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Es werden Posts vom 2011 angezeigt.

Wandern und die Kunst des Müßiggangs von Hans Wagner

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„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet würde…..“
Den Anfang dieser allbekannten Geschichte kennen wir alle recht gut und wir hören sie mindestens einmal im Jahr im Monat Dezember, der in ländlichen Gebieten manchmal auch noch unter dem Namen Christmond erscheint. Bei den Germanen war der Name Julmond gebräuchlich. Jul kommt vom altnordischen „jehwla“, das bedeutet „Zeit der Schneestürme“. Der Name Dezember kommt aus dem lateinischen und bedeutet „ der Zehnte“, er leitet sich von „decem“ (zehn) ab, seit Cäsar war der Monat dann endgültig der zwölfte des Jahres.
Je näher die Tage an das Weihnachtsfest heranrücken, desto mehr Ruhe spüren wir in uns. Ohne dass wir es merken, üben wir uns in der berühmten „Kunst des Müßigganges“. Im Wald ist es nun ruhig und noch stiller geworden als im Sommer und Herbst. Wer jetzt durch die Wälder streift, wird jene Muße finden, die in unserm heutigen rechnerischen und materiellen Zeitalter so…

Die Eibe (Taxus baccata) der Baum der Auferstehung - von Hans Wagner

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Die Eibe war früher in den Wäldern unserer Heimat weit verbreitet. Da sie nur sehr langsam wächst, wegen ihres festen und elastischen Holzes aber von jeher sehr begehrt war, ist sie heute als Waldbaum fast verschwunden. Ein weiterer Grund ihrer Ausrottung sind ihre sehr giftigen Beeren. Da früher das Holz mit Pferden gefahren –und gerückt wurde, waren Holzfäller und Fuhrknechte schnell mit der Axt zur Hand erkannten sie eine Eibe. Die wenigen noch vorhandenen Bestände sind als Naturdenkmäler geschützt. Häufig finden wir die Eibe als Gartenschmuck in Vorgärten und Parkanlagen. Sie erträgt Verstümmelungen in der Krone leicht und eignet sich daher auch zur Anpflanzung „lebender Hecken“, was unsere heimische Vogelwelt mit Genugtuung wahrnimmt. Im Gegensatz zu unseren heimischen Nadelhölzern, ist der immergrüne Baum oder Strauch, zweihäusig und vollkommen harzlos. Seine breiten zweiteilig angeordneten Nadeln enthalten ein starkes Gift. Die weiblichen Blüten weisen nur eine Samenanlage auf,…

Schneespaziergang - von Hans Wagner

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Mit dem ersten Schnee verwandelt der Pfälzerwald sich oft über Nacht in eine Zauberlandschaft. Was den Autofahrern ein Ärgernis ist, dies ist den Kindern die große Winterfreude! Der erste Schnee hat etwas Magisches und meist schafft er es auch, die Seele der Erwachsenen zu bezaubern. Über einer Neuschneelandschaft liegt etwas Märchenhaftes. Sie berührt uns wie ein wundersames Gedicht und entführt uns ins Reich unserer Kindheit. Es liegt ein unwirklicher und unbeschworener Zauber über dem Wald, wenn der frisch gefallene Schnee die Landschaft verwandelt. 
Nun ist es an der Zeit den Schlitten zu nehmen und aufzubrechen. Zuerst in den Trippstadter Schlosspark der sich mit dem ersten Schnee in eine große Spielwiese für die Trippstadter Kinder verwandelt hat. Wie ein verwunschener, geheimer Garten erscheint uns jetzt der Park. Der über Winter stillgelegte Springbrunnen steht nun einsam da und mächtig wirkt das Schloss, mit seinen wuchtigen Sandsteinquadern und Balustraden. Wenn dann noch die…

Der Wald im Winter - von Hans Wagner

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Zu jeder Jahreszeit bietet der Pfälzerwald dem Wanderer etwas Einmaliges. Der Wald kennt keine Winter-Tristesse, das Gegenteil ist der Fall. Auch in der kalten und kahlen Jahreszeit verwöhnt er den Wanderer mit seinen schöpferischen Offenbarungen. Während uns im Frühjahr, Sommer und Frühherbst das rauschende Blattwerk unserer heimischen Waldbäume fasziniert, so ist es im Winter ihre archaisch anmutende Wuchsform, die unser Auge in Bann zieht. An ihrer Wuchsform sind die verschiedenen Bäume schon aus der Ferne zu erkennen. Es sind vor allem alte Bäume, die im Einzelbestand (Solitär) aufgewachsen sind, welche uns nun im unbelaubten Zustand ihre Geschichte erzählen. Schon auf den ersten Blick kann man auf ihren arttypischen Charakter und ihr Baumwesen schließen. Wie unterschiedlich präsentieren sich uns doch diese geheimnisvollen Baumpersönlichkeiten! 
Knorrig und lebensstark zugleich zeigen sich uns die Eichen, als würden sie sich gegen alles wenden. Die Linden wirken luftig, locker und …

Die Mistel eine alte Zauber– und Heilpflanze - von Hans Wagner

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Besonders im Winter fallen uns auf entlaubten Bäumen kugelförmige Büsche auf. Es sind Sträucher der Mistel ( Viscum album) deren gelbgrüne Stängel sich halb gabelig verzweigen und lanzettlichte bis spatelförmige, etwas gedrehte Blätter tragen. Jede Gabelung entspricht einem Jahrestrieb. Die Mistel ist eine halbschmarotzende Pflanze. Im Dezember reifen die fleischigen weißen erbsengroße Früchte. Der Samen wird von Vögeln mit deren Kot auf neue Bäume getragen. Die Mistel, von der es etwa 1400 Arten gibt, wächst meist hoch oben in den Wipfeln der Bäume.
Wo man auch leben mag, in Senegal oder in Schweden, in England oder in Japan, überall hängen Misteln zwischen Himmel und Erde. Wenn die übrige Natur ihr Winterkleid anlegt oder sich zum Winterschlaf in die Erde verkrochen hat, ist die Mistel eine wahre Augenweide. Im Nahen Osten sind Mistelbeeren gelb, rot oder orange. In der Regel stirbt die Mistel erst wenn der Wirtsbaum stirbt. So schätzten Forstleute das Alter einer Mistel, die auf ein…

