind und an Trippstadt zurückdenken, wird gewiss der Name Amseldell ein solches Zauberwort sein.
Die ganze süße Schwermut lang schon vergangener Ereignisse umwittert diese abgelegene Garteneinsamkeit und dem Besucher, der auf seiner Wanderung wegmüde in diese Stille eintritt, wird alsbald dieses wundersame Gefühl zu spüren bekommen. Ja, es liegt noch Heute ein unbeschworener Zauber über dieser alten Gartenanlage. Hier wo einst Kavaliere und adlige Damen umherspazierten unter festlichen Lampions ihren galanten Schäferspielen nachgingen, kichernd durch den Irrgarten aus Buchsbaum rannten, scheint die Zeit still zu stehen und der Besucher fühlt sich sehr schnell in eine andere Zeitepoche versetzt.

Jetzt im Herbst ertönt hier oft der Ruf des Schwarzspechts und durch die mächtigen alten Bäume funkelt manchmal das bunte Gefieder des Eichelhähers. Die wunderschöne Eibe gleich am Eingang zur alten Gartenanlage schmückt nun ihre Nadeln mit roten Früchten und die klare Waldluft mischt sich manchmal mit dem Geruch reifer Pilze und feuchter Moose. Dieses Kleinod im Trippstadter Wald ist ein wahrer Ort der Besinnung und der Meditation.

Samstag, 13. Oktober 2012

Oktober der Erntemond - von Hans Wagner



Es ist die Zeit da, die Stille langsam Einkehr hält im Pfälzerwald. Der Oktober geizt nicht mit seinen Farben. Ja, wer jetzt die Wälder durchstreift, den erwartet ein Farbenrausch. Der altdeutsche Name „Gilbhart“ ist ein Satzname, der das „Färbe den Wald gelb“ in sich trägt. Das alte, heute nicht mehr gebrauchte Wort „Hart“ für „Bergwald“ hält sich noch in geographischen Namen wie Haardt und Harz.
Es ist auch die hohe Zeit der Baumfrüchte. Bevor ein Baum seine Blätter fallen lässt, versucht er noch möglichst viele Nährverbindungen herauszuziehen. Diese wertvollen Stoffe sind an das Blattgrün gekoppelt und je mehr das Grün schwindet, desto stärker treten - auch vorher schon vorhandene – andere Farbstoffe in Erscheinung: Das Blatt wird gelb, rot, orange oder braun. Eine besonders schöne Färbung zeigt nun die Wildkirsche, ihr folgen die Ahornarten.

Wer Anfang Oktober etwas tiefer in den Pfälzerwald eindringt, kann tagsüber schon mal ein unwillig klingendes Knörren vernehmen. Es ist die Zeit der Hirschbrunft. Sobald sich die Frühnebel verzogen haben und die ideale Temperatur vorherrscht, beginnt dieses atemberaubende Schauspiel. Der Platzhirsch tritt auf die Lichtung, wirft majestätisch seinen Kopf in den Nacken und lässt sein markiges Röhren erschallen. Der Oktober ist ein Zaubermonat und doch enthält er schon eine gewisse Melancholie, unerbittlich weist er uns darauf hin, dass der Sommer vorbei ist. Die letzten Zugvögel machen sich nun auf den Weg nach Süden und an den späten, kühlen Abenden tönt das Geschnatter der Wildgänse vom Himmel herab.
Noch einmal schöpft die Natur nun aus dem Vollen, neben den Baumfrüchten sprießen die Pilze und vor allem die Beerenfrüchte. Diese verpacken ihre Samen in eine fleischige Hülle und geben dem ganzen eine glänzende Farbe. Die Früchte ziehen verschiedene Tiere an und dienen ihnen als Nahrung. Sie verbreiten die Kost über ihren Magen. Bei Steinfrüchten speien die Tiere die Samen aus dem Mund wieder aus. Vor allem mit Rottönen werben solche Pflanzen unter den Vögeln. Der Oktober trägt im Volksmund auch den Namen Erntemond. Im Wald sprießt nun eine Vielzahl von Pilzen. Es scheint, als ob die Pilze dann wachsen, wenn Bäume zu ruhen beginnen. Dem ist auch so, wenngleich auch über beider Zusammenleben noch vieles im Geheimen liegt, so ist bei ca. 50 Pilzen eine Lebensgemeinschaft zu einem Baum nachgewiesen. Der besonders giftige Knollenblätterpilz geht nur mit Eichen und Buchen eine Beziehung ein, der Fliegenpilz braucht die Birke und Fichte, während Pfifferlinge Kiefern bevorzugen. Unter dem Waldboden betreiben beide eine Versorgungs-gemeinschaft über ihre Wurzeln. Die feinen Pilzfäden lassen ein regelrechtes Geflecht um die Saugwurzeln der Bäume entstehen. Beim Steinpilz messen die Fäden insgesamt etwa 100 Kilometer. Der Pilz vermag die meist mineralischen Stoffe pflanzlichen und tierischen Ursprungs leichter aufzuschließen und tritt sie als Mineralsalze, Stickstoff und Phosphor an die Baumwurzeln ab. Der Baum wiederum gibt seinem Partner vor allem Kohlenhydrate ab. Diese kann er dann am besten entbehren, wenn das Sprossenwachstum beendet ist.



Aquarell / Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

So wird klar warum im Herbst die Zeit der Pilze beginnt. Pilz und Baum benötigen einander. Hemmungsloses Sammeln dieser Früchte des Waldes ist deshalb unverantwortlich. Gerade im Oktober zeigt uns der Wald durch seine ganzheitlichen Zusammenhänge, dass wir ökologisch nur überleben können, wenn wir uns auf das Ganze besinnen.