Freitag, 23. Dezember 2011

Wandern und die Kunst des Müßiggangs von Hans Wagner

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet würde…..“

Den Anfang dieser allbekannten Geschichte kennen wir alle recht gut und wir hören sie mindestens einmal im Jahr im Monat Dezember, der in ländlichen Gebieten manchmal auch noch unter dem Namen Christmond erscheint. Bei den Germanen war der Name Julmond gebräuchlich. Jul kommt vom altnordischen „jehwla“, das bedeutet „Zeit der Schneestürme“. Der Name Dezember kommt aus dem lateinischen und bedeutet „ der Zehnte“, er leitet sich von „decem“ (zehn) ab, seit Cäsar war der Monat dann endgültig der zwölfte des Jahres.

Je näher die Tage an das Weihnachtsfest heranrücken, desto mehr Ruhe spüren wir in uns. Ohne dass wir es merken, üben wir uns in der berühmten „Kunst des Müßigganges“. Im Wald ist es nun ruhig und noch stiller geworden als im Sommer und Herbst. Wer jetzt durch die Wälder streift, wird jene Muße finden, die in unserm heutigen rechnerischen und materiellen Zeitalter so rar geworden ist. Wo gibt es sie noch, die Ruhe? In den Wäldern, hier können wir für einige Stunden aussteigen aus der Hektik und einsteigen in die Stille, die die Landschaft des Pfälzerwaldes uns schenkt. Muße heißt auf lateinisch „schola“. Sie bedeutet ein Tun, das sich dem oberflächlichen Tun des Daseins entzieht. Hetze, Eile, Tempo, Geschwindigkeit und Stress prägen den Alltag des modernen Menschen. Sie entspringen unserer Daseinssituation und oft merken wir nicht, dass wir Gefangene unserer eigenen Ökonomie geworden sind. Die Vergnügungsindustrie deckt uns zu mit ihren billigen Reizmitteln. Ruhe und Muße, das sind Begriffe, für die wir heute schnell bereit sind, eine Verlustanzeige aufzugeben. Aber in den Wäldern laufen die Uhren ein wenig anders. Wenn wir durch die schneebedeckten Täler und Höhen des Pfälzerwaldes wandern, erscheint uns gerade jetzt, im besinnlichen Monat Dezember, als spazierten wir in eine andere Wirklichkeit hinein. Das Wandern in den Wäldern wird uns für kurze Zeit zu einer regelrechten Seinsweise. Und so spüren wir für einen Moment die wahre Wirklichkeit, in der wir leben. Wir treten für einige Zeit aus unserer materiellen Existenzgrundlage heraus und betreten den spirituellen Bereich des Daseins. In der ruhigen Atmosphäre des winterlichen Waldes findet der Wanderer schnell zu sich selbst. Der Wald wird zu einem Ort der Muße und Kontemplation.

Die Wälder um Trippstadt atmen jetzt einen besonderen Zauber aus und jeder Baum wird zu einem Zuspruch. Zu jeder Jahreszeit hat der Trippstadter Wald für den Wanderer seinen Reiz. Neben der Fülle von Naturerscheinungen, die wir hier vorfinden, ist es auch die Geschichte, die uns während einer Wanderung in ihren Bann ziehen wird. Das barocke Trippstadter Schloss mit seiner romantischen Gartenanlage, die alte Burg, das wildromantische Karlstal oder die historische Amseldell, um nur einige Ausflugsziele zu nennen. Doch der wahre Schatz, den dieser Wald für den Besucher bereithält, sind seine stillen Waldtäler, seine geheimnisvollen Waldteiche und Wooge. Orte der Entspannung und Loslösung von den Problemen des Alltags!


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