(S) INNE (er) HALTEN - von Hans Wagner

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Es gibt verschiedene Weisen die Natur zu sehen und zu erfassen, sie hat für alle nur möglichen Fragen eine Antwort bereit. Wenn wir uns in ihr bewegen müssen wir nur immer wieder einmal innehalten – dann werden wir von der Natur auch Sinn erhalten.
Während einer Wanderung durch den Trippstadter Wald wird die umgebende Mitwelt uns dies bestätigen. Menschen von heute begegnet die Natur anders als sie z.B. unseren Urgroßeltern begegnete. Sahen diese in den unendlichen Räumen des Kosmos das Himmels- und Sternenzelt, Sonne und Mond noch als Licht und Lampe eines friedvoll in sich ruhenden Erdentages und die alte Mutter Erde als fruchtbaren Boden allen Lebens, so können viele Menschen von heute diese Anschauungen oft nicht mehr nachempfinden. Und dennoch, wenn wir den Wald betreten, scheint es uns da nicht, dass mit einem Mal manches Schwere von uns fällt, dass wir Stress und Hektik plötzlich hinter und lassen können? 
Der Wald wird uns zu einem letzten Reservat eines romantischen Gefühles. W…

Wenn es still wird in den Wäldern - von Hans Wagner

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„Neblung“ nannten ihn die Altvorderen. Nie scheint das Jahr so dunkel empfunden zu werden wie im Nebelmond, jenem Monat den wir heute November nennen. Aus der christlichen Tradition heraus gesehen ist es der Monat des Heiligen Martin von Tours. In vielen pfälzischen Dörfern finden nun die traditionellen Martinsumzüge statt. Das Fest des Heiligen Martins wurde nicht zufällig auf den 11. November gelegt. An diesem Tag feierten die Römer das „Fest des neuen Weines“. Dieses Fest wurde auch in der Pfalz von den Römern gefeiert und als das Christentum hier zunehmend Fuß fasste, weihte man den neuen Wein eben dem Heiligen Martin.

Die Kelten, die vor den Römern die Pfalz besiedelten, begannen Anfang November die Feierlichkeiten zu „Samhain". Leichte Spuren findet man heute noch in der amerikanischen Version von Halloween, das sich inzwischen auch in Deutschland bestens vermarkten lässt. Für die alten Kelten öffneten sich zu Samhain die Türen zur „Anderswelt“. Die Kirche hat dies geschickt…

Die Kunst des meditativen Wanderns - von Hans Wagner

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Wer sich zu einer Wanderung aufmacht, sollte dies bewusst tun. Wandern bedeutet sich bewegen, sich bewusst bewegen. Wenn wir spazieren gehen, laufen wir oftmals einfach los. Wenn wir zu einer Wanderung aufbrechen, haben wir in der Regel ein Ziel vor Augen: Eine Burg, ein Baum, ein Ort, eine Quelle oder sonst eine Sehenswürdigkeit. Doch wenn wir uns Wochen später an unsere Wanderung zurückerinnern, fällt uns auf, dass in der Erinnerung vor allem jene Dinge und Erlebnisse zurückgeblieben sind, die wir auf unserem Wanderweg gesehen oder erlebt haben. Denn: Der Weg ist das Ziel! Dies ist eine Weisheit, die jeder erfahrene Wanderer schon einmal gemacht hat. Wandern hat viel mit „er-fahren“ zu tun. Das alte Wort fahren umfasst jede Art von Fortbewegung, wie z.B. das Wort Pilgerfahrt, Zugfahrt oder Autofahrt uns zeigt. Erfahren kommt von ervan und heißt ursprünglich nichts anderes als „reisend erkunden“. Wenn wir also etwas er-fahren wollen, müssen wir uns auf den Weg machen. Meditatives Wan…

Ein Spaziergang entlang des Philosophenweges - von Hans Wagner

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Wer im Spätherbst oder im Winter sich zu einem Spaziergang entlang des Trippstadter Philosophenweges aufmacht, wird von der romantischen Herbheit dieses Landstriches gewiss begeistert sein.

Hier, wo dunkel bewaldete Hügel den Horizont verstellen und zugleich eine Weite ahnen lassen, versinkt der Wanderer schnell in tiefe Gedanken. Selten, dass man auf diesem Weg jemandem begegnet. Was hier vorherrscht ist Stille.
„Nur wer in die Stille geht, kann sich selbst und der Welt wirklich begegnen“ schrieb einst ein großer Philosoph. Wir dürfen natürlich nicht mit dem Körper in den Wald gehen, „ohne mit dem Geist angekommen zu sein“.
Ist es nicht gerade die raue, karge Jahreszeit, der Spätherbst und der Winter, die oft für den Wanderer die ergiebigsten sind? Sie fordern seinen Geist und seine Phantasie heraus. Dass rauhes Wetter das Denken fördert ist in der Philosophie allgemein bekannt. Wenn Regen und Schnee die äußere Sicht einschränken, wendet der Blick sich nach innen. Und wenn auf den Fel…